Vor zehn Jahren glaubte kaum ein Forscher daran, dass es in absehbarer Zeit Therapien gegen Alzheimer geben könnte. Heute sind die Mediziner optimistisch, die Krankheit künftig mit neuen Wirkstoffen aufhalten zu können.
Was doch zehn Jahre Forschung ausmachen: "Noch Mitte der 1990er Jahre glaubten die wenigsten Forscher daran, dass es in absehbarer Zeit Therapien gegen Alzheimer geben könnte", schreibt Michael Wolfe von der Harvard University in Boston in der aktuellen Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft.
Eine Alzheimerpatientin im Les Héliades Hospital im französischen Beauvais. (© Foto: AFP)
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"Das ist heute anders", sind der Biochemiker und viele seiner Kollegen überzeugt. Der Grund für den Optimismus unter den Alzheimerforschern liegt darin, dass in den letzten Jahren mehrere neue Präparate in Studien getestet wurden, die nicht nur die Auswirkungen, sondern auch die Ursachen des fortschreitenden Vergessens bekämpfen sollen.
Die Forderung von Experten zum Welt-Alzheimer-Tag am heutigen Donnerstag, mehr Geld in die Forschung zu investieren, hat damit wenigstens eine Basis.
Jüngst hat zum Beispiel die Firma Myriad Pharmaceuticals mit Sitz in Salt Lake City 1600 Patienten mit beginnender Alzheimerkrankheit für eine Studie mit dem neuen Test-Medikament Flurizan gewonnen.
Auch in Europa werden ab Oktober 800 Patienten - einige davon auch in Deutschland und der Schweiz - das Mittel testen, das ursprünglich als Krebsmittel gedacht war. Dass Flurizan auch Alzheimerpatienten helfen könnte, hat mit seiner speziellen chemischen Struktur zu tun. Der Zufall half, das zu entdecken.
Entzündungshemmer helfen
In epidemiologischen Studien war Wissenschaftlern aufgefallen, dass Patienten, die Medikamente zum Beispiel gegen rheumatoide Arthritis einnahmen, ein geringeres Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken.
Bis vor fünf Jahren dachten die Forscher, das liege an der entzündungshemmenden Wirkung der Substanzen, die mit NSAID abgekürzt werden (für Nicht-steroidale anti-inflammatorische Medikamente) und zu denen auch Aspirin und Ibuprofen zählen.
Im Gehirn von Alzheimerpatienten kommt es zu krankhaften Ablagerungen eines kurzen Proteinbruchstücks, das Beta-Amyloid genannt wird. Um diese Ablagerungen herum sterben Nervenzellen ab, und offenbar sind daran Entzündungsreaktionen beteiligt. So erschien es nicht verwunderlich, dass auch Entzündungshemmer helfen.
Das war jedoch nicht die ganze Erklärung, fand Sascha Weggen vor fünf Jahren heraus, als er an der University of California in San Diego arbeitete.
Heute ist Weggen Gruppenleiter an der Universität Mainz: "Wir fanden, dass die NSAID zusätzlich eine ganz spezifische Wirkung haben, die für die Alzheimerkrankheit entscheidend ist. Einige NSAID vermindern die Menge an Beta-Amyloid 42."
So werden Proteinbruchstücke genannt, die aus 42 Aminosäuren, den Bausteinen der Proteine, bestehen. Diese längere Form von Beta-Amyloid ist besonders gefährlich, da sie schnell verklumpt. Im Körper kommen auch Bruchstücke vor, die nur 40 Aminosäuren lang sind und sich leichter lösen.
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