Bisweilen ist der Fortschritt der Wissenschaft einfach frustrierend langsam - etwa so wie der Endspurt in einem Schneckenrennen. Das gilt besonders für die Beobachter, die von den Forschern das Urteil über eine vermutete Gesundheitsgefahr erwarten; zum Beispiel über die Frage, ob das Telefonieren mit Handys einen Gehirntumor auslösen oder begünstigen kann.
Lange Zeit hatten sich die meisten führenden Wissenschaftler und Behörden wie das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz auf folgende Sprachregelung verlegt: Es gibt Hinweise, aber keine Beweise, dass der Mobilfunk der Gesundheit schadet. Es wäre deswegen klüger, die Geräte mit Bedacht zu benutzen und bei Kinder besonders zurückhaltend zu sein.
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Doch in letzter Zeit sind in nordeuropäischen Ländern einige Studien erschienen, bei denen sich die Hinweise wenn nicht zum Beweis, so doch zum Verdacht verdichten. Sie zeigen eine Zunahme der Hirntumore bei Menschen, die seit mindestens zehn Jahren Handys benutzen oder viel damit telefoniert haben. Und dann vor allem auf der Seite des Kopfes, an den die Patienten das Mobiltelefon ihrer Erinnerung nach meist gehalten haben.
In der jüngsten Untersuchung, die vor wenigen Tagen erschienen ist, hat Anna Lahkola von der finnischen Strahlenschutzkommission mit Kollegen aus Schweden, Dänemark, Norwegen und Groß-Britannien gut 1500 Patienten mit einem Gliom befragt, einem bösartigen Tumor des Stützgewebes im Hirn (International Journal of Cancer online).
Wenn sie länger als zehn Jahre ein Handy benutzt hatten, war ihr Risiko eines Glioms auf der Seite, wo sie das Gerät normalerweise an den Kopf hielten, um 39 Prozent erhöht. Der Schwede Lennart Hardell vom Universitätshospital Örebro hatte bei Menschen, die eines der aktuellen digitalen Handys insgesamt mehr als 2000 Stunden benutzt haben, sogar eine Zunahme des Risikos auf das 3,7-fache ermittelt (International Archives of Occupational and Environmental Health, Bd.79, S.630, 2006).
Schnurlostelefone erhöhen Gefahr
Auch analoge Handys und Schnurlostelefone nach dem DECT-Standard erhöhen seinen Zahlen zufolge die Gefahr. Auch britische (British Medical Journal, Bd.332, S.883, 2006) und deutsche (American Journal of Epidemiology, Bd. 163, S.512, 2006) sowie schwedische Zahlen für einen anderen Tumor (Epidemiology, Bd.15, S.653, 2004) deuten in diese Richtung.
Epidemiologen wie Eberhard Greiser, ehemals Leiter des Bremer Instituts für Präventionsforschung und Sozialmedizin, findet zumindest den Mechanismus plausibel: ,,Biologisch macht es Sinn, dass die Effekte erst nach zehn Jahren Gebrauch zu erkennen sind. Tumore brauchen lange, bis sie sich entwickeln.'' Dem stimmt Otto Petrowicz zu, der an der TU-München Forschung zum Thema Handy und Gesundheit koordiniert: ,,Auch beim Asbest, bei der radioaktiven Strahlung und beim Tabak hat die Forschung so lang gebraucht, um das Risiko genau zu fassen.
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