Von Alexandros Stefanidis

69 Jahre waren Adam Schade und seine Frau Elisabeth verheiratet. Dann starb sie, für ihn begann die schlimmste Zeit seines Lebens: das Trauerjahr. Eine Reportage aus dem SZ-Magazin.

Seitdem seine Frau tot ist, braucht Adam Schade einen Stock. Sein Gleichgewichtssinn ist gestört, beim Gehen verliert er die Balance. Ins Eiscafé "Cortina" kommt er eine Stunde zu spät, er war noch auf dem Friedhof und hatte darüber die Zeit vergessen. Wie so oft. Er trägt eine helle Hose, aus der auf einer Seite ein hellblaues Hemd hängt. Die blauen Augen des 88-Jährigen lassen erahnen, warum sich Elisabeth als 16-Jährige in ihn verliebt hat. Schade kommt seit dreißig Jahren in dieses Eiscafé. Heute das erste Mal ohne sie. Lucia Diomo, die Inhaberin des Cafés, begrüßt ihn mit einer herzlichen Umarmung. Schade macht einen kleinen Scherz, doch sein grollendes Lachen von früher, wird Lucia später sagen, ist ruhiger geworden, es ist zu einem Kichern verklungen.

Beinahe sein ganzes Leben teilte Adam Schade das Bett mit seiner Frau Elisabeth. Seitdem sie tot ist, liegt er nachts oft wach und seine rechte Hand greift ins Leere. (© Foto:Konrad R. Müller)

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18. April

Die Zeitungsseite mit der Todesanzeige liegt aufgeschlagen auf dem Wohnzimmertisch. Mit gekrümmtem Rücken sitzt Schade auf dem Sofa und liest ­ als gäbe es an der Meldung doch Zweifel. Zittrig steht er auf, schleicht für ein paar Augenblicke ins Schlafzimmer, dann in die Küche, schließlich ins Bad. Aber die Suche ist vergebens. Auf dem Weg zurück flüstert er: "69 Jahre haben wir fast jeden Tag zusammen verbracht. Jetzt bleibt mir nur die Leere."

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