Von Birgit Lutz-Temsch

Alexandre Caizergues ist der schnellste Mann auf dem Wasser: Er hält den aktuellen Geschwindigkeitsweltrekord aller Surfsportarten.

Mit seinem Kite erreichte der 29-jährige Franzose 50,57 Knoten, das sind 93 Kilometer pro Stunde - damit war er schneller als alle Wind- oder Kitesurfer der Welt. Einen Monat lang hatte er dafür mit 27 der besten Surfer in Lüderitz in Namibia auf ideale Bedingungen gewartet.

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Als sei es Beton - bei Tempo 100 ist das Wasser hart. (© Foto: oh)

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"Ich spüre, dass ich wahnsinnig schnell bin. Noch schneller als die 50,57 Knoten. Das ist nur die Durchschnittsgeschwindigkeit, die ich auf der 500 Meter langen Messstrecke erreicht habe. Meine maximale Geschwindigkeit ist wesentlich höher; ich habe es während des Rekordversuchs auf mehr als 100 Kilometer pro Stunde gebracht. Ich fahre ohne Helm, ohne Schwimmbrille. Dadurch spüre ich den Speed sehr direkt. Es gibt nichts, was mich von meiner Umwelt trennt. Meine Augen verengen sich zu schmalen Schlitzen.

Zwischen meinen Füßen und den Wellen ist nur das Board. Das Wasser ist sehr hart und holprig. Dadurch zittert das Brett ein bisschen und wird instabil - es ist sehr schwierig, das Gleichgewicht zu behalten und ausbalanciert auf den Füßen zu bleiben. Es wirken enorme Kräfte, wenn man über die Wellen springt.

Es ist vielleicht ein bisschen so, als würde man auf einem Motorrad ohne Helm mit 200 Kilometer pro Stunde über einen Feldweg mit ziemlich vielen Schlaglöchern fahren. Ja, das ist ein guter Vergleich: Es ist ein bisschen wie auf der Rallye Paris-Dakar.

Man spürt die ganze Kraft sehr stark in den Beinen oder besser noch, dem gesamten unteren Teil des Körpers. Ich habe keine Angst, während ich so schnell bin. Hätte ich Angst, könnte ich nicht mehr richtig handeln. Ich konzentriere mich ganz stark auf meinen Weg und auf die Lenkstange, mit der ich den Kite kontrolliere. Ich bin sehr vorsichtig mit den Bewegungen, mit denen ich den Kite steuere.

Ich darf nicht daran denken, wie es wäre, wenn ich fallen würde. Denn sobald ich darüber nachdenke, stürze ich. Bei einem Sturz mit dieser Geschwindigkeit fühlt sich das Wasser wie Beton an. Man prallt von den Wellen ab, sie schleudern einen wieder und wieder durch die Luft, bis zu 150 Meter weit. Dabei hast du verdammt lang Zeit, darüber nachzudenken, warum du jetzt hingefallen ist. Du kannst nichts tun, um die Schläge zu minimieren, nur warten, bis du endlich langsam genug bist, um wieder ins Wasser einzutauchen.

Das passiert mir zum Glück während des Rekordversuchs nicht. Am Ende der Messstrecke schaue ich sofort auf das Display. Und begreife: Jetzt bin ich der Schnellste. Von absolut allen."

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(SZ vom 23.02.2009/bilu)