Von Marc Widmann

Immer mehr Hersteller informieren über den Nährwert ihrer Produkte - was fehlt, ist ein einheitliches Konzept.

Ein gewöhnlicher Supermarkt in der Hauptstadt am Freitagmorgen: Postbote Peter kauft Würstchen, Jurastudent Vasileios ersteht Müsli und Quark, die arbeitslose Diplom-Ökonomin Silvia hat Schokolade in ihren Einkaufswagen gestapelt. Drei normale Kunden, die nur eines eint: Ihre Verwunderung, sobald man sie anspricht auf die neuen Symbole auf einigen Lebensmitteln.

Ampel; dpa

Rotes Licht: zum Beispiel für Schokolade (© Foto: dpa)

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"Da schau' ich nie drauf", sagt Postmann Peter, schließlich laufe er 15 Kilometer am Tag, Kalorien seien ihm egal. Student Vasileios blickt interessiert auf die fünf grauen Felder auf der Rückseite einer 1,5-Liter-Coca-Cola-Flasche. Jedes Glas von 250 ml enthalte 27 Gramm Zucker, steht dort zum Beispiel, und darunter eine Zahl: 29 Prozent. Die Ziffern sind Vasileios noch nie aufgefallen. "Das heißt, dass von einem Glas fast ein Drittel Zucker ist", rät er - und liegt falsch, genauso wie praktisch alle zufällig befragten Käufer an diesem Morgen.

Zuckerbomben und Fettmacher

Die Zahl bedeutet, dass ein Glas Cola bereits 29 Prozent der Zuckermenge enthält, die ein Erwachsener höchstens am Tag zu sich nehmen sollte. So steht es in kleiner Schrift darunter. Obwohl fast kein Kunde die Felder zu Kalorien, Zucker, Fett, gesättigten Fettsäuren und Natrium auf den ersten Blick richtig deuten kann, tauchen sie derzeit immer öfter in deutschen Supermärkten auf.

Dr. Oetker, Nestlé oder Unilever drucken sie freiwillig auf ihre Verpackungen. Die Konzerne hoffen, damit ihren größten Albtraum verhindern zu können: Eine klare Kennzeichnung von Zuckerbomben und Fettmachern mit farbigen Symbolen, wie etwa beim Ampelsystem in Großbritannien.

Das britische Modell, entwickelt von der unabhängigen Food Standards Agency, ist leicht durchschaubar: Enthält ein Produkt viel Zucker, leuchtet das Zucker-Symbol auf der Vorderseite der Verpackung rot. Weitere Symbole gibt es für Kalorien, Salz, Fett und gesättigte Fettsäuren.

Zahlreiche große Hersteller und Supermarktketten haben die Ampel mit den fünf Lichtern schon freiwillig eingeführt, darunter die Ladenkette Sainsbury's. Eine Sprecherin berichtet von den Erfahrungen: "Die Kunden haben reagiert", sagt sie, "bei Produkten mit vielen roten Symbolen haben wir einen Umsatzrückgang bemerkt."

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