Das Unwort des Jahres steht fest. Während offiziell "Freiwillige Ausreise" gekürt wurde, ärgert die Leser von sueddeutsche.de ein anderer Begriff.

Offizielles Unwort des Jahres 2006

wahl unwort 2006 sueddeutsche.de

Unwörter, die vom Herzen kommen. (© Foto: istockphoto)

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Das offizielle Unwort des Jahres ist "Freiwillige Ausreise". Das gab die zuständige Experten-Jury der Universität in Frankfurt am Main in Köthen in Sachsen-Anhalt bekannt. Zur Begründung der Entscheidung erklärte die Jury, dass die Freiwilligkeit einer solchen Ausreise von Asylbewerbern aus der Bundesrepublik in vielen Fällen bezweifelt werden könne. Damit stehe das Wort in einem schiefen Verhältnis zur Realität, sagte Jury-Vorsitzender Horst Dieter Schlosser.

Er teilte weiter mit, dass die Jury in diesem Jahr zwei weitere Unwörter gerügt habe. Platz zwei vergab die Jury an den Begriff "Konsumopfer". Damit habe der Modemacher Wolfgang Joop extrem schlanke, letztlich magere Models beschrieben, die zu Lasten ihrer Gesundheit für das Schönheitsideal der Konsumgesellschaft hungern müssten.

Das Wort "Neiddebatte" landete auf dem dritten Platz. Der ehemalige Bundesbankchef Ernst Welteke habe damit im Vorjahr die ernsthafte Diskussion um die Angemessenheit von Millionenbezügen bestimmter Spitzenmanager auf die Stufe eines klein karierten Neides herabgewürdigt.

Mit "Freiwillige Ausreise" kritisierte die Unwort-Jury zum wiederholten Mal einen Begriff, der sich mit dem Leben von Ausländern in der Bundesrepublik beschäftigt. "Ausländerfrei" hieß das erste Unwort, das 1991 gekürt wurde. Mit "Überfremdung" kritisierten die Experten 1993 das Scheinargument gegen den Zuzug von Ausländern. Und mit "national befreite Zone" wurde 2000 die zynische heroisierende Umschreibung einer Region gerügt, die von Rechtsextremisten terrorisiert wird.

Insgesamt waren nach Angaben Schlossers 2.247 Zuschriften und 1.130 Vorschläge eingegangen, so viele wie nie. Darunter befanden sich auch Begriffe wie "Unterschicht", "Prekariat", "Problembär Bruno", "Prozessökonomie", "Kleinvoliere" oder "Kindgerechte Abschiebung".

Das Unwort des Jahres wird seit 1991 gekürt. Unwörter des Jahres waren bisher unter anderem "Gotteskrieger", "Humankapital", "Ich-AG" oder "sozialverträgliches Frühableben". Im vergangenen Jahr hatte der Begriff "Entlassungsproduktivität" das Rennen gemacht.

Top Ten der Leser-Unwörter 2006

Während die offizielle Gelehrten-Jury die "freiwillige Ausreise" als Unwort des Jahres begriff, wählten die Leser von sueddeutsche.de anders: Für sie war das Wort "Gesundheitsreform" Spitze des Unmöglichen, gefolgt von "Prekariat". Auch "Herumstoibern" war einer der Vorschläge für das Unwort auf sueddeutsche.de. Eigentlich hat diese originelle Neuschöpfung den Titel Unwort gar nicht verdient - sie ist doch viel zu lustig. So verhielt es sich mit vielen Ideen: Der "Stoibär Bruno" trieb in der Abstimmung sein Unwesen, es wurde gegruschelt (grüßen und kuscheln) und geriestert. Natürlich wurden vor allem Worte vorgeschlagen, die 2006 durch Politik und Medien geisterten.

1  Gesundheitsreform

2  Prekariat

3  Killerspiele

4  Problembär

5  Stoiber

6  Migrationshintergrund

7  Gammelfleisch

8  Reform

9  Unwort

10 Unterschicht

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(sueddeutsche.de)