Von Oliver Rezec

Die Zähne der deutschen Kinder sind so gesund wie nie zuvor - doch das gilt nicht für die Milchzähne. Nun streiten Ärzte, wie man den Kleinen Fluorid geben soll.

Eigentlich könnten sich die 400 Kinderzahnärztinnen und -ärzte freuen, die sich an diesem Freitag zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGK) in Hannover treffen.

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Die Zähne der deutschen Kinder sind so gesund wie nie zuvor.

Der jüngsten Erhebung aus dem Jahr 2004 zufolge ist bei Zwölfjährigen im Durchschnitt genau ein Zahn kariös, gefüllt oder schon gezogen. Zehn Jahre zuvor waren es noch 2,4. Die jüngsten Patienten allerdings trüben die Freude:

Milchzähne sind deutlich häufiger befallen als die bleibenden Zähne - und daran hat sich in den letzten Jahren auch nicht viel verbessert. 1994 fand man bei den sechs- und Siebenjährigen durchschnittlich 2,9 Zahnruinen, zuletzt waren es immer noch 2,2.

Noch etwas macht die deutsche Zahnmedizinerschaft unzufrieden. Seit längerem zanken die Dachverbände der Kinderärzte und der Kinderzahnärzte darüber, in welcher Form man Kleinkindern Fluorid geben solle, die unbestritten stärkste Waffe gegen Karies.

Die DGK empfiehlt, mit fluoridhaltiger Zahncreme zu putzen, sobald sich der erste Zahn zeigt. So steht es auch in Faltblättern, die in vielen Zahnarztpraxen ausliegen.

Die Deutsche Akademie für Kinder und Jugendmedizin (DAKJ) nennt diesen Rat allerdings "wissenschaftlich nicht begründet und möglicherweise schädlich".

Karl Bergmann, Präventionsreferent der DAKJ, sagt: "Bis etwa zum dritten Lebensjahr schlucken Kinder mehr Zahnpasta als sie wieder ausspucken". Da solle man besser ohne Zahncreme putzen und stattdessen Fluoridtabletten geben, die seien zum Schlucken da.

Deren Wirksamkeit sei jedoch nicht erwiesen, erwidert Lutz Stößer, Direktor der Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde in Jena. "In den letzten zehn Jahren gibt es dazu keine Untersuchung, die heutigen methodischen Ansprüchen standhält."

Nicht den Löffel ablecken

Die Studien aus den sechziger und siebziger Jahren, auf die der DAKJ seine Empfehlung stützt, hält Präventionsmediziner Bergmann aber für immer noch tragfähig. "So eine Studie können Sie heute ja auch nicht mehr machen", sagt er. "Wenn man einer Kontrollgruppe Placebos statt Fluorid gibt, lässt man sie sicher Karies bekommen."

Strittig bleibt, ob Fluoride nur bei direktem Kontakt im Mund wirken oder ob es auch sinnvoll ist, Kindern schon von der ersten Lebenswoche an Fluoridpräparate zum Einnehmen zu geben.

Über alle anderen Empfehlungen sind sich die Dachverbände immerhin einig. Da Karies von Bakterien verursacht wird, ist sie ansteckend. Darum sollten Eltern, die selbst kariöse Zähne haben, nicht Schnuller oder Löffel ablutschen und dem Kind dann wieder in den Mund stecken.

Als besonders schädlich gilt stundenlanges Nuckeln an der Flasche zur Beruhigung oder zum Einschlafen. Die dabei entstehenden Zahnschäden müssen bisweilen sogar unter Vollnarkose operiert werden.

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(SZ vom 28.9.2007)