Von Thomas Becker

Schlecht präparierte Bahn, kein Bob zum Üben - Bobfahrer Christoph Langen über eine besondere Fahrt durch einen Eiskanal.

Christoph Langen, 47, ist einer der erfolgreichsten deutschen Bobfahrer aller Zeiten. Der gelernte Kfz-Mechaniker begann seine Karriere 1985, wurde sechs Jahre später zum ersten Mal Weltmeister. Es folgten sechs weitere WM-Titel, zwei Goldmedaillen bei Olympischen Spielen und zahllose Europameistertitel.

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Christoph Langen (vorne). (© Foto: dpa)

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Der für Unterhaching startende Langen gilt als Perfektionist, der auch noch im hohen Bobfahrer-Alter mit der Weltspitze mithalten konnte. Die Verengung eines Herzkranzgefäßes führte schließlich im Jahr 2005 zum Karriereende - nach 20 Jahren in den Eiskanälen dieser Welt. Einer ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben.

"Es war in der Weltcupsaison 2003/2004 in Lake Placid, im Zweierbob-Wettbewerb. Ich hatte die Bahn zum ersten Mal gesehen und das Pech gehabt, dass unser Bob zwei Tage zu spät ankam und wir somit nicht trainieren konnten. Ich bin dann die Bahn bestimmt 30 oder 40 Mal zu Fuß rauf- und runtergelaufen, um mir alles einzuprägen: die Kurven, die Steuerpunkte, die Lenkpunkte, um zu wissen, wann ich wie reagieren muss. Aber das war natürlich keine ordentliche Vorbereitung für ein Weltcuprennen, und ich dachte mir schon: Mann, das wird gefährlich.

Mein Bremser Markus Zimmermann hat meine Verunsicherung gespürt und mich zwei Minuten vor dem Start gefragt: "Meinst du, wir schaffen das?" Also nicht wie sonst immer: "Los jetzt, auf geht's!" oder so was. Dann sind wir losgelaufen, in den Bob reingesprungen und ab in die ersten Kurven. Da geht es ja noch einigermaßen mit der Geschwindigkeit. Aber der Eiskanal war in einem wirklich miserablen Zustand.

Eisqualität und Präparierung ließen ganz schön zu wünschen übrig. Es holperte und schepperte nur so, ich konnte den Bob kaum noch beherrschen - und die Kurven kamen ja nun immer schneller. Es gab zwei, drei kippelige Situationen unterwegs, aber es geht alles so schnell, mehr als hundert Stundenkilometer hatten wir in den letzten Kurven drauf. Ich dachte nur noch: reagieren, reagieren, du musst reagieren! Ich hatte überhaupt keine Zeit, effektiv nachzudenken und bin rein nach Gefühl da runter gefahren.

Im Ziel wusste ich dann auch nicht so genau, wie ich das überhaupt gemacht habe. So was ist mir in meiner ganzen Karriere nicht passiert. Wir sind sogar Bestzeit gefahren, aber zum zweiten Durchgang dann nicht mehr angetreten. Aus Protest. Ich wollte ein Zeichen setzen, auf den miesen Zustand der Bahn hinweisen. Und was haben die Veranstalter gemacht? Nichts.

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(SZ vom 30.3.2009)