Tafelwein ist meistens besser als sein Name klingt. Nun regelt eine EU-Verordnung die Bezeichnung von Weinen neu - die Etiketten sollen verständlicher werden.
Gute Dinge schlecht zu machen war schon immer eine der seltsamsten Tugenden deutschen Regeltalents. So ist es dem Tafelwein ergangen.
Möglichst wertfrei wird aus dem Tafelwein künftig ein "Wein ohne engere Herkunftsangabe." (© Foto: oh)
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Tafelwein, igitt! Dabei ist die Tafel doch immer die gehobenere, die vielleicht sogar richtig festliche Variante des Mittagstisches gewesen. Doch Deutschland hat es als einziges Land Europas fertiggebracht, die Bezeichnung "Tafelwein" zu einem Warnruf, zu einer Schreckensvokabel zu machen, die vor ungenügenden Qualitäten warnen sollte.
Nun wird eh alles anders: Eine neue Verordnung der Europäischen Kommission zur Bezeichnung von Wein schafft den alten Begriff "Tafelwein" ab. Ab Samstag treten in der gesamten Europäischen Union neue Etikettierungsregeln in Kraft. Einfacher wird es dadurch nicht, da neue kompliziertere Bezeichnungen Altes aussagen sollen.
So wird es in Zukunft keinen "weißen Tafelwein" mehr geben, er wird zu "Wein ohne engere Herkunftsangabe." Dafür kann aber die Rebsorte auf dem Etikett verzeichnet werden und das Land, wo er herkommt. Billig-Weine erfahren damit indirekt eine Aufwertung, weil sie künftig mit ihrer Rebsorte und ihrem Jahrgang werben können. Erkennbar sind diese Produkte durch Bezeichnungen wie "Wein aus Deutschland" oder "Deutscher Wein - Riesling".
Wer je Europas Weinbaugebiete bereist hat, der kannte sich schnell nicht mehr aus: In Italien sind mindestens die Hälfte aller Weine als Vino da tavola, also als Tafelwein, ausgewiesen. In Frankreich ist der Vin de table genauso etwas gewesen, was durchaus eine saubere Herkunft, einiges an Duft und Delikatesse bedeuten konnte.
Wein sagt mehr als tausend Worte
Mit dieser Bezeichnung umging man oft die rigorosen Eingrenzungen des AOC (Appellation d'Origine Contrôlée) und DOC (Denominazione di Origine Controllata), die garantierten Herkunftsbezeichnungen bestimmter Tropfen. Gute Weine ohne kontrollierte Herkunftsbezeichnung werden in Frankreich oder Italien bei den Tafelweinen eingereiht.
Doch nun kommen neue Bezeichnungen, wie "g.U." für "geschützte Ursprungsbezeichnung" und "g.g.A" für "geschützte geografische Angaben". Dass das wirkliche Qualitätsmerkmale sein werden, darf jetzt schon bezweifelt werden, denn auch die alten Bezeichnungen Qualitätswein und Prädikatswein haben ja nicht immer gehalten, was sie versprochen haben.
Gewiss, etwa den nur in Württemberg erlaubten "Schillerwein", ein Verschnitt aus weißen und roten Tropfen, den wird es auch künftig nicht auf europäischen Etiketten als Rosé geben. Aber den etwa aus Kalifornien importierten Zentrifugenwein, der in seine Bestandteile zerlegt und wieder zusammengesetzt wurde, wer wird ihn erkennen? Oder jenen, der statt im Barrique mit Eichenholzspänen zu seinem Tannin gekommen ist? Neuerungen, die uns ein Handelsabkommen mit den USA eingebrockt hat, gegen das sich die EU nicht wirkungsvoll wehren mochte. Für diese Weine gelten darum andere Regeln.
Für Deutschland, dem Land, in dem noch immer viel mit Süßreserven und in der Gärung lieblich gestoppten Flüssigkeiten aus Rebensaft hantiert wird, wären ganz andere Angaben auf den Flaschen viel bedeutsamer. Immerhin sind ja mittlerweile schon die Alkoholwerte abzulesen. Die Angabe über die Säurewerte fehlt meistens, obwohl sie dem Kenner viel über die Qualität sagt - je kräftiger der Wein, desto vorteilhafter kann die Säure wirken. Und statt des Vermerks "enthält Sulfite" - der nur sagt, dass der Wein Schwefelsäure beinhaltet - sollten die wahren Schwefelwerte enthalten sein.
Künstlich süß gehaltener Wein enthält automatisch mehr Schwefel als Konservierungsmittel, um die Nachgärung zu unterdrücken. Diese Schwefelangaben, säuberlich auf der Flasche verzeichnet, würden vielen weit mehr über die inneren Tugenden des Weins verraten als manch andere blumige Formulierung.
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(SZ vom 06.08.2009/mmk)
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Wieso wird hier so abwertend über deutschen Wein gesprochen? In Italien ist alles besser? Das denkt man auch nur in Bayern. Und die Säure ist ein entscheidender Faktor? Toll recherchiert;-) Wieso schreibt eigentlich jeder über Wein, der schon mal ein Glas in der Hand hatte?
Das war ein wenig zu kurz geschlußfolgert. Anders ausgedrückt: Schwefel verhält sich im Wein anders als unter Laborbedingungen in reinem Wasser.
Medizinisch gesehen wird der Schwefel im Wein über ein Enzym namens Sulfidoxidase zu Sulfat oxidiert und mit dem Urin ausgeschieden.
Ohne Schwefelzusatz - und das wussten schon die alten Römer - verläuft die normale Produktion eines Weines wie folgt (Zitat): "Hefen vergären den Traubensaft zu Wein. Als nächstes vergären Milchsäurebakterien die Apfelsäure zu Milchsäure. Und dann verwandeln Essigbakterien den Wein zu Essig. So ist er meist mikrobiell längere Zeit stabil, bis sich dann andere Bakterien über ihn hermachen und ihn in ein undefinierbares Gebräu verwandeln."
Das ist zum Wein.
Ich fühle mich soo sicher durch die EU. Da zahlt man doch gerne Steuern. Wollen wir aus diesem Club austreten, Leute?
Und statt des Vermerks "enthält Sulfite" - der nur sagt, dass der Wein Schwefelsäure beinhaltet - sollten die wahren Schwefelwerte enthalten sein.
Den Wein würde ich nicht trinken. Beim "schwefeln" entsteht Schwefeldioxid, das mit Wasser zur schwefligen Säure reagiert und sulfite als Salze bildet. Schwefelsäure entsteht aus Schwefeltrioxid, bildet mit Wasser Schwefelsäure und die Salze heissen Sulfate....
Hey, ich hab mir nen Klugscheisserpunkt verdient...:-))
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