Von Marlies Michaelis

Was ein Mensch im Zorn sagt, sollten andere nicht auf die Goldwaage legen. Das stimmt nicht, sagen Forscher: Kalter Ärger kann ein analytisches Urteil sehr wohl unterstützen

Erst einmal die Versuchspersonen ärgern und dann schauen, ob sie eine Sachlage noch vernünftig beurteilen können - das testeten Wesley G. Moons und Dane M. Mackie von der University of California an über 150 Studenten.

Zorn muss nicht Sinn und Verstand rauben (© Foto: irisblende)

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Entgegen bisherigen Ansichten konnten die verärgerten Männer und Frauen besser urteilen als ihre gleichmütigen Kommilitonen, berichten die Autoren im Fachmagazin Personality and Social Psychology Bulletin.

Wer sich ärgert - so die bisherige landläufige und in Studien vertretene Meinung urteilt schlechter als eine unaufgeregte Person. Denn, so dachte man bisher, der Ärger verstellt den Blick auf die wesentlichen Fakten und verhindert es auch, diese richtig einzustufen.

Ein anderes Ergebnis erzielten Moons und Mackie in ihren Experimenten. Dort stürmten die verärgerten Testpersonen nicht ohne Sinn und Verstand auf ein Urteil zu, sondern waren durchaus in der Lage, die wichtigen Argumente aufzunehmen und analytisch ausgewogen zu urteilen.

Um die Testpersonen in Rage zu bringen, wählten die kalifornischen Wissenschaftler zwei Methoden: Zum einen baten sie einige Studenten, ihre Hoffnungen und Träume für die eigene Zukunft aufzuschreiben, dann bekamen die Autoren eine harsche Kritik an ihrem Aufsatz, der diesen als langweilig und uninteressant bewertete. Andere Studenten sollten sich vergangene Ereignisse, über die sie sich geärgert hatten, ins Gedächtnis zurückrufen.

Derart mit Ärger geimpft bekam diese Gruppe - genauso wie ihre gleichmütigen Mitstudenten - zwei Texte über die Frage, ob Studenten besonders schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Der eine Text war argumentativ stark, der anderes dagegen denkbar schwach. Die Studenten stuften die Qualität der Texte ein - und dabei schnitten die ärgerlichen Zeitgenossen besser ab als ihre unaufgeregten Kommilitonen.

Entgegen der Ansicht, das Aktionen aus einem verärgerten Zustand heraus ohne Sinn und Verstand erfolgen, betonen die Autoren: Unsere Untersuchungen zeigen, dass von Ärger getragene Aktionen sehr wohl das Ergebnis von klaren und nachdenklichen Prozessen sein können. Das macht verärgerte Menschen für andere allerdings besonders gefährlich.

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