WM 2010 - Deutschland - Serbien

Unser Bundes-Jogi

Bewundernswert ist bei unserem Jogi vor allem der stilsichere Griff in den Bundestrainer-Kleiderschrank und mit welcher Selbstverständlichkeit er daraus nationale Trends kreiert: Zuerst war da das weiße Hemd. Der 50-Jährige - der sich wirklich gut gehalten hat - trug es stets ohne peinliche Feinripp-Unterzieher, dafür ganz nonchalant einen Hauch zu transparent und ein halbe Nummer zu klein. Ohne den modebewussten Badenser wäre das taillierte Hemd in Deutschland vielleicht nie wieder gesellschaftsfähig geworden. Doch dabei blieb es nicht: Bei seinem Auftritt beim Gruppenspiel gegen Serbien rief der oft so charmant jungenhaft lächelnde Fußballtrainer die Strickjacke zur Dienstgarderobe der deutschen Mannschaftsbetreuer aus (auch sein Assistent Hansi Flick trug sie) und sorgte bei allen Nicht-Grafikdesignern, Nicht-Poppern und Nicht-Nerdbrillenträgern Deutschlands für Erleicherung: Auch sie dürfen jetzt endlich guten Gewissens zum Cardigan greifen - der Bundes-Jogi hat sie aus der Oma-Ecke befreit.

Doch so sehr wir Jogi auch für sein modische Meinungsführertum bewundern und für unsere Mütter Verständnis aufbringen können, die ihn gerne einmal am Kaffeetisch begrüßen würden, wünschen wir uns den Ton der Fernsehübertragung gestört. Denn sobald der Bundestrainer den Mund öffnet, um sich in tiefstem Badisch durch einige Wörter oder gar ganze Sätze zu quälen, ist der Zauber gebrochen. Die Ästhetik des Jogi Löw ist und bleibt eine optische. leja

Bild: dpa

23. Juni 2010, 16:39 2010-06-23 16:39:34  © (sueddeutsche.de/pfau)

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