Väter in Deutschland Die 37-Minuten-Papas

Deutsche Väter mit Vollzeitjobs kümmern sich täglich nur etwa eine Dreiviertelstunde um ihre Kinder. Und selbst wenn sie beruflich nicht voll eingespannt sind, investieren sie kaum mehr Zeit in die Kinderbetreuung.

Von K.-B. Becker

Und, wie war es in der Schule? Sind alle Hausaufgaben schon gemacht? So oder so ähnlich stellt man sich das Gespräch mit Sohn oder Tochter vor, nachdem der Vater abends von der Arbeit nach Hause gekommen ist. Es dauert statistisch etwas weniger als eine Dreiviertelstunde, genau 37 Minuten. So viel Zeit widmen berufstätige Väter in Deutschland im Durchschnitt der Kinderbetreuung, wie eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur unentgeltlichen Arbeit von Frauen und Männern ergab.

Die OECD untersuchte, welchen unbezahlten Beschäftigungen Männer und Frauen in 30 Ländern weltweit nachgehen und wie viel Zeit sie dafür verwenden. Demnach sind berufstätige Mütter in Deutschland pro Tag im Schnitt 66 Minuten für den Nachwuchs da - fast doppelt so lange wie berufstätige Väter.

66 Minuten "Mutterzeit"

"Das lässt sich vor allem mit der gesellschaftlichen Tradition erklären: In fast allen Kulturen sind es zunächst die Mütter, die sich um die Kinder kümmern", sagte Miranda Veerle, die Autorin der Studie, der SZ. Haben also beide Eltern einen Beruf, kümmern sie sich zusammen genommen 103 Minuten pro Tag um ihre Kinder.

Dieser niedrige Wert lässt sich damit erklären, dass in der Studie die Betreuung von Kindern bis 18 Jahre untersucht wurde - mit steigendem Alter nehmen die Betreuungszeiten stetig ab, so Veerle. Deutschland liegt beim Zeitaufwand für Kinderbetreuung durch berufstätige Eltern ungefähr beim OECD-Durchschnitt. An der Spitze stehen Irland, Australien und Kanada, Schlusslichter sind Südafrika, Japan und Korea.

Darüberhinaus fragte die OECD auch Eltern, die nicht vollzeit arbeiten, wie viel Zeit sie täglich zur Betreuung ihrer Kinder aufwenden. Dabei zeigt sich: Bei Vätern ist es fast egal, wie viel sie arbeiten - sie verbringen im Schnitt täglich etwa eine dreiviertel Stunde mit den Kindern.

Bei den Frauen ist das anders: Wenn sie nicht arbeiten oder einen Teilzeit-Job haben, sind sie mehr als drei Stunden pro Tag mit der Kinderbetreuung beschäftigt. Diese Mütter übertreffen den OECD-Durchschnitt deutlich.

Dies lässt sich abermals mit der Rollenverteilung in Deutschland erklären. Für Veerle kommen aber auch politisch bestimmte Rahmenbedingungen hinzu: Weil Frauen nach der Geburt eines Kindes eher bereit sind, auch halbtags zu arbeiten, fallen sie in der Studie in die Gruppe der nicht Berufstätigen.

Für das Bundesfamilienministerium zeigen die Zahlen, dass es nach wie vor einen "Nachholbedarf" bei der Abstimmung von Arbeits- und Betreuungszeiten gibt. Flexible Arbeitszeitmodelle könnten Abhilfe schaffen, sagte eine Sprecherin. Allerdings sei für Kinder nicht die Dauer der gemeinsamen Zeit entscheidend, sondern Verlässlichkeit und Qualität der Zeitgestaltung.

Ganz der Papa?

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