Von Interview: Claudia Fromme

René Heydeck, der streng darüber wacht, dass der Weihnachtsmann einen guten Job macht.

Der Weihnachtsmann wohnt in Berlin; jedenfalls ist das sehr wahrscheinlich. Immerhin gibt es hier die größte und älteste Weihnachtsmann-Vermittlung in Deutschland. Zum 58. Mal bieten die studentischen Arbeitsvermittler der "Heinzelmännchen" Personal für den Advent an. Mehr als 400 Weihnachtsmänner werden 4500 Familien in Berlin und Umgebung besuchen. Oberweihnachtsmann ist René Heydeck.

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SZ: Was muss ein guter Weihnachtsmann bei Ihnen können, Herr Heydeck? Heydeck: Er muss vor allem spontan sein. Wir testen das hier im Büro bei einem Casting. Bei der Probebescherung spiele ich einen quengeligen Vierjährigen, eine Kollegin die Mutter. Ich will singen und stelle unglaublich viele Fragen. Wer da nicht zusammenbricht, hat den Job.

SZ: Wie viele fliegen raus? Heydeck: Etwa 20 Prozent.

SZ: Was machen die falsch? Heydeck: Manche kennen weder die Weihnachtsgeschichte noch ein Lied und sprechen kaum Deutsch. Warum die sich bewerben, weiß ich nicht. Viele unterschätzen den Job. Pro Bescherung bleiben 20 Minuten, in denen Eltern einen kritisch beäugen, Onkel permanent filmen und Kinder Schlitten sehen wollen, die es nicht gibt. Und am Ende warten Jugendliche vorm Haus, um Schneebomben auf einen zu werfen. Kein Job für Schüchterne.

SZ: Gibt es eine Kleiderordnung? Heydeck: Ja. Roter Mantel, Mütze, Bart, schwarze Hose, Stiefel und Jutesack sind Pflicht. Beim Mantel sind Plüsch und Samt erlaubt, Filz nicht. Der wirkt billig. Einer ist mal mit einem blauen Müllbeutel statt Jutesack aufgetaucht, den haben wir ebenso nicht mehr beschäftigt, wie den, der die Tour in Jogginghosen gemacht hat. Eltern legen da Wert drauf. Als ich Kind war, hat mein Vater einen Bademantel und eine Plastikmaske getragen - ich hielt ihn trotzdem für den Weihnachtsmann.

SZ: Roter Mantel, Zipfelmütze . . . Da begeben Sie sich aber auf vermintes Gelände. Die katholische Kirche wettert gegen den roten Weihnachtsmann als Erfindung der Industrie und fordert einen Sankt Nikolaus mit Mitra und Bischofsstab. Heydeck: Tut mir leid, den haben wir nicht im Angebot. Ich kann verstehen, dass in katholischen Regionen die Unterscheidung wichtig ist, wir aber halten uns eher an die reformatorische Abkehr von der Heiligenverehrung. Den roten Weihnachtsmann gibt es seit Mitte des 19. Jahrhunderts, Coca-Cola hat ihn nicht erfunden, sondern für sich genutzt. Es geht doch um Besinnung im Advent und an Heiligabend. Das können auch Weihnachtsmänner in roten Mänteln leisten.

SZ: Aus Angst vor Klagen nehmen Weihnachtsmänner in den USA Kinder nicht mehr auf den Schoß. Gibt es bei Ihnen auch einen Verhaltenskodex? Heydeck: Kinder dürfen auf dem Schoß sitzen, allerdings will das kaum eines. Viele haben großen Respekt vor uns. Rauchen ist tabu, der Weihnachtsmann riecht nicht nach Zigarette - und nicht nach Alkohol. Die Bescherung beginnt pünktlich und, klar, der Weihnachtsmann geht nicht bei den Familien auf die Toilette.

SZ: Was verdienen Weihnachtsmänner eigentlich so? Heydeck: Es gibt 30 Euro pro Auftritt. Heiligabend ist der beste Tag. Da gibt es meist zehn bis zwölf Bescherungen.

SZ: Richtig reich wird man als Weihnachtsmann bei Ihnen aber nicht. Heydeck: Aber später vielleicht berühmt. Jürgen von der Lippe und Karl Dall zum Beispiel waren in ihrer Studienzeit auch mal bei uns Weihnachtsmänner.

SZ: Sie bestücken auch Betriebsweihnachtsfeiern. Da wünschen sich doch bestimmt einige, dass der Weihnachtsmann oder ein Engel die Hüllen fallen lässt . . . Heydeck: Kommt vor. Wir haben auch Studenten, die den Service bieten. In diesem Jahr gibt es aber noch keine Anfrage.

SZ: Was wird sonst noch gewünscht? Heydeck: Häufig wird nach einem deutschen Weihnachtsmann gefragt. Wir lehnen das ab. Der Weihnachtsmann ist international, finden wir. Einmal aber haben wir doch eingelenkt. Eine Familie, die Besuch von einem afrikanischen Studenten bekam, wollte im Jahr drauf einen deutschen Weihnachtsmann. Als dieser durch die Tür kam, war das Fest gelaufen. Die Kinder waren außer sich und haben gebrüllt: Das ist nicht der Weihnachtsmann, der echte ist schwarz! Im nächsten Jahr hat die Familie ausdrücklich nach einem Weihnachtsmann aus Afrika verlangt.

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(SZ vom 6.12.2006)