Von Markus C. Schulte von Drach

Unser Gehirn bildet ständig neue Neuronen. Doch schwerer Stress gefährdet offenbar das Überleben dieser Nervenzellen. Darauf deuten Forschungsergebnisse an Ratten hin.

Stress ist ungesund, klar. Aber schon einzelne Ereignisse, die besonders mitnehmen, können offenbar Hirnzellen das Leben kosten.

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Stress schädigt offenbar neue Hirnzellen. (© Foto: iStock)

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Auf diese nachhaltige Wirkung stressiger Vorfälle auf das Gehirn deuten Forschungsergebnisse von US-Wissenschaftlerm an Ratten.

Wie die Experten der Rosalind Franklin University in North Chicago im Journal of Neuroscience berichten, führt bei jungen Nagern das aggressive Verhalten erwachsener Artgenossen dazu, dass neue Nervenzellen im Gehirn absterben.

Die Tiere waren für 20 Minuten in einen Käfig mit zwei älteren Ratten gesetzt worden, die die jungen "Eindringlinge" schnell attackierten und sogar bissen.

Bei den Jungtiere stellten die Forscher danach nicht nur einen um das Sechsfache erhöhten Stresshormonspiegel fest, sondern auch einen Verlust von Hirnzellen.

Betroffen war der Hippocampus, ein Hirnbereich, der mitverantwortlich ist für Gedächtnis- und Lernprozesse sowie die Verarbeitung von Gefühlen.

Eine Besonderheit des Hippocampus ist, dass es sich um eine von zwei Stellen im Gehirn von Ratten und auch Menschen handelt, in dem immer wieder neue Hirnzellen produziert werden.

Wie die Forscher um Daniel Peterson berichten, bremsten die Zusammenstöße mit erwachsenen Ratten zwar nicht die Produktion neuer Zellen. Vielmehr zeigte eine Untersuchung der Nager-Hirne, dass die Zahl der neu gebildeten Zellen nicht kleiner war, als bei einer Kontrollgruppe.

Doch ein großer Teil des frischen Zellnachwuchses wurde nicht älter als etwa einen Tag. Und eine Woche nach dem Test lebte nur noch ein Drittel der neuen Zellen.

Damit stehen den gestressten Jungtieren weniger Nervenzellen zur Verfügung, die zur Verarbeitung von Erinnerungen und Emotionen benötigt werden.

Die Wissenschaftler hoffen nun, einer Ursache von Depressionen bei Menschen auf der Spur zu sein.

Aber die Ergebnisse sind auch "ein starker Hinweis darauf, dass die Wirkung von sozialem Stress auf die Bildung neuer Zellen mit einer Verzögerung von 24 Stunden oder mehr auftritt", erklärte Henriette van Praag vom Salk Institute for Biological Studies. "Das könnte ein Zeitfenster für eine Behandlung nach akuten Stress-Vorfällen sein."

"Wir wollen nun versuchen, zu verstehen, wie Stress das Überleben (der neuen Zellen, d.R.) beeinträchtigt", so Peterson. "Dazu werden wir überprüfen, ob zum Beispiel Antidepressiva die empfindlichen neuen Neuronen am Leben erhalten können."

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(sueddeutsche.de)