Manchen Menschen tun Gliedmaßen weh, die sie bei einem Unfall verloren haben. Bekommen sie Arme oder Beine in einer virtuellen Welt zurück, lassen die Schmerzen nach.
Wenn Menschen durch Unfall oder Krankheit Arm oder Bein verlieren, leiden viele fortan unter Phantomschmerzen - das verlorene Körperteil schmerzt, als ob es noch da wäre, manchmal noch jahrelang.
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Mediziner vermuten, dass bei der Amputation beschädigte Nerven die nur schwer behandelbaren Qualen verursachen. Frühere Studien hatten Hinweise darauf geliefert, dass sich die Schmerzen mildern lassen, wenn dem Gehirn vorgetäuscht wird, dass der Patient die verlorene Extremität sehen und bewegen könne.
Dass sich das Gehirn noch besser mit Hilfe moderner Computertechnik überlisten lässt, haben britische Forscher auf einer internationalen Konferenz zu virtueller Realität und Rehabilitation (ICDVRAT 2006) in Dänemark vorgeführt:
In einer kleinen Studie demonstrierten sie an Arm- und Beinamputierten, dass die Schmerzen schon nach kurzer Zeit nachlassen, wenn dem Gehirn in einem vom Computer erzeugten virtuellen Raum der Eindruck vermittelt wird, dass die verlorenen Gliedmaßen immer noch vorhanden sind.
Mit zwei Armen und Beinen
Über das von einem Team um Craig Murray von der School of Psychological Sciences der Universität Manchester entwickelte Computersystem, das die Bewegungen des Patienten über einen Datenhandschuh sowie Sensoren an Ellenbogen und Knie registriert, sieht sich der Patient über eine Brille selbst in einer virtuellen Welt mit zwei Armen und Beinen.
Mit seinen verbliebenen Extremitäten kontrolliert er die vom Computer erzeugten virtuellen Gliedmaßen. So lässt sich beispielsweise über den noch vorhandenen rechten Arm die Bewegung des nur virtuellen linken Arms steuern. Dadurch können Patienten in der vorgetäuschten Welt Arme, Finger, Beine und Füße bewegen, Dinge greifen oder Ball spielen.
Fünf Testpersonen, die bis zu 40 Jahren an Phantomschmerzen litten, benutzten das System zehnmal in drei Monaten für jeweils 30 Minuten. Vier von ihnen berichteten über eine Linderung der Schmerzen. Eine Patientin hatte das Gefühl gehabt, dass sich die Finger ihrer amputierten Hand ständig zu einer Faust zusammenkrallten.
Während der Behandlung spürte sie, wie sich die Finger lösten und der Schmerz nachließ, berichtete Murray. Die Forscher wollen nun jene Patientengruppe identifizieren, die am meisten von ihrem Computersystem profitiert.
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(SZ vom 21.11.2006)
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