Unser Körper ist auf Vitamine angewiesen. Was passieren könnte, wenn der Mensch keine mehr über die Nahrung aufnehmen würde.
Vitamine sind Helfer im Verborgenen. "Unser Körper braucht sie. Ohne Vitamine sterben wir", sagt Wilhelm Stahl, Biochemiker an der Universität Düsseldorf. Allerdings ist der Körper darauf angewiesen, dass er die lebenswichtigen Substanzen mit der Nahrung aufnimmt - sie selbst herzustellen, würde zu viel Energie benötigen.
Anzeige
13 Substanzen zählen zu den Vitaminen. Sie ermöglichen unter anderem die körpereigene Synthese bestimmter Eiweiße, der Enzyme. Mithilfe dieser Moleküle kann der Organismus schädliche Verbindungen wie freie Radikale in harmlose Substanzen umwandeln. Diese Funktion erfüllen die Vitamine A, C und E, außerdem Betakarotin, das die Vorstufe von Vitamin A bildet, und Mineralien wie das Spurenelement Selen.
Vitamine können jedoch mehr. Kaum eine Funktion des Körpers kommt ohne die kompliziert gebauten Moleküle aus. Sehen, Wachsen und Spermienproduktion wären ohne Vitamin A unmöglich.
Es gibt acht Unterarten des Vitamin B, die alle eins gemeinsam haben: Sie helfen dem Körper, die für den normalen Stoffwechsel nötigen Komponenten herzustellen. Vitamin C, auch Ascorbinsäure genannt, braucht der Körper, um ein belastungsfähiges Bindegewebe aufzubauen. Vitamin D trägt zu stabilen Knochen bei, und Vitamin K regelt die Blutgerinnung.
Meist spielen Vitamine eine nur indirekte, deshalb aber nicht weniger wichtige Rolle. Sie lassen nicht selbst das Blut gerinnen oder fangen die freien Radikale ab, sondern setzen eine Kettenreaktion in Gang, an deren Ende die gewünschte Wirkung steht. Bis auf Vitamin C werden alle Vitamine im Körper chemisch verändert, bevor sie ihre lebenswichtige Rolle übernehmen.
Weil viele Menschen fürchten, mit der normalen Nahrung nicht genügend Vitamine aufzunehmen, greifen sie zu Ergänzungsmitteln. Doch die Pulver, Brausetabletten und Kapseln können eine frische Orange nicht ersetzen.
"Ausgewogenes Verhältnis in natürlichen Lebensmitteln"
"In natürlichen Lebensmitteln herrscht ein ausgewogenes Verhältnis der Nährstoffe", sagt Volker Böhm, Lebensmittelchemiker an der Universität Jena.
Mit einer normalen Mahlzeit nimmt man viele verschiedene Vitamine zu sich, die sich gegenseitig beeinflussen. Das führt unter Umständen zu einer anderen Wirkung, als wenn man dem Körper ein Vitamin isoliert zuführt.
Ergänzungsmittel können das Gleichgewicht der Wirkstoff-Konzentrationen verschieben, das die Wechselwirkungen brauchten. Andererseits könnten die Präparate zusätzliche Stoffe enthalten, die ebenfalls in das fragile Gebilde des Stoffwechsels eingriffen, sagt Böhm.
Vitaminpräparate bestehen häufig aus synthetischen Vitaminen. Sie werden chemisch hergestellt und nicht wie die natürlichen Substanzen aus Pflanzen gewonnen. Zwar enthalten natürliche und synthetische Präparate die gleichen chemischen Bausteine.
In ihrer Wirkung auf den Organismus können sie sich dennoch unterscheiden.
"Beim Betakarotin, Vitamin A und C ist es egal, ob sie chemisch oder natürlich hergestellt werden", sagt Wilhelm Stahl. Für die Wirkung des Vitamin E ist der Ursprung des Präparats dagegen entscheidend. Industriell erzeugtes Vitamin E besteht aus einem Gemisch verschiedener chemischer Strukturen.
Der menschliche Körper kann aber nur eine davon verwerten; ein großer Teil des eingenommen Präparats ist also völlig wirkungslos. Natürliches Vitamin E, das aus Pflanzen gewonnen wird, besteht dagegen nur aus der biologisch wirksamen Struktur.
Wer sich an die Empfehlung von 12 bis 15 Milligramm Vitamin E pro Tag hält, nimmt also mit synthetischen Produkten unter Umständen eine so geringe Konzentration des verwertbaren Vitamins zu sich, dass eine Wirkung fast ausgeschlossen ist. Andererseits bringen Überdosierungen das fein austarierte Gleichgewicht, das jede biochemische Reaktion braucht, völlig durcheinander - mit teilweise gefährlichen Konsequenzen für den Organismus.
Wissenschaftler untersuchen die Wirkung von Vitaminen im Labor oder allenfalls bei Mäusen. Solche Studien sind für die Grundlagenforschung wertvoll. Mit dem Leben der Menschen, die Vitaminpräparate nehmen, haben sie aber nur wenig zu tun. Biochemiker Stahl: "Es ist unmöglich, die komplexen Zusammenhänge beim Menschen im Labor zu simulieren."
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 22.3.2007)