Wein in Flaschen, das war einmal. Wenn es so weitergeht, werden wir im Jahr 2058 Cabernet aus China, abgefüllt in Tetrapaks, trinken. Ein Blick in die Zukunft.
Dicker Staub bedeckt die Flaschen in den labyrinthischen Kellergewölben von "Berry Bros. & Rudd" in der Londoner St. James Street. Vor Jahrzehnten hingelegt, werden sie nur selten bewegt und noch seltener geöffnet. Relikte aus vergangener Zeit, deren Inhalt sich längst von Bordeauxrot in Bernstein verfärbt hat. Lord Byron soll hier Kunde gewesen sein, und auch die Titanic hatte ein paar Dutzend Kisten von Berry Brothers bestem Bordeaux an Bord.
Wein in Flaschen könnte schon bald als angestaubt gelten - er ist zu schwer, um kreuz und quer durch die Welt gekarrt zu werden. (© Foto: Berry Bros. & Rudd)
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Der Keller der Queen wird von Simon Berry, Boss in der achten Generation, gehegt und gepflegt. Berry Bros.&Rudd ist eine önophile Institution, und dies vor allem aufgrund der ständigen Entwicklungen und neuen Tendenzen in der Weinbranche. Im Juni veröffentlichte die altehrwürdige Weinhandlung ihren Zukunftsreport "Future of Wine", aus dem hervorgeht, wie es in 50 Jahren um die internationale Weinkultur bestellt sein wird. Nichts bleibt, wie es ist, so das simple Fazit.
Die Qual der Wahl zwischen China-Weinen
Die Weinwelt ist im Fluss: Blickt man auf das Jahr 1958 zurück, so hätte man damals die Regale lange nach Weinen aus Argentinien, Chile oder Südafrika absuchen können und wäre doch immer wieder vor mediokren, halbsüßen Moselrieslingen gestanden. In 50 Jahren, so Alun Griffin, einer der Verfasser des Berichts, wird man vor einem Regal chinesischer Weine die Qual der Wahl haben.
Griffin spricht in diesem Zusammenhang von der großen chinesischen Weinmauer: Schon heute verfüge China über mehr bepflanzte Rebfläche als Deutschland und Australien zusammen. Noch wird ausschließlich für den nationalen Markt produziert, doch dieser wächst rapide. Auf dessen potenzielle Kaufkraft setzen nicht nur die großen Weingüter im Bordeaux, sondern auch findige Investoren in den chinesischen Provinzen Shandong und Xinjiang. Die gegenwärtige, ohnehin erstaunliche Anzahl von 400 Weingütern wird sich, so schätzt man, verzehnfachen.
Das nötige Fachwissen und die technische Unterstützung holen sich die Chinesen derzeit aus Europa oder Australien. Die geeigneten Anbauflächen werden sich ebenfalls finden - in China dürfte es genügend Terroirs und Mikroklimate geben, die bis spätestens 2058 mit den Bordelaiser Chateaux konkurrieren können.
Cabernet aus Indien
Doch nicht nur ein geeignetes Mikroklima ist entscheidend - vor allem das globale Klima beeinflusst den Weinanbau. Sollte sich die Erde weiter erwärmen, würden nicht nur in China Cabernet und Merlot ausgepflanzt. Auch in Indien ist man gerade dabei, ein entsprechendes Bewusstsein für geeignete Rebsorten aufzubauen. England lockt bereits Investoren aus der Champagne und pflanzt Chardonnay und Pinot Noir, da man in wenigen Jahren ein der Champagne vergleichbares Klima erwartet. Die Böden sind nahezu identisch, und in den vergangenen Jahren gewannen die englischen Schaumweine bereits bei diversen Wettbewerben erste Preise.
Wenn man dem Bericht glaubt, werden Länder, die zur Zeit nur marginale Bedeutung haben, wichtiger werden. Osteuropas Weinbauregionen, auf einem Breitengrad mit den großen Weinbauregionen Frankreichs, werden laut Prognose qualitativ Sprünge machen. Und: Kanada soll ein neuer Stern am Weinhimmel der Neuen Welt werden. Südontario könnte dann auf einer Stufe mit Kalifornien stehen.
Des einen Freud, des anderen Leid: Dort, wo es heute schon warm ist, könnte es in 50 Jahren zuweilen sehr heiß werden - zu heiß, um Trauben anzubauen. In den vergangenen beiden Jahren verwüsteten gewaltige Dürren Teile der Weinernte Australiens, Wassermangel führte zu Bewässerungsverboten. Die Preise für Fasswein explodierten daraufhin von 25 Cent auf über 60 Cent für den Liter. Sollte dieser Trend anhalten, und dafür spricht einiges, könnten die Billigsparten australischer Weine bald der Vergangenheit angehören. Australische Weinbauern würden zunehmend in höhere Lagen und in den kühleren Süden ausweichen, möglicherweise gleich nach Tasmanien.
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...ich war was den Wein angeht bisher immer Lojkalpatriot und trinke auch deshalb nur Weine vor Ort. Das grosse Weinmonopoly ist mitr rätselhaft, zumal 80% des Importweines in unseren Regalen Schrott sind. Da werden den Menschen über "Weingurus" Empfehlungen ausgesprochen , die mich an das pushen von bestimmten Aktienkursen durch Analysten erinnert...
Wein muss einem schmecken - basta. Alles andere ist - meiner Meinung nach - sehr mit Vorsicht zu geniessen. In diesem Sinne, prost...