7. November 2012, 16:50 Neue Polit-Talkshow "Absolute Mehrheit" Stefan Raab hat Stress mit der Gästeliste

Noch nicht auf Sendung und schon Ärger: Die Redaktion von Stefan Raabs neuer Talkshow "Absolute Mehrheit" hat angeblich auf Druck von Bundesumweltminister Peter Altmaier den Grünen Volker Beck wieder ausgeladen. Der Minister dementiert. Er und der Doch-nicht-Gast seien beste Freunde.

Von Thorsten Denkler und Michael König

Stefan Raabs neue Polit-Talkshow "Absolute Mehrheit" geht am Sonntag auf Sendung. Schon vorher gibt es Ärger.

(Foto: obs)

Stefan Raab und politischer Talk, das klingt wie Oma auf Motorrad oder Fisch im Löwengehege. Jedenfalls nach nichts, was zusammenpassen könnte. Raab, der Alleinunterhalter auf ProSieben, will es dennoch versuchen. Am kommenden Sonntag startet um 22:45 Uhr sein neues Projekt "Absolute Mehrheit". Zuvor gibt es jetzt aber Zoff um die Gästeliste.

Ganz nach "Schlag den Raab"-Manier geht es in der Sendung nicht ohne Wettkampf. Meinung soll sich lohnen. Wer es am Ende schafft, die Menschen zu überzeugen, bekommt 100.000 Euro Preisgeld.

Wer bereit ist, sich in der Premierenshow von Raab ausfragen zu lassen, war lange geheim. Jetzt rückt ProSieben raus mit der Liste - und bekommt prompt Ärger aus dem politischen Berlin.

"Gespräch auf Augenhöhe"

Via Twitter beschwert sich Sebastian Brux, Büroleiter des Grünen Parlamentsgeschäftsführers Volker Beck, dass sein Chef erst eingeladen worden sei und zugesagt habe, dann aber wieder ausgeladen worden sei. Das kann passieren. In dem Fall aber scheint es, als habe der Druck eines Bundesministers genügt, um die Produktionsfirma Brainpool dazu zu bringen, Beck einen Korb zu geben.

"Wo die Regierung dem Moderator noch vorschreiben darf, wer von der Opposition ausgeladen werden muss: Stefan Raabs Polittalkshow", twittert Brux. Auf Nachfrage von SZ.de präzisiert er: "Raabs Assistentin hat angerufen und @Volker_Beck für Sonntag ausgeladen, weil @peteraltmaier sonst nicht kommt."

Twitter So zwitschert die deutsche Polit-Elite

Das ist erstaunlich. Bundesumweltminister und Vieltwitterer Altmaier und Beck pflegen jenseits politischer Auseinandersetzungen seit langem eine gute Freundschaft. Dass Altmaier, der jetzt als Gast der Sendung aufgeführt wird, Beck nicht an seiner Seite sehen will, erscheint einigermaßen zweifelhaft.

Altmaier soll bei Brainpool angeblich um "Gesprächspartner auf Augenhöhe" gebeten haben. Nach Informationen von SZ.de haben Beck und Altmaier am Mittwochnachmittag wegen der Sache kurz miteinander telefoniert. Der Umweltminister hat dem Grünen-Geschäftsführer in dem Gespräch versichert, dass nicht Beck gemeint gewesen sei, als er sich mit der Bitte an Brainpool gewandt hat.

An sich ist das kein unüblicher Vorgang. Ein Bundesminister im Rededuell mit einem unbekannten Hinterbänkler aus einer Oppositionsfraktion, dazu würde kein Medienberater der Welt raten. Doch Beck ist kein Hinterbänkler, sondern als streitbarer Fraktionsmanager gern gesehener Gast in vielen Talkshows. Auch mit Bundesministern hat er sich schon gemessen.

Dass Gäste ausgeladen werden, ist prinzipiell auch nicht ungewöhnlich. Ändert sich die aktuelle Lage und damit das Thema der Sendung, muss eine Talk-Show-Redaktion umdisponieren, neue Gäste finden und den Eingeladenen absagen.

Allerdings haben sich die Themen gar nicht geändert. Wie geplant - und Beck gegenüber angekündigt - geht es um Steuergerechtigkeit, Energiewende und soziale Netzwerke. Eine Sendung zum Thema Umweltpolitik ohne einen Grünen zu machen, das ist schon einigermaßen bemerkenswert. Und was soziale Netzwerke angeht, wären Altmaier und Beck geradezu eine Traumbesetzung: Beck kann bei Twitter auf 26.000 Follower verweisen, Altmaier auf 27.000.

Merkwürdig ist der Vorgang auch angesichts der anderen Polit-Gäste. Mit Thomas Oppermann (6100 Twitter-Follower) wird ein Mann bei Raab zu Gast sein, der wie Beck bei den Grünen parlamentarischer Geschäftsführer der SPD ist. Nahezu unbekannt ist der Linken-Abgeordnete Jan van Aken (auf Twitter nicht vertreten). Dass er Vize-Chef von Partei und Fraktion ist, wissen wohl nur Polit-Junkies. Einzig Wolfgang Kubicki (ebenfalls nicht auf Twitter), Fraktionschef der FDP in Schleswig-Holstein, kann es in Sachen Prominenz mit Beck und Altmaier aufnehmen.

"Die Behauptung ist schlicht falsch"

Noch am Montag standen alle diese Politiker auf Raabs Gästeliste, "und natürlich Herr Beck", wie aus einer Mail von Brainpool an Beck hervorgeht, die Süddeutsche.de vorliegt. Beck ist bereits Anfang Oktober von Brainpool angesprochen worden, ob er sich vorstellen könne, Gast in der Sendung zu sein.

Altmaier wiederspricht via Twitter vehement, dass er Druck auf Brainpool ausgeübt haben soll. "Die Behauptung ist schlicht falsch. Ich bin mit Volker Beck befreundet, war mit ihm in vielen Talkshows und werde das gerne auch wieder tun". Auch gegenüber Süddeutsche.de macht er klar: "Ich hab mit der Person Beck keinerlei Probleme, er ist mein Freund!"

Das macht die Sache für Brainpool kompliziert. Die Produktionsfirma wollte sich auf SZ.de-Anfrage nicht äußern, auch der Sender ProSieben zeigt sich wortkarg. Die Zusammensetzung sei eine "redaktionelle Entscheidung", die man nicht weiter kommentieren wolle. Man rechne aber damit, am Sonntagabend eine lebhafte Diskussion zu sehen.