Uran im Trinkwasser 150 Orte belastet

Deutsches Trinkwasser ist mit dem Schwermetall Uran belastet. Bund und Länder wollen Grenzwerte einführen. Verbraucherschützer schlagen Alarm.

Von M. Bauchmüller, M. Hammer und C. Schrader

Eine Studie, wonach Trinkwasser in 150 Orten in Deutschland erhebliche Mengen Uran enthält, hat Behörden aufgeschreckt. Ministerien in Bund und Ländern erwägen nun, einen Grenzwert zu erlassen.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch, welche die Daten veröffentlicht hat, warf den Behörden vor, ihre Fürsorgepflicht vernachlässigt zu haben.

Foodwatch hatte die Länderbehörden angeschrieben, und unter Verweis auf das Umweltinformationsgesetz Daten über Uran im Trinkwasser verlangt. Insgesamt 8177 Zahlenwerte aus fast allen Bundesländern kamen zusammen. Der höchste Wert stammt aus dem bayerischen Maroldsweisach (Landkreis Haßberge) mit 39 Mikrogramm pro Liter.

Im Norden und Westen Deutschlands gab es keine Überschreitungen. Insgesamt wiesen aber etwa 150 Proben einen Urananteil von mehr als zehn Mikrogramm pro Liter Wasser auf, vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt. Diese Schwelle hat das Umweltbundesamt (UBA) als Richtwert für den ungefährlichen, lebenslangen Konsum empfohlen.

Für Babys bedenklich

Für Mineralwasser, das zur Säuglingsnahrung zugelassen ist, gilt wegen der größeren Empfindlichkeit von Babys ein niedrigeres Limit von zwei Mikrogramm pro Liter. Dies wurde an 950 Orten überschritten.

Der vom UBA verbreitete Richtwert ist jedoch nicht verbindlich, was nun politischen Streit auslöst. Das Bundesgesundheitsministerium, zuständig für Grenzwerte beim Trinkwasser, kritisierte die Kommunen. "Die haben eigentlich das Rüstzeug, für eine Einhaltung der Richtwerte zu sorgen", sagte eine Sprecherin. Schließlich verbiete die Verordnung gesundheitliche Gefährdungen durch Trinkwasser. Es könnte durch Filter oder das Vermischen mit unbelastetem Wasser gereinigt werden.

Ob tatsächlich Gesundheitsschäden durch die Überschreitung des Richtwerts drohen, ist umstritten. Uran kommt überall in der Umwelt vor; der größte Teil im Trinkwasser wurde aus Gestein ausgewaschen.

Im Körper kann Uran vor allem Nieren schädigen, weil die chemische Wirkung des Schwermetalls gefährlicher ist als die relativ geringe radioaktive Strahlung. Bewohner der betroffenen Gemeinden sind aber wohl nicht akut gefährdet. Der Richtwert ergebe sich aus Tierexperimenten, erklärt Regine Kahl von der Universität Düsseldorf, die eine Stellungnahme der Gesellschaft für Toxikologie mitformuliert hat.

Die geringste Dosis, bei der Tiere Schäden zeigen, werde auf Menschen umgerechnet und durch 100 geteilt, um einen Grenzwert zu ermitteln. "Wir machen das, damit wir ganz auf der sicheren Seite sind", sagt Kahl. Finnen und Kanadier, deren Trinkwasser erheblich über dem Richtwert von zehn Mikrogramm pro Liter lag, zeigten keine Häufung von Nierenkrankheiten.

Foodwatch warnt dennoch. "Wir raten in den betroffenen Regionen davon ab, Babynahrung mit Leitungswasser zuzubereiten", sagt Sprecher Andreas Eickelkamp. Bei Werten über zehn Mikrogramm pro Liter sollten auch Erwachsene das Wasser nicht mehr trinken. Hier verletzten die Länder "das gesundheitliche Vorsorgeprinzip".

Seine Organisation fordert einen verbindlichen Grenzwert von zehn Mikrogramm Uran pro Liter. Ab diesem wären Wasserwerke zur Reinigung des Wasser verpflichtet. Dieser Forderung schließen sich nun auch die Ministerien in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt an. Auch die Grünen-Bundestagsfraktion nennt die erhöhten Grenzwerte besorgniserregend. Nötig sei ein Grenzwert, "der die Empfehlungen der Umweltexperten und den Vorsorgeaspekt berücksichtigt".