Die Blume an Valentin muss perfekt und makellos sein. Doch dafür riskieren Frauen auf Blumenfarmen ihr Leben.
Der Tod einer Rose beginnt in dem Moment, in dem sie geschnitten wird. Blume der Vergänglichkeit, das klingt zwar poetisch, ist für den Blumenhandel aber ein Problem. Vor allen Dingen an Tagen wie dem Valentinstag, an dem von Amerika bis Indien, von Holland bis Spanien millionenfach Blumen verkauft werden - rot, langstielig, gerade und makellos.
Valentinstag: Subventions-Tag für die Rosenindustrie. (© Foto: dpa)
Anzeige
Das Geschäft ist ein einziger Wettlauf gegen die Zeit. Dumm nur, wenn die Rose am einen Ende der Welt wächst und am anderen verschenkt werden soll. Also wenn sie in Yunnan im Hinterland von China geschnitten wird und dann in einem Laden in Rosenheim verkauft wird. Möglichst billig und möglichst langlebig, wie es der Kunde wünscht.
Der Weg der Rose ist eine logistische Herausforderung, ein globales Labyrinth vom Züchter zum Zwischenhändler, vom Spediteur zum Blumenladen, durchkalkuliert und durchorganisiert. Im Jahr 2005 wurden am Valentinstag weltweit 180 Millionen Rosen verkauft. 180 Millionen stems - Stiele, wie man im Blumengeschäft sagt. Doch die meisten stems werden mittlerweile in Südamerika, Afrika oder Asien angebaut. Gekauft aber werden sie hauptsächlich in Nordamerika und Europa. Oder wie Amy Stewart im Buch "Flower Confidential" schreibt: "Die meisten Blumen haben wohl mehr von der Welt gesehen als ihre Käufer."
Ecuador, Kolumbien, Kenia, China, das sind die Blumenlieferanten. Eine Rose, die am Montagmorgen im Schatten eines verschneiten Vulkans geerntet wird, steht Tage später in einem Blumenladen in Manhattan oder bei den Aalsmeer-Auktionen in der Nähe von Amsterdam. Die Hälfte aller Schnittblumen geht durch das Auktionssystem in Holland, hier wird der Weltpreis festgelegt. Bis zu 90 Prozent des Ladenpreises entstehen erst von hier an. Und jedes Land hat andere Vorlieben. Die Russen kaufen die auffälligsten Blumen mit den längsten Stielen, die Europäer die ausgefallenen Tulpen, die Amerikaner die langweiligen. Und in keinem Land geben die Menschen mehr Geld für Blumen aus als in der Schweiz.
Aber immer müssen es Blumen ohne Makel sein. In Amerika werden Lieferungen am Flughafen Atlanta kontrolliert. Ein Insekt reicht, um ganze Container abzulehnen. Und so werden die Blumen in den Herkunftsländern in Pestiziden ertränkt - besprüht, gespült und eingetaucht in eine ganze Batterie von letalen Chemikalien. So ist das am Valentinstag: Es gibt Blumen für Frauen - von Frauen unter Lebensgefahr angebaut.
Auch wenn seit Jahren immer öfter für einen fairen Handel plädiert wird und sich Organisationen für zertifizierte Blumen einsetzen, sind die Arbeitsbedingungen oft empörend. 80 Prozent der im Blumenhandel tätigen Menschen sind Frauen, oft alleinerziehend, meist ungelernt. Sie bekommen niedrigere Löhne als Männer, verlangen keine Sozialleistungen, kennen keinen Kündigungsschutz und keine gewerkschaftlichen Vertretungen. Meist sind sie froh, dass sie überhaupt arbeiten dürfen.
Um die 25 Dollar im Monat verdienen Arbeiterinnen auf den Blumenfarmen in China. Nirgendwo wird eine Rose billiger hergestellt. Sie schneiden sie in gigantischen Gewächshäusern, bringen sie in Lagerhallen, wo die Frauen mit tauben Händen Millionen Dornen abbrechen und Blätter abreißen. Rosen ohne Dornen wiegen weniger und können schneller verpackt werden, man verdient mehr und kann sie besser transportieren.
Nelken überstehen den Lufttransport gut, bringen aber nicht so viel ein. Tulpen sind leichter, müssen aber locker verpackt werden, das hebt die Transportkosten. Lilien sind empfindlich. Sonnenblumen reisen nicht gerne. Die Rose - Blume der Liebe, Blume des Schmerzes.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 14.2.2008/jüsc)
... daß die Arbeitsbedingungen so katastrophal sind. Und als zusätzliches Bonbon hätte ich dann zig Pestizide und letale Chemikalien in der Wohnung, die ich besonders tief einatmen würde, wenn ich an der geschenkten Rose schnuppern würde.
Och nö. Dann verbringe ich diesen Floristen-Sponsoring-Tag lieber blumenlos und warte auf den Frühling. Die Kroken sind ja schon da, und Schneeglöckchen habe ich auch schon gesehen.
hauptsache der Handel mach durch Valentinstag und Muttertag noch mehr Gewinn....
Das ist alles was zählt Geld. Komerz
Der eigentliche Hintergrund ist doch schon lange überholt.
Mehr zum Thema Pestizide und Bedingungen unter denen Blumen in den Herstellerländern gezogen und geerntet werden kann man hier lesen:
http://www.pan-germany.org/download/factsheet_blumen.pdf
Wer Blumen im Winter haben möchte, die ohne Pestizide und unsagbare Bedingungen gewonnen werden, kann sich hier informieren:
http://www.fairflowers.de/
http://www.bioblumen.de/
Es wäre sehr wahrscheinlich einfacher, eine Liste jener Waren aufzustellen, die hier oder in unmittelbarer Nachbarschaft hergestellt werden.
Und dann wäre mal die Frage zu stellen: Was bleibt, bei exakter und F A I R E R Betrachtung vom westlichen Wirtschaftssystem übrig?
Die ganze Wahrheit zu den Blumen wäre schlichtweg: Im Winter gibt es hierzulande keine!
viellicht sollte die redaktion der süddeutschen mal eine liste aller produkte, die hierzulande zu kaufen sind, an anderen orten der welt aber unter unmöglichen bedingungen wie im artikel beschrieben, anfertigen. dann stellt sie nach drei tagen fest, dass es fast keine artikel gibt, die nicht unter diese aspekte fallen. derweil kann die redaktion leckeren espresso aus südamerika genießen, den pc aus fernost nutzen und aus dem fenster starren, welches mit textilien und anderen gerätschaften gereinigt wurde, die sicher alle nicht in deutschland unter "korrekten" bedingungen hergestellt worden sind.
es ist bitter, aber der kunde wünscht sich bllige ware. solange dies so ist, wird sich wenig ändern.
was ich im artikel vermisst habe, ist eine weitergehende beschreibung der zertifizierten blumen.
dieser für den leser wichtige punkt wird hier nur am rande erwähnt. bedauerlich. denn wer diesen artikel liest, hat ein interesse, unter vernünftigen bedingungen hergestellte ware zu kaufen. warum sonst sollte er diesen artikel lesen?