"Wie ich euch sehe" zu Hochzeits-DJ "Am Ende tanzt und singt ihr ohnehin alle mit"

Das Ziel eines Hochzeits-DJs? "Dass jeder mindestens einmal getanzt hat", sagt Oliver S.

(Foto: Illustration Jessy Asmus)

Florian L. legt als DJ auf Hochzeiten auf. Warum er ungern mit den Gästen dort diskutiert, erklärt er in einer neuen Folge von "Wie ich euch sehe".

Von Oliver Klasen

In unserer Serie "Wie ich euch sehe" kommen Menschen zu Wort, denen wir im Alltag begegnen, über die sich die meisten von uns jedoch kaum Gedanken machen: chronisch Kranke, eine Kontrolleurin, ein Pfarrer, eine Verkäuferin. Sie erzählen, wie es ihnen ergeht, wenn sie es mit uns zu tun bekommen - als Kunden, Patienten, Mitmenschen. Diesmal beschreibt Florian L. seinen Alltag als professioneller DJ auf Hochzeiten.

Der größte Fehler, die viele von euch meiner Meinung nach machen, ist das mit der Torte um Mitternacht. Die wird reingefahren mit einem Tusch, alle stehen auf, zücken ihr Handy, das Hochzeitspaare legt gemeinsam die Hände auf das Messer, schneidet die Torte an, lächelt in die Kameras, füttert sich noch gegenseitig. Wenn die beiden fertig sind, holen sich die anderen 80 bis 100 Gäste auch noch ein Stück Kuchen, das ganze Gezeter dauert mindestens anderthalb Stunden - und dann, schwupps, sind die ersten 40 Gäste weg.

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Es ist ein totaler Partybreaker, tötet die ganze Stimmung, ich kenne diese seltsame Tradition auch nur aus Deutschland. Warum stellt ihr die Torte nicht einfach ans Buffet, schneidet sie beim Nachtisch an und zack, wird bis drei oder vier Uhr durchgetanzt?

Was die Musik angeht, sehe ich mich als Dienstleister. Dennoch gibt es natürlich Songs, die ich nur ungern für euch spiele. Der Pur-Hitmix steht an oberster Stelle, dieses Medley geht ewig und ist einfach nur schrecklich. Warum nur wollt ihr das immer wieder von mir hören? Das frage ich mich auch bei dieser ganzen Ballermann- oder Après-Ski-Musik. Aber wenn Ihr als Brautpaar unbedingt "Hol' das Lasso raus" haben wollt, bitteschön, dann spiele ich das. Ich mache die Musik ja nicht für mich.

Das Witzige - und Erschreckende - ist: Die Tanzfläche ist dann fast immer voll, gerade bei Klassikern wie Gloria Gaynors "I will survive"- das kann ich selber nicht mehr hören. Und finde es doch wieder gut, weil ihr alle dazu tanzt. Vielleicht verdrehen zehn von euch die Augen und gehen von der Tanzfläche runter, aber dafür kommen zwanzig nach. Genauso ist es mit "Atemlos" von Helene Fischer. Außerdem gilt: Je später der Abend, desto höher der Alkoholpegel. Am Ende tanzt und singt ihr ohnehin alle mit, fertig.

Vielen unterschätzen den Job als Hochzeits-DJ

Was die Reihenfolge der Songs angeht, ist es immer ähnlich: Zuerst kommt der Eröffnungswalzer, danach noch zwei, drei Standardtänze oder Songs, die auch die Oma gut findet. Die Alten sind ja die ersten, die gehen, die will ich nach dem Eröffnungstanz schon ein bisschen auf der Tanzfläche halten. Einmal ist es mir sogar gelungen, eine Braut, die sich fürchterlich mit ihrem angetrunkenen Bräutigam gestritten hatte, wieder ein bisschen glücklich zu machen: Ich kannte ihre Lieblingssongs und habe sie im richtigen Moment aufgelegt.

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Viele von Euch unterschätzen den Job als Hochzeits-DJ. Da heißt es, du hast ein lockeres Leben hinter deinem DJ-Pult, du machst ja erst Musik, wenn der Brauttanz losgeht. Von wegen, ich stehe die ganze Zeit hier. Zum Glück bin ich Nichtraucher, denn man kann ja nicht ständig rauslaufen. Wenn beispielweise der Brautvater oder ein Hochzeitsgast plötzlich ein paar Worte sagen wollen, muss ich präsent sein, die Musik herunterdrehen und die Stimme auspegeln. Auch wenn Ihr das nicht wahrnehmt, so etwas gehört ebenfalls zu meinen Aufgaben.