Protokoll: Jochen Temsch

60 alte Fahrzeuge, 7000 Kilometer durch sieben Länder und die Sahara - das ist die Rallye "Dresden-Dakar-Banjul".

"Wenn der Tross von der Asphaltstraße in die Wüste einbiegt, ist es Rock'n'Roll. Dann heißt es nur noch: ab jetzt Vollgas! Bloß nicht steckenbleiben! Dann ist die Hölle los. Alles heizt voran, die Dünen rauf und runter. Beim ersten Mal habe ich auf dem Autodach gefilmt, wie wir mit 120, 130 km/h durch den tiefen Sand geknallt sind. Da kriegt man so ein Cowboyfeeling - so muss es sein, wenn man Viehherden vor sich hertreibt.

Bild vergrößern

Durch die Wüste an den Strand: Die Rallye für den guten Zweck. (© Foto: oh)

Anzeige

Und dann am Abend: absolute Ruhe. Mit einer Tasse Kaffee am Lagerfeuer sitzen. Dann ist es kalt trotz Mütze und dicker Jacke. Tagsüber hat es bis zu 47 Grad. Da müssen wir Pausen machen, damit die Motoren nicht überhitzen.

Es ist ein richtiges Abenteuer. Das hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Dabei bin ich überhaupt kein Autonarr - ich selbst habe nicht einmal eins. Ich hätte nie geglaubt, das es so phantastisch sein kann, diese Rallye mitzumachen. Das liegt auch am Teamgeist. Der jüngste Teilnehmer ist 17, der älteste 70 Jahre alt, vom Seemann bis zum Geschäftsmann ist alles dabei.

Beim letzten Mal kam kein einziges Auto mit der ursprünglichen Besetzung an. Die Teams haben sich untereinander gemischt. Alle haben das selbe Ziel. Jeder reduziert seine Wünsche aufs Wesentliche, nimmt sich zurück, hilft dem anderen. Es passiert ständig was: abgerissene Hinterachsen, lecke Ölwannen, geplatzte Reifen. Dann wird improvisiert. Unglaublich, was gute Mechaniker mit Capri-Sonne-Tüten alles überbrücken können.

Einer hat es bei einem Strandausflug übertrieben und ist zu nah ans Wasser gefahren. Er hat seinen Motor geschrottet und wurde 1000 Kilometer weit abgeschleppt. Überhaupt schiebt und schwitzt man viel. Wenn es vorbei ist, finden das alle schade."

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Wüste bebt

Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...

(SZ vom 16.03.2009/bilu)