SZ-Korrespondent Nikolaus Piper berichtet aus New York. Heute: Warum es Wal-Mart in New York nicht gibt.

Montag, 2. April 2007

Wal-Mart gibt es im Grünen, aber nicht in NEw York. (© Foto:)

Anzeige

Viele Freunde und Leser dieser Kolumne haben mich gewarnt. Ich solle New York nicht mit den Vereinigten Staaten verwechseln, das richtige Amerika beginne erst hinter den Appalachen. Natürlich haben die Warner recht: Die Metropole ist ganz anders als der Rest des Landes, und das merkt man schon allein daran, dass es in New York keinen Wal-Mart gibt.

Die Supermarkt-Kette gilt als Symbol eines besonders rauen Kapitalismus: Die Preise sind zwar um zehn bis 30 Prozent niedriger als bei der Konkurrenz, aber entsprechend auch die Löhne. Der Umgang mit den Mitarbeitern gilt als ruppig. In Deutschland ist Wal-Mart inzwischen gescheitert, zuvor hatte das Management vor allem dadurch Aufsehen erregt, dass es den Mitarbeitern das Flirten untereinander verbieten wollte.

In Amerika gibt es über 4000 Wal-Mart-Läden, und man braucht von New York aus nur über die Grenze nach Long Island, Connecticut oder New Jersey zu fahren, um am Rande der Vorstädte jene charakteristischen Einheits-Supermärkte mit dem Ziergiebel und dem preußisch-blauen Stern zu finden. Nur in der Stadt selber sucht man sie vergebens. Wann immer Wal-Mart bisher versuchte, hier Fuß zu fassen, funktionierte die Abwehrfront von Gewerkschaftern und Lokalpolitikern, die sich um das Lohnniveau im New Yorker Einzelhandel sorgten.

Es war daher ein ganz besonderes Ereignis, als vergangene Woche der Chef von Wal-Mart, Lee Scott, die Redaktion der "New York Times" besuchte. Das Ganze bekam dadurch zusätzliche Würze, dass vor kurzem ein Wal-Mart-Mitarbeiter die Telefongespräche eines Times-Reporters mit der Pressestelle des Konzerns abgehört hatte.

Und, was soll man sagen, der Besuch endete damit, dass beide Seiten, die New Yorker und der Konzernchef, sich ihrer gegenseitigen Abneigung versicherten. "Mir ist es völlig egal, ob wir jemals nach New York kommen," sagte Scott. Die Stadt sei teuer und lohne die ganze Anstrengung nicht. "Uns ist es ebenfalls egal, ob die zu uns kommen," keilte ein Vertreter der New Yorker Gewerkschaften zurück. "Wir haben tolle Supermärkte, wir brauchen Wal-Mart nicht."

Die Sprecherin des Konzerns, Mona Williams, bemühte sich hinterher um Schadensbegrenzung: Herr Scott habe das alles nicht so gemeint, sagte sie. Und wenn doch, dann habe sich die Aussage nur auf Manhattan bezogen, nicht jedoch auf Brooklyn und Queens.

Unter Kommunikationsexperten nennt man so etwas einen PR-Gau.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Wüste bebt

Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de)