Obwohl Dichloracetat (DCA) als Medikament bislang nicht zugelassen ist, hatten es viele Menschen aus Verzweiflung gekauft. Nun wurde der Internethandel verboten.

Jim Tassano hat es geahnt. "Ich bin enttäuscht, aber nicht überrascht", sagt der PR-Manager aus Sonora in Kalifornien.

DCA darf nicht mehr über das Internet vertrieben werden. (© Foto: screenshot)

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Kürzlich bekam er Besuch von Mitarbeitern der Food and Drug Administration (FDA). Die US-Zulassungsbehörde für Arzneimittel untersagte Tassano, seine Website www.buydca.com weiter zu betreiben.

Über diese Internetadresse konnten Kranke bis vor kurzem das Mittel Dichloracetat (DCA) beziehen. Tassano hat die Substanz nach eigenen Angaben an mehr als 2000 Interessierte verkauft.

Im Tierversuch hatte das einfach herzustellende Mittel Tumore schrumpfen lassen: Im Labor hat DCA Lungenkrebs zum Stillstand gebracht; entartete Zellen wurden gezielt getötet. Da jedoch nicht sicher ist, ob das Medikament Menschen mit Krebs hilft, wurde es bisher von keiner Arzneimittelbehörde der Welt zugelassen (SZ, 30.3.).

Tassano hatte sich die Inhaltsstoffe von DCA bei einer Firma für Chemikalienbedarf bestellt und das Mittel herstellen lassen. Er wollte Kranke von seinen wissenschaftlich nicht abgesicherten Experimenten profitieren lassen. Etliche Krebspatienten wandten sich aus Verzweiflung in letzter Hoffnung an Tassano.

Der kanadische Forscher Evangelos Michelakis, der einen Teil der tierexperimentellen Studien initiiert hatte, war erbost über Tassanos Engagement. "Unsere Anstrengungen werden zunichte gemacht. Das geht in die falsche Richtung", beklagte der Forscher.

Patienten reagieren wütend auf das FDA-Verbot. "Natürlich mussten sie es untersagen", schreibt "Sandra" auf der Homepage www.thedcasite.com, auf der Tassano über DCA berichtet. "Wir haben schließlich gezeigt, dass es ein wirksames Medikament gegen Krebs ist und diese Konkurrenz zur Pharmaindustrie will natürlich niemand." Andere danken Tassano dafür, dass er ihnen das Mittel zugänglich gemacht und damit "wahre Menschlichkeit bewiesen" habe.

Ärzte reagieren hingegen erleichtert auf das Verbot. "Die FDA handelt richtig", sagt Krebsexperte Chi Van Dang von der Johns Hopkins Universität in Baltimore. "Krebskranke müssen vor solchen Angeboten geschützt werden." Erste klinische Studien an Patienten werden demnächst beginnen.

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(SZ vom 31.7.2007)