Abgeordneter Christopher Lauer Von den Piraten zu Springer

Von den Piraten zu Springer: Christopher Lauer.

(Foto: Getty Images)
  • Christopher Lauer, Ex-Pirat und Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus, wird "Leiter der strategischen Innovationen" bei Axel Springer.
  • Der 30-Jährige ist mit allen Facetten der digitalen Kommunikation vertraut und hat in seiner Zeit bei der Piratenpartei einiges über ihre Tücken gelernt.
  • Kritiker werfen ihm einen Wechsel auf die "dunkle Seite der Macht" vor. Der Springer-Konzern ist unter Piraten nicht gerade beliebt.
Von Hannah Beitzer, Berlin

Fuckup-Nights heißen Veranstaltungen, auf denen Menschen von ihrem Scheitern erzählen, eine Mischung aus Poetry Slam, Gruppentherapie und Live-Ratgebershow. Auf einer dieser Nächte in Hamburg trat im März Christopher Lauer auf, Ex-Pirat und Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus. Er berichtete vom Scheitern der Piratenpartei, die er einige Monate zuvor im Streit verlassen hatte.

Von Wut war bei ihm nun nichts mehr zu spüren. Lauer, der in der Vergangenheit schon einmal Gift und Galle spuckte über seine (Ex-)Parteifreunde und die Presse, wirkte gelassen, als er über politische Unbedarftheit, Shitstorms unter Parteifreunden, den schwierigen Umgang mit Medien und auch die eigenen Fehler sprach. Kein Wunder, denn für ihn hatte nach dem Scheitern schon etwas Neues begonnen.

Seit Anfang des Jahres ist Lauer Berater des Axel-Springer-Konzerns für Datenschutzfragen. Nun steigt er auf zum "Leiter der strategischen Innovationen". Für Springer soll er technologische Trends "beobachten und auswerten sowie Impulse für neue Entwicklungen in den für Axel Springer relevanten digitalen Märkten geben", schreibt der Branchendienst Meedia.

Axel Springer sei "ein Unternehmen, das an vorderster Front den digitalen Wandel der Medienbranche vollzieht", sagt Lauer auf Anfrage von SZ.de. "Ich freue mich, zukünftig diesen Wandel mitgestalten zu können." Auch wenn er jetzt eher auf der kaufmännischen Seite arbeite, kündigt Lauer an, "weiterhin bei Gelegenheit publizistisch tätig" zu werden. Sein Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus behalte er bei.

Lauer kennt die Tücken der digitalen Kommunikation

Aus Sicht von Springer ist Christopher Lauer sicher keine schlechte Wahl. Lauers Ex-Partei trat an, um mit den Instrumenten der digitalen Welt die Politik zu verändern. Zwar nur mit kurzem Erfolg - aber was soll's, schließlich macht Scheitern im Idealfall schlauer. Womit sich der Kreis zur Fuckup-Night in Hamburg schließt. Lauer, der dort noch einmal über seine Zeit in der Piratenpartei sprach, hat in den vergangenen Jahren einiges gelernt über die Tücken der Digitalisierung. Er ist außerdem klug, redegewandt und mit allen Facetten der Online-Kommunikation vertraut. Allerdings ist er auch unberechenbar, impulsiv und hat einen fatalen Hang zur Selbstüberschätzung - Eigenschaften, die er selbst in einem Buch eingestand, das er gemeinsam mit Deutschlands bekanntestem Interneterklärer Sascha Lobo schrieb.

Dass er nach der Piratenpartei nun ausgerechnet zu Springer geht, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Noch vor einigen Jahren weigerte sich manch ein Pirat, Journalisten des Konzerns auch nur die Hand zu geben. Auf Twitter sprechen manche nun über einen Wechsel Lauers "auf die dunkle Seite der Macht". Lauer selbst beklagte erst kürzlich in einem Beitrag für die Zeit die "Skandalisierung" der politischen Berichterstattung - was ihm einige nun nach dem Wechsel zu Springer, zu dem immerhin auch die Bild gehört, unter die Nase reiben.

Seine Fraktion hingegen gratuliert ihm schlicht zum neuen Job. Und setzt in Klammern hinter seinen Namen ein "weiterhin Fraktionsmitglied!". Das Berliner Abgeordnetenhaus ist ein Teilzeitparlament, so dass gegen einen Zweitjob nichts einzuwenden ist.