Wencke Myhre: Seit über 50 Jahren ist die Schlagersängerin, Schauspielerin und vierfache Mutter im Show-Geschäft und feiert Erfolge in Deutschland und Skandinavien.
"Ich nehme mir immer die nächste Viertelstunde vor," lautet das Motto von Wencke Myhre. Die norwegische Sängerin und Entertainerin wird diesen Donnerstag 60.
Anzeige
Zu diesem Anlass äußert sie einen besonderen Berufswunsch: "Ich hoffe sehr, dass ich zu den alterslosen Künstlern gerechnet werde." Den eigenen Geburtstag dürfte sie selbst daher nicht zu wichtig nehmen.
Privat wünscht sich die norwegische Sängerin, Polizistentochter und vierfache Mutter vor allem, dass bei der zum "Runden" erwarteten Geburt ihres sechsten Enkelkindes alles gut geht.
1964 erscheint die 17-Jährige als quirliger Kobold zum ersten Mal im deutschen Fernsehen und trällert in der NDR-"Schaubude" ihren ersten deutschen Schlager "Hey, kennt ihr schon meinen Peter?". Schon zehn Jahre zuvor hatte sie mit ihrem Vater Kjell und Reidar auf der Bühne gestanden. Mit 13 nahm sie ihre erste Platte auf.
Drei Jahre später ist sie gleichzeitig mit drei Titeln in der norwegischen Hitparade vertreten und macht erste Erfahrungen als Schauspielerin. 1966 gewinnt sie mit dem Ohrwurm "Beiß nicht gleich in jeden Apfel" die Schlager-Festspiele in Baden-Baden.
Markenzeichen: Frohnatur
Im folgenden Jahr bringt sie auch eine englische Single heraus und veröffentlicht ein Album mit norwegischen Kinderliedern. Sie tritt 1968 für Deutschland beim Grandprix der Eurovision an und erreicht den sechsten Platz, als sie ein "Hoch auf die Liebe" singt.
Zu Myhres Markenzeichen, neben einer "frechen" Rattenschwanz-Frisur, wurde vor allem ihre extrem ausgespielte Frohnatur.
Mit Liedern wie "Er steht im Tor" oder "Er hat ein knallrotes Gummiboot" wird Myhre in Deutschland zu einem Teenageridol. Die Leser der Bravo verleihen ihr zwischen 1966 und 1969 vier "Ottos", davon zwei in Gold. 1970 tritt sie in einer Hauptrolle des Films "Unsere Pauker gehen in die Luft" auf. 1978 gewinnt sie eine "Goldene Kamera".
One Woman Show
Fernsehen und Bühne werden wichtige Standbeine ihrer Karriere. Für die ZDF-Show "Das ist meine Welt" bereist sie - musikalisch begleitet - verschiedenste Länder. In Skandinavien wird ihre "One Woman Show" berühmt, mit der sie 1987 auch in Ost-Berlin auftritt.
Seit 2004 geht sie mit den anderen beiden skandinavischen Schlagerstars ihrer Generation, Gitte Haenning aus Dänemark und Siw Malmkvist, auf Tournee. Mit dem Programm "Gitte Wencke Siw - Die Show" begeisterten die drei Sängerinnen nicht nur mit makellosem Live-Gesang, sondern auch mit Spaß an selbstironischen Einlagen.
Zum 50. Bühnenjubiläum 2004 ernennt Norwegens König Harald V. die Entertainerin zum "Ritter 1. Klasse des St. Olovordens". Zwei Jahre zuvor hatte Myhre den Willy-Brandt-Preis für ihr künstlerisches Engagement bekommen, mit dem sie "Norwegen und die norwegische Kultur in Deutschland bekannt gemacht hat".
Persönliche Rückschläge
Ihr Privatleben verläuft oft nicht so gut wie ihre Karriere. Ihre erste Ehe mit dem Zahnarzt Torben Friis Møller wird nach zehn Jahren geschieden, ihr zweiter Ehemann, der deutsche Regisseur Michael Pfleghar, den sie 1981 heiratete, erschießt sich 1991.
Pfleghar hatte die Comedy-Serie "Klimbim" entwickelt, in der Myhre als Gast-Star auftrat, und prägte mit großen Wencke-Shows für ZDF und ARD auch das Comeback seiner Frau in den achtziger Jahren mit. Ein Jahr vor dem Selbstmord trennte sich das Paar.
Ihre dritte Ehe, mit dem Hotelbesitzer und Baulöwen Arthur Burchardt, scheitert 1999 nach fünf Jahren. Seitdem lebt die Künstlerin mit dem Dirigenten Anders Elijas zusammen.
2002 veröffentlicht sie das Album "Viva la Diva", für das sie Songs von Hildegard Knef, Zarah Leander und Marlene Dietrich einspielt.
An Rente scheint die energiegeladene Myhre noch nicht zu denken. Ihre Fans können also noch auf viele unterhaltsame Viertelstunden hoffen.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(AP/dpa/sueddeutsche.de)
Wettmanipulation im Fußball
Nicht einmal ihren Namen belies man ihr: Wenche schreibt es sich auf norwegisch. Und nie war sie um eine Peinlichkeit verlegen, sei es als Sängerin (hat sie jemals die Texte verstanden, die sie singen musste ?) oder als Propagandistin der Minimode mit 55. Alterslos ? Mitnichten. Gerade weil ihre Stimme und ihre Erscheinung gnadenlos junggehalten werden sollte, mussten Peinlichkeiten immer mehr - sicht- und hörbar - durch Elektronik und Chemie überdeckt werden. Myhre und Malmkvist mit ernsthaften Künstlern wie Gitte Hænning oder gar mit Persönlichkeiten wie Hildegard Knef oder Marlene Dietrich zu vergleichen, sollte sich von selbst verbieten. Hat denn niemand mehr "Sag mir wo die Blumen sind" oder "Eins und eins, das macht zwei" im Ohr, um Myhre ins Reich der harmlosen Triller zu verweisen ? "Norwegen und die norwegische Kultur in Deutschland bekannt gemacht ?" Man muss in Deutschland denken, alle Norweger säßen gern mit Wenche Myhre in ihrem knallroten Gummiboot. Das ist - Gott sei dank - nicht der Fall, wir wären schon längst untergegangen An andere kulturelle Beiträge kann ich mich nicht erinnern. Und vom Leichnam Willy Brandts kann man nur hoffen, dass er sachte im Grabe rotiert, wenn er hört, wie sein Name missbraucht wird (besser noch: Er sucht den Vorstand so lange mit authentischer Stimme heim, bis dieser die Zeichen an der Wand erkennt). Teenageridol Myhre ? Das muss sich auf einem anderen Planeten abgespielt haben. Wenchomania - vielleicht ?
Schluss mit den Viertelstunden - Friede ihrer Stimmritze !