Studie zur Lebenszufriedenheit Wo die Deutschen am glücklichsten sind

An der Nordseeküste, am plattdeutschen Strand: Dort leben die glücklichsten Deutschen, dicht gefolgt von den Bayern. Dieses Bild zeichnet der Glücksatlas der Deutschen Post. Die Kluft zwischen Ost und West ist demnach erstaunlich gering. Und das ist nicht die einzige Überraschung.

Das Glück der Erde liegt - auf dem Rücken der Pferde? In Voerde? In Eckernförde? Schon eher. Die Bewohner des Ostseebades gehören zu den glücklichsten Deutschen. Im Auftrag der Deutschen Post wurde die Lebenszufriedenheit in der Bundesrepublik kartographiert. Das Ergebnis: Besonders zufrieden sind die Menschen im Nordwesten. Überraschenderweise ist das Glücksniveau, ein errechneter Indikator auf einer Skala von 1 bis 10, bei einem Wert von 7,0 seit dem vergangenen Jahr stabil geblieben - Schuldenkrise und unklarer Wirtschaftsperspektive zum Trotz.

Von der Nordsee bis nach Südbayern: Die Lebenszufriedenheit in Deutschland nach Regionen. Klicken Sie für einen kompletten Überblick in das Bild.

(Foto: Deutsche Post Glücksatlas)

Am glücklichsten sind der Umfrage zufolge die Menschen in Hamburg, auf Platz 2 landet die Region Niedersachsen-Nordsee; danach rangieren der Süd- und der Nordteil Bayerns. Schlusslichter sind Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Auch wenn diese Platzierungen auf eine Ost-West-Kluft hin zu deuten scheinen: Der Unterschied in der Lebenszufriedenheit in den östlichen und westlichen Bundesländern ist mit einem Wert von 0,2 so gering wie noch nie seit der Wiedervereinigung. 1991 lag die Kluft noch bei 1,3 Punkten.

Was Glück im Leben ausmacht, darüber streiten sich seit Jahrtausenden Philosophen, Theologen und - in letzter Zeit - Konsumforscher. In den Glücksatlas der Deutschen Post, der nach 2011 nun zum zweiten Mal vorgelegt wird, fließen einerseits Daten des sozio-oekonomischen Panels SOEP und des Instituts Allensbach sowie andererseits neu erhobene Daten von tns Emnid ein. Für die Kartierung sind Faktoren aus den Bereichen "Wohnsituation", "Arbeit", "Einkommen" und "Gesundheit" entscheidend.

In die Untersuchung wurden aber auch private Schicksale mit aufgenommen. So verbessert beispielsweise eine Heirat das individuelle Glücksempfinden um 0,4 Punkte auf der zehnteiligen Skala, der Tod des Partners verringert es um 0,6 Punkte. Wer seinen Job verliert, ist um 0,45 Punkte unglücklicher, wer Sport treibt oder in den eigenen vier Wänden wohnt, um 0,1 Punkt zufriedener. Einflussreichster Faktor hierbei ist jedoch die Gesundheit: Wer besonders fit ist, schätzt sich um 0,7 Punkte glücklicher, wer sehr krank ist, um 1,4 Punkte unglücklicher ein.

Deutsche vertrauen ihren Mitmenschen

Ein Hauptaugenmerk legten die Autoren der Studie um den Freiburger Wirtschaftswissenschaftler Bernd Raffelhüschen und Klaus-Peter Schöppner vom Umfrageinstitut Emnid in diesem Jahr auf das Vertrauen - in Mitmenschen und Institutionen. Das Ergebnis: Fast zwei Drittel der Deutschen gaben an, anderen "eher" oder "voll" zu vertrauen. Auch das Vertrauen in Staat und Demokratie nahm auf niedrigem Niveau zu.

Nicht nur 19 Regionen in ganz Deutschland, auch 13 Großstädte werden im Glücksatlas auf ihre Lebensqualität hin untersucht. Am glücklichsten sind nach den Bürgern der Hansestadt Hamburg die Düsseldorfer und Dresdner, am unglücklichsten die Berliner, Kölner und Essener. Besonders zufrieden sind die Deutschen demnach im Allgemeinen mit dem kulturellen Angebot, der Verkehrsinfrastruktur und der wirtschaftlichen Attraktivität der Städte. Deutlichen Verbesserungsbedarf gibt es jedoch bei der Qualität der öffentlichen Verwaltung, bei Angeboten für Familien und Senioren.

Alle Ergebnisse des Deutsche Post Glücksatlas im Detail.