Aber haben Dreijährige ein modisches Stilempfinden? "Es ist normal, wenn sich Mädchen die hochhackigen Schuhe der Mutter anziehen oder sich schminken - so lange es ein Spiel bleibt", sagt Bandelow. Und natürlich hätten Kinder Lieblingsteile, bevorzugte Farben, Motive. Ob ein Pullover aber von einem teuren Designer stamme oder nicht, spiele für sie noch keine Rolle. Miss Suri ist es wohl wumpe, ob sie Miss Blumarine trägt oder nicht.

Tom Cruise, Katie Holmes, Suri Cruise, ddp

Anziehpuppe: Suri Cruise auf dem Arm von Mama Katie Holmes. Papa tom Cruise freut's. (© Foto: ddp)

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Es geht nicht um das Kind, sondern ums Ego der Eltern

Vielen Müttern ist es das nicht. Trägt Suri GAP oder ein rotes Rüschenkleid von Ralph Lauren, ist das Stück in den USA binnen weniger Tage ausverkauft. Über Madonnas Tochter Lourdes sagt Donatella Versace: "Alles, was sie trägt, verkauft sich blendend." Als Brooklyn Beckham auf dem Flughafen London Heathrow mit Adidas M Attitudes abgelichtet wurde, sorgte das für Hysterie in Sportshops.

Borwin Bandelow sagt: "Wer die Sachen für seine Kinder kauft, denkt, er kriegt ein wenig von dem Ruhm ab, bildet sich ein, Teil einer exklusiven Gemeinschaft zu sein." Es gehe nicht um das Kind, sondern um das eigene Ego. In einer Studie von IconKids&Youth, dem bundesweit größten Marktforschungsinstitut für Jugendliche und Kinder, gaben 72 Prozent aller befragten Mütter zu, gern mit den Sprösslingen anzugeben, mit Schulnoten, aber auch mit der Kleidung.

In Deutschland bricht keine Boutique zusammen, nur weil irgendein Maddox oder Cruz, eine Suri, Zahara oder Peaches einen langen oder kurzen Rock, Babypumps oder Glitzershirts trägt. So starke Effekte gebe es nicht, ist bei La Luna in Köln zu erfahren, einem Ausstatter für gehobene Kindermode. Wohl aber, dass Mütter einen Reiz daran finden, kleine Versionen ihrer selbst auszustatten. Und sich mit entsprechenden Accessoires zu schmücken.

Als der erste Bugaboo-Kinderwagen durch "Sex and the City" rollte, gab es auch bei La Luna kein Halten mehr. Deutsche Promikinder sind kein Faktor, vielleicht auch, weil es hier Superstars amerikanischen Zuschnitts nicht gibt. Mütter halten sich an etablierte Designer, der Nachwuchs eher an das Typenimage der Ochsenknecht-Jungs, den androgynen Auftritt von Tokio Hotel.

Süße Puppen im Kaschmirpulli

Für Designer ist das Geschäft mit den Minimoden lukrativ - und unaufwändig. Sie machen sich die Generation Mini-Me zunutze, produzieren modische Abziehbilder ihrer Mütter. Die meisten präsentieren auf Messen wie der größten Kindermodenschau Pitti Bambino in Florenz Schrumpfversionen ihrer aktuellen Kollektionen. Laura Biagiotti nennt ihre Linie folgerichtig "Dolls". Kaum ein Designer, der sich das Geschäft mit den Anziehpuppen entgehen lässt, das auch bei den Kleinen exklusiv bleiben soll, um so spätere Käufer zu ködern. "Wir wollen den Massenmarkt nicht erreichen", sagte der Designer Marc Jacobs, als er seine erste Kinderkollektion vorführte, mit Kaschmirpullis für 300 Euro. "Wenn sich Kinder in Dior wohl fühlen, werden sie uns treu bleiben", heißt es bei Baby Dior.

Was passiert eigentlich, wenn sich ein Kind auf eine Kaschmir-Kostbarkeit von Little Marc erbricht, den Spitzenrock von Miss Blumarine einnässt oder kopfüber mit einer D&G-Pelzmütze in den Matsch fällt? Das ist so nicht vorgesehen, einige der Designteilchen kann man nicht einmal waschen. "Kinder bekommen so eine völlig falsche Botschaft: Spiel nicht im Matsch, dein Kleid könnte schmutzig werden", analysiert Pamela Paul, die Autorin des amerikanischen Bestsellers "Parenting Inc.", der die Mini-Me-Eltern anprangert.

Nicht die eigene Umgebung zu erkunden sei also wichtig, sondern etwas Schönes zu tragen. Eltern ermutigten ihre Töchter, sich selbst als junge Frau zu sehen. "Wir beobachten eine InStylisierung der Elternschaft", sagt Pamela Paul. Waren die Klatschblätter früher mit den Hochzeiten von Promis beschäftigt, stehen heute die Kinder im Mittelpunkt des Interesses. Die haben ja auch eine längere Verwertungszeit vor sich, auf dem Boulevard der Puppen.

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(SZ vom 24.10.2009/aro/bre)