Wenn Promis über Liebe reden - "Schmachtwort der Woche" "In meinem nächsten Leben möchte ich eine Frau sein"

Franz Beckenbauer, das ist klar, ist ein Freund der Frauen. Der Fußball-Kaiser verehrt sie sogar so sehr, dass er gern selbst eine wäre. Schließlich hat so ein Frauenleben nur Vorteile - vor allem, wenn man mit dem Franz verheiratet ist.

Eine Kolumne von Violetta Simon

In letzter Zeit hat das Thema "Frauenquote" wieder Fahrt aufgenommen - ebenso wie die Diskussion über die "gläserne Decke", die karriereorientierte Frauen immer wieder zu spüren bekommen. Damit hat ein Spruch von Franz Beckenbauer eine völlig neue Brisanz gewonnen: "Wenn ich in stofflicher Form wieder auf die Welt käme, wäre es keine schlechte Idee, als Frau", sagte der Organisationschef der WM 2006 in einem Interview mit der Bunten.

Das Schmachtwort der Woche kommt diesmal von Franz Beckenbauer.

(Foto: Sophie Kaiser)

Man fragt sich, wie ausgerechnet ein erfolgreicher Fußballmanager auf eine solche Idee kommt. Seinen Job könnte er sich jedenfalls gleich mal abschminken. Eine Frau als Bayern-Trainer, als Funktionär, als Bayern-Präsident? Niemals! Bestenfalls hätte er es in dieser Branche zur Sekretärin gebracht - und einen Bayern-Trainer, Funktionär oder Bayern-Präsidenten geheiratet. Selbst wenn es ihm gelungen wäre, eine angesehene Position zu ergattern: Als Franziska Beckenbauer müsste er sich mit wesentlich weniger Gehalt begnügen - einfach nur deshalb, weil er Satinslips statt Boxershorts trüge.

Was also könnte einen Mann wie Beckenbauer am Frausein reizen? Der Spagat zwischen Job und Familie? Das Gefühl des Versagens, weil man weder das eine noch das andere perfekt erfüllen kann? Auf sein Äußeres reduziert zu werden? Dass der Besuch beim Friseur mehr kostet, obwohl der Verdienst mickriger ist?

Ist er wirklich so scharf darauf, Elternabende zu besuchen - die eigentlich "Mutterabende" heißen müssten -, weil man es von ihm erwartet? Würde er jedes Mal das kranke Kind hüten und den Job absagen, weil der Gatte in seinem eigenen unentbehrlich ist? Glaubt er wirklich, sein Leben wäre erfüllter, wenn er nebenher noch einen Haushalt am Laufen hielte, ohne dafür Anerkennung zu erhalten - ganz zu schweigen von einer angemessenen Entlohnung? Würde er klaglos jeden Tag aufs Neue Socken einsammeln, T-Shirts auf die rechte Seite drehen und in die Waschmaschine stopfen? Würde er lächelnd einschlafen in der Gewissheit, dass am nächsten Tag alles wieder von vorne losginge? Glaubt Beckenbauer gar, dass er als Frau genetisch bedingt Spaß am Waschen und Aufräumen hätte? Hatte Sisyphos Spaß an seiner Arbeit?

Beckenbauer müsste doch wissen, was es bedeutet, eine Frau zu sein. Der Fußball-Kaiser ist auf Frauen sozusagen spezialisiert, hatte stets ein oder zwei an seiner Seite. Während seiner ersten Ehe mit Gattin Brigitte führte er eine Beziehung mit der Fotografin Diane Sandmann. Er ließ sich scheiden, um die damalige DFB-Sekretärin Sybille Weimar zu heiraten, bandelte aber heimlich mit FCB-Sekretärin Heidrun Burmester an. Der Scheidung von Sybille folgte die Hochzeit mit Heidi. Gut möglich also, dass dem Franz eine Widergeburt als seine eigene Frau am besten gefiele.

Fünf Kinder von drei Personen - ein männliches Privileg

Noch erfüllender als mit sich verheiratet zu sein, ist seiner Meinung nach nur eines: das Kinderkriegen. "Ich glaube, es gibt nichts Schöneres, als einem Menschen das Leben zu schenken." Und so hat er gleich mehreren Frauen den Gefallen getan. Und natürlich dem lieben Gott, denn: "Der freut sich über jedes Kind." Dass die Frauen von Herrn Beckenbauer sich bedauerlicherweise nicht über jedes seiner Kinder, sondern nur über ihre eigenen freuen konnten, muss man ihnen nachsehen. Fünf Kinder von drei Personen - das ist eben eher ein männliches Privileg.

Das führt uns direkt zu der Frage, ob dem lieben Franz eigentlich klar ist, was die Erfüllung seines Wunsches für Konsequenzen hätte. Als Frau mit fünf Kindern von drei Männern - da wäre er nicht mehr der tolle Hecht, der Kaiser, die Lichtgestalt. Da wäre er ein Flitscherl, wie man in Bayern sagt. Und dann noch nachzumaulen, von wegen "so groß ist das Verbrechen auch nicht", das hätte er sich nicht erlauben dürfen. Ja, wo sind wir denn? Am Ende sollen wir für die wiedergeborene Frau Beckenbauer noch die Vielmännerei in Bayern einführen! Vielleicht sollte er lieber gleich als Reinkarnation einer Dorfbewohnerin in Tibet oder Kaschmir zurückkehren. Da ist so was wenigstens erlaubt.

Als Karrieremensch hätte Beckenbauer vielleicht auch Ambitionen, als Regierungschefin auf die Erde zurückzukehren? Selbst George Clooney soll davon träumen, einmal in seinem Leben Angela Merkel zu spielen. In einem Interview mit der Emotion verriet der Schauspieler, dass er "schon immer gern eine kleine deutsche Frau sein wollte".

Eine kleine deutsche Frau zu sein: Wenn das der Wunschtraum von Männern wie Beckenbauer und Clooney ist - wie können wir uns da beklagen? Ist die Existenz als Mann womöglich gar nicht so privilegiert? Wenn sich Männer nach schlechter Bezahlung, Doppelbelastung und Cellulite sehnen, wie viel härter muss erst ihr eigenes Leben sein! Sie werden nicht schwanger und kriegen trotzdem einen Kugelbauch. Gleichzeitig werden Haare und Beine immer dünner. Und dann dieses Getriebensein, dieser Druck, Geld zu verdienen, weiterzukommen. Geradezu bedauernswert.

Am Ende birgt diese männliche Sehnsucht eine große Wahrheit: Die gläserne Decke ist gar keine Decke - es ist der gläserne Boden, der den erfolgreichen Mann daran hindert, endlich mal runterzukommen. Statt über die Diskriminierung zu wettern, sollten Frauen also einen zuversichtlichen, tröstlichen Blick nach oben in die Führungsetagen werfen und all die verzweifelten Männer ermutigen: Weiter so, haltet durch! Ihr macht das ganz toll! Und bleibt bloß schön da oben, wo ihr seid - das gilt auch für Sie, Herr Beckenbauer! Nicht, dass wir am Ende noch mit euch tauschen müssen.

Kennen Sie einen peinlichen Spruch von einem Prominenten, ein witziges Zitat einer berühmten Persönlichkeit oder eine Liedzeile zum Thema Liebe? Dann behalten Sie das nicht für sich, sondern schicken Sie es an leben@sueddeutsche.de - Betreff: "Schmachtwort" (bitte den Urheber des Ausspruchs angeben!).