Wenn Promis über Liebe reden - "Schmachtwort der Woche" "Zu Hause ist meine Frau der Boss"

Antonio Banderas hat angeblich kein Problem damit, wenn eine Frau ihm sagt, wo es lang geht. Zu Hause hat nämlich seine Gattin Melanie Griffith die Hosen an. Geschenkt! Noch immer lassen Männer den Macho hochleben - und das in aller Öffentlichkeit.

Eine Kolumne von Violetta Simon

Alle Mäuschen, Blondinen und Friseusen dieser Welt mal herhören! Ihr müsst jetzt ganz tapfer sein: Antonio Banderas ist in Wirklichkeit gar nicht Zorro! Der Schauspieler versteht selbst nicht, "woher das mit dem Macho-Ding kommt". In seiner Ehe hat nämlich Gattin Melanie Griffith die Hosen an: "Zu Hause ist meine Frau der Boss", sagt Hollywoods Vorzeige-Macho in einem Interview. "Sie ist aber total süß dabei", beeilt er sich zu versichern. Es hätte nicht viel gefehlt, und er hätte das Wort "drollig" benutzt.

Schmachtwort der Woche Wenn Promis über Liebe reden - "Schmachtwort der Woche"

Das Schmachtwort der Woche kommt diesmal von Kuschel-Macho Antonio Banderas.

(Foto: )

Die Message ist auch so klar: Die tut nix, die will nur spielen. Und auch nur bei uns daheim. Weibliche Chefs werden einfach nicht ernst genommen. Nicht einmal von ihrem eigenen Mann. Wer will schon einen Boss, der sozial veranlagt, kommunikativ, harmoniebedürftig ist? Niemand anscheinend: 90 Prozent der Deutschen wünschen sich einen Mann als Vorgesetzten, wie die Welt am Sonntag berichtet. Da fragt man sich, warum die Bundesregierung die Unternehmer ständig mit der Frauenquote nervt.

Während in den meisten Betrieben auf dieser Worthülse noch herumgekaut wird wie auf einem zähen Stück Leder, haben einige wenige die Kröte bereits geschluckt und lassen Frauen in der oberen Liga mitspielen. Ansonsten herrscht in den meisten Chefetagen aber noch immer akuter Damenmangel. Das ist natürlich nicht persönlich gemeint und auch in keinster Weise so gewünscht. Bestes Beispiel: die Bild-Zeitung. Um zu beweisen, dass eine durchwegs männliche Führungsriege reiner Zufall ist und nicht das Geringste mit einer frauenfeindlichen Einstellung zu tun hat, feierte das Blatt den Welttag der Frau am 8. März in ganz großem Stil: Es schickte sämtliche weibliche Mitarbeiterinnen dorthin, wo sie seiner Ansicht nach am besten aufgehoben sind - nach Hause.

Unter dem gönnerhaften Slogan "Heute haben die Frauen mal frei!" wollten deren männliche Kollegen sich und ihren Lesern beweisen, dass sie die Zeitung ganz alleine wuppen. In der Chefetage dürfte die Aktion "Bild ohne Frau" keine weiteren Auswirkungen gehabt haben. Bei den Redakteuren in den unteren Stockwerken hingegen umso mehr. Besonders schmerzlich vermissten sie ihre weiblichen Kolleginnen offenbar beim Anblick der Kaffeemaschine. Der anonyme Kommentar eines Bild-Kollegen: "Wenn man beim Kaffeautomaten die Bohnen da reinkippt, wo eigentlich das Espressopulver rein soll - ist das schlimm? Wie kriegt man die wieder raus? Wer zahlt den Motorschaden, und was wird der geschäftsführende Redakteur dann fluchen?" Da weiß man als Frau doch, was man wert ist.

Und weil jede Zeitung die Leser hat, die sie verdient, bliesen die Nutzer an diesem Welttag der Frau ohne Frauen alle in dasselbe Horn: "Wer macht denn nun Kaffee?" fragten allein zwischen 9:16 Uhr und 9:18 Uhr fünf besorgte Leser. Stimmt nicht - einer wollte wissen: "Wie ist das, wenn man sich die Mettbrötchen selber holen muss?" In der Tat, eine Frage, die uns alle bewegt.

Dass die Bild-Zeitung immer ganz vorne mit dabei ist, wenn es um die Bedürfnisse der modernen Frau geht, hatte das Blatt bereits im Jahr zuvor ausreichend bewiesen: "Feiern Sie die Rechte der Frauen im Bett!", empfahl ein Frauenversteher aus dem Erotik-Ressort, um den Weltfrauentag 2011 gebührend zu begehen. Denn in dieser einen Nacht, so verriet die Redaktion, will sie: "emanzipierten, gleichberechtigten Sex".

Ein Akt der Liebe auf Augenhöhe? Darf sie vielleicht sogar oben liegen? Also bitte, wir wollen ja nicht gleich übertreiben. Bild weiß doch genau, was die Damen wollen: das willige Spielzeug des Mannes sein - das verrät täglich die weibliche Kompetenzbeauftragte von Seite eins. Aber ein bisschen entgegenkommen sollte er ihr zur Feier des Tages schon. "Dekorieren Sie Ihren Penis mit Honig, Schokocreme oder einer anderen Köstlichkeit", hieß es da. "Es soll schließlich nicht nur ihm Spaß bringen, wenn sie in die Knie geht." Nein, das ist leider kein Aprilscherz. Das war der Beitrag der Bild-Zeitung zum 100. Weltfrauentag.

Und das in einem Land, das von einer Kanzlerin regiert wird. Ob das Kabinett schon mal mit dem Gedanken gespielt hat, Angela Merkel nach Hause zu schicken? Aber was sollte sie denn dort, sie ist ja schon Chef. Und daheim wartet auch nicht Antonio Banderas, sondern nur Jochim Sauer. Obwohl, wenn er eine Zorro-Maske tragen würde - warum nicht?

Kennen Sie einen peinlichen Spruch von einem Prominenten, ein witziges Zitat einer berühmten Persönlichkeit oder eine Liedzeile zum Thema Liebe? Dann behalten Sie das nicht für sich, sondern schicken Sie es an leben@sueddeutsche.de - Betreff: "Schmachtwort" (bitte den Urheber des Ausspruchs angeben!).