Babyface-Ralph, Napoléon-Flavien, Prada, Rolex oder @: Was passiert, wenn Eltern bei den Vornamen ihrer Kinder kreativ werden.
Früher kannte man sowas nur aus dem Fernsehen. Mittlerweile sind sie überall: Im Haus nebenan, auf der Straße, im Supermarkt. Man fühlt mit ihnen und hofft, dass alles gut wird. Irgendwann. Die Rede ist von jenen bemitleidenswerten Geschöpfen, deren fürsorglichen Eltern sich besonders verrückte Vornamen für sie ausgedacht haben.
Zum Heulen: Wenn Eltern durch die Namensgebung die Einzigartigkeit ihres Sprösslings demonstrieren, ist das nicht immer im Sinne des Kindes. (© Foto: dpa)
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Obwohl die chinesische Schriftsprache zehntausende Zeichen bereithält, hat sich ein Elternpaar aus China für ein Symbol aus der Internetsprache entschieden: Ihr Sohn hört auf den Namen "@". Spräche man das Zeichen aus ("ät"), würde es so ähnlich wie das chinesiche Wort für Liebe klingen, rechtfertigen sich die Eltern. Das nennt man Zeitgeist.
In Hollywood ist es an der Tagesordnung, die Kollegen mit immer skurrileren Namen für den Nachwuchs zu übertrumpfen. So trägt beispielsweise das Töchterchen von Gwyneth Paltrow und Chris Martin den Namen Apple, Sylvester Stallones schimpft sich Sage Moonblod, und der Spross von Nicolas Cage und Alice Kim hört auf Kal-El Coppola.
Wer bislang glaubte, dieses Phänomen gäbe es nur bei den Prominenten jenseits des großen Teichs, der irrt. Hier zu Lande sind bizzare Babynamen schon lange im Trend. Die Familie Ochsenknecht hat es mit den Kindern Wilson Gonzalez, Jimi Blue und Cheyenne Savannah vorgemacht. Und auch Franziska van Almsick liegt mit ihrem Don Hugo hoch im Kurs.
Inzwischen erwärmen sich aber auch immer mehr "Normalo-Eltern" in Europa für ungewöhnliche Namen. So liest man etwa auf belgischen Geburtsurkunden Vornamen wie Napoléon-Flavien oder Venus-Hornaelle. Beim Versuch, den Namen seines Sandkastenfreundes korrekt auszusprechen, könnte sich so manches Kind die Zunge brechen. Einen ausgeprägten Hang zum Luxus scheinen jene Eltern zu haben, die ihre Kinder Prada und Rolex genannt haben.
Während der Phantasie der Eltern in vielen Ländern kaum Grenzen gesetzt sind, gestaltet sich die Namensgebung in Deutschland etwas restriktiver. Die Wahl der Vornamen wird durch die "Dienstanweisungen für die Standesbeamten und ihre Aufsichtsbehörden" eingeschränkt.
Laut Paragraph 262 Satz 3 dürfen "Bezeichnungen, die ihrem Wesen nach keine Vornamen sind, nicht gewählt werden." Um dem Kind durch seinen Vornamen keinen Schaden zuzufügen, gilt weiterhin, dass dieser Vorname deutlich das Geschlecht des Kindes wiedergeben muss und die Person nicht beleidigen darf. In Belgien gilt diese Vorschrift nicht, und so bleibt nur zu hoffen, dass der Junge mit dem Namen Babyface-Ralph über ein starkes Selbstbewusstsein verfügt.
Die Brisanz dieses Themas zeigt ein kürzlich veröffentlichter Artikel der Zeitschrift Eltern. Der Berliner Soziologe Jürgen Gerhards beschreibt die Folgen einer unüberlegten Namenswahl: Menschen würden mit einem Vornamen nicht nur das Geschlecht, sondern auch ein bestimmtes Alter, eine Region und die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht in Verbindung bringen.
So gelten beispielsweise Mandy oder Nancy als typisch ostdeutsche Namen, Leon und Maximilian als westdeutsch. Die Vornamen Chantal und Kevin werden mit eher weniger gebildeten Menschen assoziiert. In der Konsequenz bedeutet dies, dass solche Vorurteile schnell in Nachteile - zum Beispiel in der Arbeitswelt - für die Betroffenen übergehen können.
Die Bewohner der Bundesrepublik teilen sich derzeit rund 100.000 Vornamen. Doch bei einem Blick auf die Tabelle der häufigsten Namen (herausgegeben von der Gesellschaft für Deutsche Sprache für das Jahr 2006) scheint zumindest in Deutschland die Welt wieder in Ordnung: Bei den Jungen erfreuen sich Leon, Maximilian und Alexander größter Beliebtheit , bei den Mädchen gehören Marie, Sophie und Maria zu den häufigsten deutschen Vornamen.
Der Großteil der Eltern besinnt sich demnach auf die klassischen Vornamen. Und für die Justin Hinterhubers und Jaqueline Meiers dieser Welt bleibt immer noch der Gang zum Einwohnermeldeamt.
Welche außergewöhnlichen Vornamen kennen Sie - oder tragen Sie gar selbst einen? Schreiben Sie uns!
(sueddeutsche.de)
Ein befreundeter Mediävist, den auch in der Freizeit seine Profession nicht losließ, hat seinen Erstgeborenen Otwin genannt (nach einem Hildesheimer Bischof aus dem 10. Jh.).
Glücklicherweise konnten wir Bischof Popo (Bamberg, 13 Jh.) als Namensgeber verhindern...
Sie schreiben:
Zitat:
"Sapho
Auch nach eingehender Recherche konnten wir für diesen Namen zunächst keine andere Wurzel als das sogenannte Sapho-Syndrom finden"
Auch wenn ich nicht weiß, ob die Eltern sich bei der Namensschreibweise vertan haben oder der Autor des Artikels. Auf jeden Fall zeigt sich bei der vergeblichen Recherche eine nicht allzu tiefe Kenntnis der griechischen Mythologie ;-)
Das Mädel dürfte nach "Sappho" benannt worden sein. Diese lebte ungefähr um den 6.ten zum 5.ten Jahrhundertwechsel vor Chr. und war die bedeutendste Lyrikerin des klassischen Altertums.
Zitat aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Sappho
"Sappho gilt als die bedeutendste Lyrikerin der Antike, besonders gerühmt wurde im Altertum ihre klare und ausdrucksstarke Sprache, durch die sie unter anderem zum Vorbild des römischen Dichters Horaz wurde. Zwei Jahrhunderte nach ihrem Tod schätzte Platon ihre Lyrik so sehr, dass er Sappho als zehnte Muse bezeichnete. Die vierzeilige sapphische Strophe ist nach ihr benannt und geht vermutlich auch auf sie zurück."
... wenn Sie bei Sapho das fehlende 'p' ergänzen, haben Sie ein griechische Dichterin: Sappho, und dann wäre es kein schlechtes Programm, das mit dem Namen verbunden ist. Aber man geht ja sowieso nur noch nach dem klang eines Namens, nicht mehr nach dem, was er bedeutet, 'nomen est omen' war mal, heute sagt der Vorname nicht mehr aus, was man sich für den Träger des Namens wünscht (das wär ja wohl auch Aberglaube, dazu sind wir zu aufgeklärt;), es bringt nichts, sein Kind Albert zu nennen, aber dann geistig verkümmern zu lassen...
Ganz schlicht und einfach, ohne viele Möglichkeiten abzukürzen und doch außergewöhnlich. Dazu mit einer interessanten Bedeutung und Herkunft.
Man muss sich einfach nur die Mühe geben, dann findet man auch den richtigen Namen.
In unserem Fall:
MILA
Die Tendenz hin zu immer bizarreren Namen wird mittlerweile von einer immer größer werdenden Zahl Menschen kopfschüttelnd verfolgt - Näheres unter http://de.uncyclopedia.org/wiki/Kevinismus...
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