Die größte Gefahr von allen: Armut führt dazu, dass Menschen früher sterben und häufiger leiden müssen.
Die Gefahren für Leib und Leben werden von der Forschung in immer mehr Mosaiksteine zerlegt. In der Medizin zeigt sich dies am Begriff der Risikofaktoren - Ärzte kennen beispielsweise mehr als 200 gesundheitsschädliche Verhaltensweisen und Umstände, die einen Herzinfarkt begünstigen. Der größte Risikofaktor jedoch, der stärker als alle anderen Lebensbedingungen das Wohlbefinden beeinträchtigt, wird häufig vernachlässigt: Armut ist das Gesundheitsrisiko schlechthin. Armut macht krank. Armut führt dazu, dass Menschen früher sterben und häufiger leiden müssen, sich schlechter von einer Erkrankung erholen und dass weniger Babys die ersten Tage nach der Geburt überleben.
Armut macht krank: Szene einer Demonstration in Berlin. (© Foto: dpa)
Anzeige
Mediziner und andere Gesundheitsexperten wissen das schon länger. Dennoch wird die weltweite Ungleichheit zwischen Arm und Reich immer größer. Der internationale Verband der Fachzeitschriften-Verleger hat diesen Dauerskandal zum Anlass genommen, in dieser Woche einen Themenschwerpunkt anzuregen. ,,Wir wollen das Bewusstsein für diese Probleme schärfen, Interesse wecken und die Erforschung des Zusammenhangs von Armut, Gesundheit und menschlicher Entwicklung fördern'', erklären die Verleger.
Manche Zeitschriften bringen Themenhefte heraus, andere nur einzelne Artikel, die aufgreifen, wie die schlimmsten Auswirkungen der Armut auf die Gesundheit gelindert werden können. Weltweit nehmen 234 Fachblätter teil, darunter führende Zeitschriften wie Science, Nature, Cell, das British Medical Journal und Jama, aber auch das Fiji Medical Journal oder das New Iraqi Journal of Medicine (renommierte Blätter wie das New England Journal of Medicine und The Lancet sind nicht dabei). In Deutschland macht das Deutsche Ärzteblatt mit.
Die Ergebnisse, die durch den gemeinsamen publizistischen Kraftakt zutage treten, sind erschreckend: Während ein Fünftel der Weltbevölkerung mit einer Lebenserwartung von etwa 80 Jahren rechnen kann, gehören zwei Drittel der Menschheit zu der benachteiligten Mehrheit, die öfter krank wird und früher stirbt. Kinder leiden besonders unter ärmlichen Verhältnissen: 10,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben weltweit jährlich. 99 Prozent der Fälle sind darauf zurückzuführen, dass nicht genug Geld vorhanden ist, um ausreichende Ernährung, Hygiene und ärztliche Versorgung bereitzustellen. Während die Kindersterblichkeit in wohlhabenden Ländern bei etwa 6 von 1000 liegt, sterben in armen Nationen 100 von 1000 Kindern. "Die Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren sind größtenteils vermeidbar, wirksame Interventionen sind bekannt", schreibt Oliver Razum, Gesundheitswissenschaftler an der Universität Bielefeld im Deutschen Ärzteblatt von dieser Woche.
Auch wenn Armut in Entwicklungsländern besonders dramatische Auswirkungen hat, beeinflusst sie in wohlhabenden Nationen ebenfalls die Gesundheit. Thomas Lampert und Bärbel-Maria Kurth vom Robert-Koch-Institut beschreiben im Ärzteblatt Ergebnisse des deutschen Kinder- und Jugendgesundheitssurveys. Demnach wurde bei Kindern aus der untersten sozialen Schicht im Vergleich zu höheren Schichten nur halb so oft ein sehr guter Gesundheitszustand festgestellt. Zudem traten bei ärmeren Jugendlichen deutlich häufiger psychische Auffälligkeiten und Übergewicht auf.
Nach Einschätzung von Robert Eiss und Roger Glass von den amerikanischen Gesundheitsinstituten NIH war "die Situation nie so günstig und der Handlungsbedarf nie so groß wie jetzt", um den Teufelskreis aus Armut und Krankheit zu durchbrechen. Oliver Razum erinnert im Deutschen Ärzteblatt daran, dass ,,nicht nur Krankheit ökonomisch und sozial determiniert ist''. Auch die Gegenmittel seien politischer Wille, Geld und gesellschaftliche Verantwortung.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 23.10.2007)
Bundespräsident Gauck in Israel
@ Knipsel Sorry...und Danke (hatte es wirklich falsch verstanden)
In meinem Postleitzahlenbereich (+ 50 km) hat die Jobagentur 10 (!) Seiten Jobangebore für Köche ausgespruckt...Wo ist also das Problem?
Zu den Gebrüdern Albrecht: Die hatten eine clevere Geschäftsidee, die sie ausgebaut haben. Und das schafft man nicht, dass man jammernd auf dem dicken A.. hockt und besseren Zeiten im HARTZ (-Bezug) nachheult.
Es ist ziemlich typisch deutsch, dass erfolgreichen Leuten der auch finanzielle Erfolg nicht gegönnt wird. Den notorischen Umverteilern nur eine Zahl, weniger als 10 % der Bevölkerung zahlen mehr als 50 % des ESt-Aufkommens. Lieber ein (oder viele) Herr Aldi, der nach Steuern 1Mrd im Jahr verdient als keiner.
Wie ist es mit dem Thema Rauchen und Alkohol? Zudem mache ich mir oft den Spaß und schaue im Supermarkt, was die anderen Leute so einkaufen: Chips, Süßigkeiten, Bier, Schnaps, Zigaretten, gezuckerten Joghurt, Fertiggerichte. Kostet alles im Verhältnis zu selbst gekochtem Essen eine Menge Geld und gesund ist das auch nicht. Aber dann rumjammern, ich hab kein Geld und bin krank.
Dazu kommt: Den ganzen Tag vor der Glotze hängen oder vor dem Computer. Verqualmte Bude ohne frische Luft und Bewegung.
Was mir noch auffällt ist auch die Mentalität, die bezüglich der Gesundheit überhaupt gilt: Erst Raubbau am Körper treiben und wenn es dann mal zwickt und zwackt gleich zum Arzt rennen, Pillen schlucken oder Spritze abholen und weiter wie vorher. Hallo? Der Körper ist doch keine Maschine! Die ärzte bekommen eine vernünftige Beratung eh nicht bezahlt und wenn er sagt:" Was, Sodbrennen? Na, Dickerchen, verzichte halt mal auf Zucker und Fett, dann geit dat schon" rennt der doch eh zum nächsten Arzt und schreit: ich bin krank, gib mir was, aber ich bin nicht selbst schuld an meinem Zustand!
Also, Arm gleich krank ist in meinen Augen -zumindest in Deutschland- eine faule Ausrede um sich um die Verantwortung sich selbst gegenüber zu drücken.
Nicht unschuldig daran ist auch unser System, welches nicht nach den Ursachen forscht, sondern nur an den Symptomen herumdoktert.
Leute, ja Ihr habt ja recht, auch in der BRD gibts Armut. also, warum noch dem Ausland schauen!
Die da haben zwar kein Geld, warum sollen sie dann auch z.B. Wasser, eventuell auch noch sauberes haben/kriegen. Und statt in die Schule sollten die Kid's besser 7x10h fuer arbeiteiten um unsere Unterhosen zu naehen.
DIE sind doch gar nicht am Leben, gehen wohl auch am Sonntag noch 10 Meilen spazieren - zur Kirche, statt wie anstaendige Underdogs in der Fabrik zu sein.
Doch eines solltet Ihr- auch fuer euch selbst - bedenken: Bildung (Gebrauch des Wissens)ist mit Geld nicht zu kompensieren!!!!!!!!!!
"So lange ein Hartz IV Empfänger deutlich mehr bekommt als so mancher Arbeiter mit Tariflohn kann man in diesem Land nicht von Armut sprechen. "
Erstens kann das nicht sein. Wenn ein Arbeiter weniger Lohn bekommt als ein Hartz IV Empfänger, dann kann er aufstockendes ALG II beantragen, und er hat dann mindestens 100,- Euro mehr im Monat als ein arbeitsloser ALG II Empfänger.
Zweitens wird es sich wohl um Leute mit mehreren Kindern handeln, wenn die deutlich mehr bekommen als ein Arbeiter mit Tariflohn.
Drittens: Was beweist das, wenn jemand für seine Arbeit weniger bekommt als ALG II? Dass ALG II zu hoch ist? Dass man von ALG II leben kann? Nein, tut es nicht. Um zu wissen, ob man davon leben kann, muss man sich an die Lebenmittel- und Mietpreise halten.
Viertens: Je niedriger ALG II ist, desto niedriger werden vielleicht auch die Löhne. Denn so hat man immerhin einen Maßstab, unter dem es sich nicht zu arbeiten lohnt.
Paging