60. Geburtstag Sympathischer Schlaumeier mit Sadismus-Tick

Hilft auch mal als Regisseur aus, wenn Kandidaten falsch stehen: Moderator Günther Jauch in seiner neuen Show 500 - Die Quiz-Arena.

(Foto: RTL / Frank W. Hempel)

Seinen Arbeitslebensabend verbringt Günther Jauch als Quizmaster. Zum 60. hat ihm RTL eine neue Rateshow auf den Leib geschneidert - die sagt viel über die Fernsehfigur Jauch aus.

Von Johanna Bruckner

Ob ihr alle richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht. Diesen Spruch kennt jeder, der in jungen Jahren mal die Ratesendung 1, 2 oder 3 gesehen hat. Im Alter wird der Mensch bekanntlich wieder zum Kind, insofern ist es nur schlüssig, dass RTL das Prinzip nun für das neue Quiz-Format von Günther Jauch adaptiert hat. Der wird an diesem Mittwoch 60 Jahre alt - und ist bei 500 - Die Quiz-Arena schwerpunktmäßig damit beschäftigt, die Kandidaten dorthin zu dirigieren, wo sie zu stehen haben. Das versucht zwar auch die Studiotechnik mit Lichtkegeln, aber im Lightshow-Spannungscrescendo kann so eine einzelne Lichtsäule schon mal untergehen.

Gott sei Dank gibt es den Rateshowroutinier Jauch. Seit 1999 führt er durch Wer wird Millionär?, in seiner TV-Vita finden sich mindestens sechs weitere Quiz-Formate. Er kann auch anders: Als Sportmoderator ist er preisgekrönt, weil er an der Seite von Marcel Reif ein umgestürztes Tor vor dem Champions-League-Halbfinale 1998 so unterhaltsam kommentierte, dass die Einschaltquoten während der Verzögerung höher waren als beim anschließenden Fußballspiel. Und der ausgebildete Journalist Jauch trug auch schon die Krone des Polit-Talks, mehr als vier Jahre lang hatte er in der ARD seine eigene Sendung am späten Sonntagabend, direkt nach dem Tatort. Seinen Arbeitslebensabend bestreitet er nun jedoch mit Quiz-Formaten, die ihm RTL auf den Leib schneidert.

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Mal wird Jauch selbst zum Kandidaten (5 gegen Jauch), mal ist er als Kindergärtner für seinen langjährigen Weggefährten Thomas Gottschalk besetzt (Die 2 - Gottschalk & Jauch gegen alle). Und jetzt eben 500 - Die Quiz-Arena, wo er zur Abwechslung moderiert. Unabhängig von der Formatidee, ist das Jauch'sche Konzept stets das gleiche: Er gibt den sympathischen Schlaumeier im konsequent schlechtsitzenden Anzug. Wäre Günther Jauch nicht Günther Jauch, er könnte Max Mustermann heißen. Besonders gut funktioniert der Berufsnormale in Kombination mit Menschen, die irgendwie schräg sind. Siehe Gottschalk - oder siehe auch Akis, 36, Justizvollzugsobersekretär mit fünf abgeschlossenen Berufsausbildungen, erster Kandidat in Jauchs neuer Show, die seit Anfang Juli in fünf Folgen jeweils montags ausgestrahlt wird.

"Heute Morgen habe ich erst ein großes Glas Pingeligkeit getrunken"

In der Show gilt es unter Zeitdruck Fragen aus Wissensgebieten wie "Horror", "Milliardäre" und "Spieleabend" zu beantworten. Wer mehr als zwei falsche Antworten in Folge gibt, scheidet aus. Überwacht wird das simple Prozedere von Ralf Schnoor, der selbst mal bei Wer wird Millionär? gewonnen hat. Seinen Schiedsrichterjob nimmt er so ernst wie Jauch die Sache mit der Stylingverweigerung: "Heute Morgen habe ich erst ein großes Glas Pingeligkeit getrunken und das wird man heute Abend bestimmt auch merken."

Findige Redakteure haben sich zusätzliche Erschwernisse auf dem Weg zum Geldgewinn ausgedacht - Kandidat Akis fällt dann auch prompt der ersten "Temporunde" zum Opfer. Für ihn übernimmt Herausforderin Brigitte, 47, Zitat: "Beruflich verkaufe ich Backkartoffeln auf Kirmessen und Volksfesten." Ja, das sind Sätze, bei denen sich die Show-Caster freuen. Und auch Moderator Jauch dürfte froh sein über den Unterhaltungswert seiner Kandidatin - die Scherze des Schiedsrichter-Sidekicks fallen nämlich eher in die Kategorie "Lacher für den Kartoffelkeller".

Jauch: "Ich wusste nicht, dass der Grizzly ausschließlich geschälte Äpfelchen zu sich nimmt."

Schnoor: "Die essen überwiegend auch Beeren, haha, kleines Wortspiel."

Darauf fällt selbst einem Günther Jauch nicht mehr ein als: "Na dann." Manchmal wäre es ein Segen, wenn das Licht ausginge - aber in der Quiz-Arena zucken weiter die Stroboblitze. Auf Brigitte folgt Michael, 30, Langzeitstudent und "Listen-Freak", wie ihn Jauch nennt.

Von Anfang ist klar: Er mag den Mann nicht. Sowas kommt vor, bei Wer wird Millionär? gehen solche Kandidaten meist mit bescheidenen Beträgen nach Hause. Sympathieverweigerung bedeutet bei Jauch: Er gibt keine Hilfestellung, in unfeineren Momenten führt er die unerwünschten Kandidaten vor. Wenn Günther Jauch auf seinem Quizmasterstuhl die schlaksigen Glieder zusammenfaltet, die Schultern bis zu den Ohren zieht und guckt wie ein Basset Hound, soll das suggerieren: "Ich weiß die Antwort doch auch nicht." Das ist natürlich Attitüde. Jauch ist vielen seiner Kandidaten intellektuell überlegen - manchen lässt er das spüren.

Schaumschläger mag Jauch noch weniger als Streber

"Sie wollen mich doch raus haben oder?", fragt Michael, der "Listen-Freak". Nein, versichert Jauch: "Aber ein bisschen Sadismus muss sein." Nach 50 Fragen erreicht Michael als erster Teilnehmer die erste Gewinnstufe, das bis dahin erspielte Geld darf er behalten. Bei Wer wird Millionär? würde Jauch jetzt fragen: "Was kauft man sich für 40 000 Euro?" Michael bekommt zu hören: "Im wievielten Semester sind Sie jetzt eigentlich?"

Der Kandidat kontert: "Zähl' ich doch gar nicht mehr!" Und hat dann Glück: Ein neuer Herausforderer kommt in die Quiz-Arena - und der ist ein echter Schaumschläger. Die mag der Moderator noch weniger als Streber. Jauch wird ihm schon das Rampenlicht ausknipsen.

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