Väter bei der Geburt Ohnmacht schwer zu verarbeiten

In der Bonner Studie wurden auch die Faktoren untersucht, die einen Einfluss auf das positive oder negative Fazit der Männer hatten. Die beste Bewertung bekam die natürliche Geburt, aber je mehr medizinische Technik im Kreißsaal eingesetzt wurde, desto negativer erlebten die Männer das Geschehen. Wenn die Ärzte eine PDA setzten oder zum Kaiserschnitt rieten, erhöhte das die Ängstlichkeit der werdenden Väter, während es den Müttern eher weiterhalf, sowohl psychisch als auch physisch.

Papa raus

Zwar hatten 62 Prozent der Erstväter einen Geburtsvorbereitungskurs absolviert, dies hatte jedoch der Studie zufolge keinerlei Auswirkungen auf die Befindlichkeit im Kreißsaal. Männer erfahren meist schon in den Kursen, dass sie bei der Geburt ihres Kindes eigentlich hilflos danebenstehen, während die Partnerin Schmerzen erleidet, weint, schreit und sich am Ende fühlt. Bei der Geburt zeigt sich dann, dass es genauso ist, und dass man tatsächlich nichts tun kann, außer anwesend zu sein. Für manche Männer ist die Ohnmacht, nichts tun zu können, schwer zu verarbeiten.

Der französische Arzt Michel Odent, der durch seine Arbeiten zur sanften Geburt bekannt wurde, hat dafür plädiert, dass Frauen es auch wagen sollten, den Vater aus dem Kreißsaal zu schicken. Nach seiner Beobachtung sind nicht alle Männer eine wirkliche Stütze für ihre Frau. Die Geburt gehe "auffallend oft dann wieder richtig voran, wenn Väter sich gerade mal ein wenig im Garten die Beine vertreten oder sich am Kiosk was zu trinken holen", schreibt er. Dabei sein ist eben doch nicht immer alles.