5. Dezember 2012 10:21 Türkei rügt "Simpsons" Beleidigung in Gelb

Der Teufel fragt Gott, ob er ihm Kaffee machen kann: Wegen Beleidigung religiöser Werte hat die türkische Rundfunkaufsicht für die Ausstrahlung der US-Zeichentrickserie "The Simpsons" eine Geldstrafe von rund 23 000 Euro verhängt. Und Premier Erdogan hat noch ein weiteres TV-Format im Visier.

Von Christiane Schlötzer, Istanbul

Die New York Times bezeichnet die türkische TV-Serie "Muhtesem Yüzyil" als eine Art osmanisches "Sex and the City". Der türkische Name der Erfolgssendung lässt sich mit "prächtiges Jahrhundert" übersetzen.

Wie auch immer, für Premierminister Tayyip Erdogan zeichnet der Straßenfeger, der schon in 22 Länder verkauft wurde, jedenfalls ein völlig falsches Bild der Verhältnisse im Istanbuler Sultansserail. Zu viele Intrigen, zu viel Tändelei und lockerer Lebenswandel. Süleyman der Prächtige habe schließlich "30 Jahre im Sattel verbracht", ließ Erdogan jüngst wissen. Was wohl heißen sollte: Der Mann hatte für so viel Unsinn überhaupt keine Zeit.

Der Premier forderte die einschlägigen Institutionen auf, sich im Rahmen der Gesetze mit der Serie eingehend zu befassen. Die staatliche Rundfunkaufsicht, in der Türkei unter dem Schreckenskürzel RTÜK bekannt, hat sich aber lieber erst einmal mit einer amerikanischen Serie befasst: Wegen Beleidigung religiöser Werte wurde der türkische Sender CNBC-E jetzt für die Ausstrahlung einer Folge der US-Zeichentrickserie "Die Simpsons" mit einer Geldstrafe von umgerechnet knapp 23 000 Euro belegt.

Bei der beanstandeten Szene der ältesten US-Sitcom soll es sich um einen Sketch handeln, in dem der Teufel Gott fragt, ob er ihm Kaffee machen könne, wie türkische Zeitungen berichten.

Das Massenblatt Hürriyet spottete, "in einem Land, in dem ein Premierminister in einer TV-Serie einen Dokumentarfilm sieht", könne man nicht erwarten, "dass ein Rundfunkkontrolleur eine Zeichentrickkomödie versteht".