Frauen sind großzügiger - das war ja klar. Aber warum bekommen Mütter nur noch halb so viel zu Weihnachten, sobald der Sohn unter der Haube ist? Eine Psychologie der Präsente.
"Oh toll! Socken! Vielen Dank!" Heucheln ist das eine. Über seinem verkrampften Lächeln vergisst da so mancher Sohn, sich zu fragen, warum Mama ihn denn seit vier Jahren nur noch mit Strümpfen und Krawatten bedenkt. Vielleicht ist er selbst schuld daran. Seit er nämlich eine Freundin hat, bekommt Mama nur noch Taschenbücher statt der schönen Bildbände.
Freut sie sich wirklich über das Plüsch-Schweinchen oder tut sie nur so? (© Foto: dpa)
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Norwegische Forscher von der Universität Oslo haben dies herausgefunden und noch andere interessante Aspekte weihnachtlichen Schenkens untersucht. 50 Absolventen der Universität waren ihre Probanden - also Menschen, die sich in der Regel in einem engeren finanziellen Rahmen bewegen und sich genau überlegen müssen, wem sie was schenken.
Schwestern schenken mehr
Die Vernachlässigung von Mama, so meinen die Forscher, hat entweder damit zu tun, dass man auf ihre Hilfe nicht mehr verstärkt angewiesen ist oder, ganz profan, mit der Geldersparnis. Denn der Partner wird, jenseits der Blutsverwandten, mit den teuersten Geschenken bedacht. Was läge da näher, als bei Mama zu sparen und die Ausgaben auf denjenigen umzulegen, der das Wäschewaschen übernommen hat?
Ähnlich sieht es bei Geschwistern aus: Je älter man wird, desto kostengünstiger fallen die Gaben aus. Man hat immer weniger Kontakt, Unterstützung kommt jetzt eher vom eigenen Netzwerk, von Partner und Freundin. Dabei fiel den Forschern auf, dass Schwestern aus der Rolle fallen - sie haben oft eine engere Beziehung, reden viel miteinander und schenken sich wohl deshalb, auch wenn sie schon älter sind, mehr.
Überhaupt sind Frauen großzügiger: Sie kaufen teurere Geschenke und beschenken insgesamt mehr Leute als Männer. Das liegt, so vermuten die Wissenschaftler, in der stärkeren Tendenz der Frauen zum Netzwerk begründet: Während bei unseren Vorfahren die Männer ihrer Sippschaft zeitlebens verhaftet blieben, kamen Frauen durch die Heirat mit ihrem Partner neu in diese Sippschaft hinein. Dort mussten sie, schon aus Selbstschutz, aufmerksam die Beziehungen zu den Mitgliedern der neuen sozialen Gruppe pflegen - besonders zu den argwöhnischen Schwiegereltern.
Geizige Sandwich-Kinder
Ansonsten neigen Männer dazu, den tatsächlichen Geldwert eines Geschenkes wichtiger zu nehmen - Frauen bastlen dementsprechend mehr selbst. Auffällig in der Studie war auch das unterschiedliche Schenkverhalten, je nachdem, ob man Erstgeborener, jüngstes Kind oder sogenanntes Sandwich-Kind ist.
Das Ergebnis: Erstgeborene beschenken ihre engen Verwandten am großzügigsten - wahrscheinlich, weil sie sich am ehesten mit den Eltern identifizieren, meist den engsten Kontakt mit ihnen pflegen und überhaupt sehr familienorientiert sind. Die Sandwich-Kinder auf der mittleren Position dagegen halten sich mit Präsenten in der Familie eher zurück, ihre Bindung ist in der Regel nicht so eng. Dafür bedenken sie ihre Freunde ausgiebiger.
Die Moral von der Geschicht: Schenk' ruhig ein wenig mehr, besonders, wenn du ein Sandwich-Mann bist, selber Basteln schadet nie und vergiss deine Mama nicht!
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(sueddeutsche.de)
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