Medienkritik Ein "War Room" für die AfD

Mikrofone verschiedener Fernsehsender stehen im Thüringer Landtag in Erfurt vor dem AfD-Parteilogo.

(Foto: dpa)

Die Partei will eine eigene PR-Abteilung gründen, die Inhalte direkt an ihre Anhänger kommuniziert. Ziel ist es, von traditionellen Medien unabhängig zu werden.

Von Jens Schneider

Wenn die AfD in Berlin Journalisten zu Pressekonferenzen einlädt, begnügt sie sich gern mit kleinen Sälen. Gelegentlich war es in den letzten Monaten so eng, dass einige Reporter im Flur vor dem Saal stehen mussten. Wollten sie Fragen stellen, mussten sie sich erst nach vorn kämpfen. Dabei ist es keineswegs so, dass die Spitzenpolitiker der AfD keine Fragen beantworten wollen. Das tun sie meistens gern. Aber ihre Pressestelle hat dabei eher am Rande im Blick, was die Journalisten in ihren Artikeln oder Radio- und Fernsehberichten daraus machen.

Viel wichtiger sind ihr die eigenen Aufnahmen der knallvollen Pressekonferenz, die sie versenden kann - live über das Internet, und danach immer wieder in den sozialen Medien, sei es Twitter, Facebook oder Webseiten der Partei. Schon im Bundestagswahlkampf hat die AfD intensiver und mit viel mehr Resonanz als alle Konkurrenten ihre Politik über eigene Kanäle transportiert. Das macht sie inzwischen auch mit ihren Reden im Bundestag. Jetzt will die Bundestagsfraktion die Methode ausbauen und professionalisieren. Von einem "Newsroom" ist in einem dreiseitigen Papier aus dem Januar die Rede. Gemeint ist eine große PR-Abteilung, mit eigenem Fernsehstudio, mit der sich die AfD von Medien unabhängig machen möchte.

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"Es geht darum, eine Art War Room aufzubauen, der für uns unsere Inhalte ungefiltert an den Mann bringt", sagt Christian Lüth, er ist Sprecher der Partei und kommissarischer Sprecher der Fraktion im Bundestag. Der Abgeordnete Jürgen Braun, einer der Parlamentarischen Geschäftsführer, entwickelt die Abteilung federführend, er hat selbst früher als Journalist gearbeitet.

Auf die Presse will die Partei nicht verzichten, wichtiger aber sind ihr die "direkten Kanäle"

Im Papier der Fraktionsspitze mit dem Namen "Die Kommunikationsabteilung der AfD-Bundestagsfraktion" werden die Aufgabengebiete unterteilt: Es soll auch eine klassische Pressestelle geben, sie ist im Aufbau, intern wird um die Besetzungen gerungen. Mit ihr strebt die Fraktionsspitze einen Umgang mit Journalisten an, der dem anderer Parteien entspricht. Man sendet Pressemitteilungen aus und lädt zum Gespräch über Initiativen im Bundestag.

Die AfD wolle nicht auf die Information von Journalisten verzichten, sagt Lüth dazu. "Aber für uns stehen die direkten Kanäle im Mittelpunkt." Die PR-Abteilung solle Aktionen und Mitteilungen der Fraktion planen und dafür sorgen, dass die schnell und direkt verbreitet werden. Zwanzig Mitarbeiter will man anstellen, im Schichtbetrieb non stop AfD-Werbung produzieren. Als Vorbild wird "FPÖ-TV" genannt, über das die Rechtsnationalen in Österreich ihre Botschaften in geschmeidiger Aufmachung aussenden.

"Solange die AfD von vielen Medien ignoriert oder mit Fake News gezielt schlechtgemacht wird, kann es nur diesen Weg geben", sagte Fraktionschefin Alice Weidel dem Focus. Zum Konzept gehört, dass ihr Team auch den Anschein journalistischer Arbeit erwecken soll, als handele es sich nicht um PR und Weltanschauung, sondern um objektive Wahrheiten.

Für die journalistische Anmutung wird man in der neuen Abteilung Fachleute suchen

Die AfD reklamiert seit Langem, dass ihre Botschaften von vielen Medien unterdrückt würden, eben so Nachrichten, die nicht in deren Weltbild passten. Der Fraktionsspitze ist freilich bewusst, dass diese Behauptung schon ein Teil ihrer PR-Strategie ist - ein erfolgreicher. Sie hat vom Vertrauensverlust etablierter Medien profitiert und ihn zum eigenen Nutzen gezielt verstärkt, indem ihre Politiker von der "Lügen"-, andere etwas moderater von einer "Lückenpresse" sprechen. Das erklärt die besondere Wirkung der AfD-Kommunikationsstrategie, die sie nun ausbauen will. Ihre Methode unterscheidet sich zunächst wenig vom Ansatz der anderen, die auch gern an Journalisten vorbei kommunizieren wollen. Auch die Konkurrenz twittert und ist auf Facebook präsent, und es ist eher verwunderlich, dass die meisten das so viel weniger offensiv tun als die AfD. Es ist alles andere als eine Geheimwissenschaft. Die AfD braucht dafür weder besondere Raffinesse, noch viel Geld, sondern nur eine einfache Kamera und einen Computer. Für die journalistische Anmutung wird man in der neuen Abteilung nun auch Fachleute suchen wollen.

Bisher schert sich die AfD wenig darum, wenn man ihr unanständige Grenzüberschreitungen vorwirft, so lange die bei ihren Anhängern ankommen. In den sozialen Netzwerken werden ihre Botschaften und vermeintliche Nachrichten tausendfach geteilt und selten hinterfragt. Man bewegt sich wie in einer eigenen Welt. Parteisprecher Lüth sagt, er bekomme viele "Rückmeldungen von Bürgern, die sagen, dass sie den Mainstream-Medien nicht mehr glauben". Es gebe bei ihnen eine Tendenz zu sagen: "Euch glaube ich, denen nicht." Die neue Abteilung soll das nutzen. Wann das alles starten wird, ist noch offen. Erst mal soll die Fraktion über den Vorschlag befinden.

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