Wolle aus Hundehaaren Strick dir deinen Pudel!

Bettina Menkhoff verarbeitet zu Wolle, was sonst auf dem Müll landet: Hundehaare. Und sie verspricht: Daraus entstehen anschmiegsame Schals und Pullover.

Interview: Claudia Fromme

Bettina Menkhoff, 50, aus Stoetze in der Lüneburger Heide, verarbeitet in ihrer Freizeit zu Wolle, was bei anderen im Müll landet: Hundehaare. Die Grundschullehrerin verspinnt sie und strickt daraus Pullover, Schals und, ja auch, Pudelmützen. Anfragen und Tüten voller Hundehaare erreichen sie mittlerweile aus ganz Europa.

SZ: Nasser Hund riecht nicht immer so ideal. Haben sich Menschen schon einmal von Ihnen abgewandt, wenn Sie bei Regen Hundemode tragen, Frau Menkhoff?

Bettina Menkhoff: Nein, warum auch? Hundewolle riecht ja nicht nach Hund. Sie wird nach dem Spinnen mit Shampoo so lange gewaschen, bis das Wasser ganz klar ist. Nach der Prozedur erkennen nicht mal mehr Hunde, woher die Wolle eigentlich stammt. Vor der Wäsche ist das anders. Wenn mir der Postbote Pakete mit Hundehaaren bringt, die Kunden gesammelt haben, drehen meine Hunde fast durch. Die denken, da ist ein Artgenosse drin.

SZ: Wie unterscheidet sich Hundewolle von zum Beispiel Schafwolle?

Menkhoff: Sie ist deutlich wärmer und temperiert besser. Ich verspinne nur Haare aus dem Unterfell, die ohnehin beim Kämmen anfallen. Und die sind ja auch beim Hund dafür da, ihn im Winter zu wärmen und im Sommer zu temperieren.

SZ: Wie lange müsste ich denn für einen schönen Hundeschal kämmen?

Menkhoff: Das dauert. Für einen Schal braucht man etwa 300 Gramm, für einen Pullover mehr als ein Kilo. Meine Hunde, zwei Bearded Collies und ein Briard-Mix, haben mir im vergangenen Jahr 780 Gramm Wolle geliefert. Das ist gut. Eine Kundin sammelt seit Jahren Sheltie, hat aber immer noch keinen Schal zusammen. Gibt nichts her, so ein kleiner Hund.

SZ: Kann man seinen Hund nicht scheren, um schneller zum Schal zu kommen?

Menkhoff: Nein, geschorenes Fell ist zu glatt und zu hart für Wolle. Weil das Sammeln der Haare so lange dauert und sich die Aufträge bei mir stauen, kommt es schon mal vor, dass ich Haare von Hunden verarbeite, die gar nicht mehr leben.

SZ: Daraus stricken Sie dann für deren Besitzer einen Gedächtnisschal?

Menkhoff: Manche wollen gerade ein Erinnerungsstück, andere sagen: Behalt die Wolle. Relativ häufig bekomme ich Hundehaare geschenkt. Vor einiger Zeit habe ich einen Hundesalon aufgetan, der mich nun immer mit Nachschub versorgt.

SZ: Was kostet Hundewolle?

Menkhoff: Für 100 Gramm nehme ich zehn Euro, da arbeite ich auch etwa vier Stunden dran. Die Haare werden gereinigt und in einer Kardiermaschine in eine Richtung gekämmt. Dieses Vlies kommt dann aufs Spinnrad, danach werden zwei Fäden zu stabilem Garn verzwirnt.

SZ: Wie kommen Sie zu Ihrem Hobby?

Menkhoff: Ich habe vor Jahren zufällig Hüttenschuhe aus Bobtailhaar im Internet gefunden. Weil ich sie wunderbar weich fand, habe ich mir das Spinnen beigebracht. Über Hundeforen sind andere Besitzer auf mich aufmerksam geworden.

SZ: Bobtails sind sicher die besten Lieferanten für Hundewolle, oder?

Menkhoff: Ach, da gibt es noch Afghanen, Neufundländer, Bernhardiner . . .

SZ: Wie sieht's mit dem Pudel aus? Sie verstehen, wegen der Pudelmütze . . .

Menkhoff: Pudel hatte ich noch nicht, soll sich aber gut verspinnen lassen. Wenn man das fertige Kleidungsstück, etwa einen Mantel, filzt, sieht das aus wie Loden. Eine schöne Pudelmütze aus Schäferhund, die habe ich mir schon gestrickt. Ich weiß aber oft nicht, was aus der Wolle wird. In erster Line spinne ich, Stricken können viele Kunden eh besser als ich.

SZ: Eignet sich jede Rasse für Wolle? Was ist mit dem Deutschen Drahthaar?

Menkhoff: Zu kurz und zu hart. Die haben, wie auch Labradore, kein richtiges Unterfell. Da kann man nichts rauskämmen. Alles, was kürzer ist als vier Zentimeter geht nicht. Bei unter sechs muss man anderen Hund untermischen, obwohl ich Haar lieber rein verspinne. Eine Frau hat mir grad zwei Kilo Leonberger geschenkt. Damit habe ich Wolle von einem sehr kurzhaarigen Husky versponnen. Die ging vor einigen Tagen nach Österreich.

SZ: Sie liefern also international . . .

Menkhoff: Ich habe einige Interviews gegeben, auch der BBC, und so habe ich Anfragen aus Großbritannien, Litauen, Tschechien und Kroatien bekommen. Denen habe ich geantwortet, dass sie erst mal sammeln sollen. Sogar eine Katzenhalterin aus Frankreich hat mich angeschrieben und gefragt, ob ich auch Katzenhaar verspinne. Warum eigentlich nicht? Einen Versuch ist es wert.