Von Guido Bohsem

In den Krankenhäusern fühlen sich Mütter und Väter nicht ausreichend einbezogen. In einer Umfrage beklagte sich knapp die Hälfte der befragten Elternpaare darüber, keinerlei Einfluss auf die Behandlung ihres Kindes gehabt zu haben.

Viele Eltern fühlen sich von Krankenhausärzten und Pflegepersonal nur schlecht über den Gesundheitszustand ihrer Kinder informiert. Noch mehr klagen darüber, bei der Entscheidung über Behandlungen übergangen zu werden. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Hannoveraner ISEG-Instituts im Auftrag der Gmünder Ersatzkasse (GEK).

Viele Elternpaare fühlen sich im Krankenhaus schlecht informiert. (© Foto: dpa)

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Von den rund 2500 befragten Müttern und Vätern sei nur ein Drittel uneingeschränkt mit den Auskünften zufrieden gewesen, die sie im Krankenhaus erhalten hätten, sagte ISEG-Leiter Friedrich-Wilhelm Schwartz. Je nach Krankheit hätten rund 49 Prozent der Eltern darüber geklagt, dass sie keinerlei Einfluss darauf gehabt hätten, wie ihr Kind behandelt werde. Trotz aller Kritik seien nahezu alle Befragten mit dem Ergebnis der Behandlungen zufrieden gewesen.

Eine Form von Fehlversorgung

Die mangelhafte Kommunikation ist nach Schwartz' Ansicht keine Lappalie. Er verwies darauf, dass es laut Kinderrechts-Charta der Vereinten Nationen zu Grundrechten von Eltern und Kindern gehöre, im Krankenhaus informiert und einbezogen zu werden. Demnach soll der Arzt nicht nur den Befund erläutern, sondern auch über die Behandlung sowie deren Risiken aufklären. "Es gibt sogar die Auffassung, dass schlechte Information eine Form von Fehlversorgung ist", sagte der Wissenschaftler.

Seiner Meinung nach konzentrierten sich zu viele Ärzte auf den medizinisch-technischen Ablauf. Zudem stünden die meisten von ihnen unter einem enormen Arbeitsdruck. "Aus den Kliniken ist sehr oft der Satz zu hören: 'Wir haben einfach nicht die Zeit'."

Nach Angaben des Instituts müssen 8,1 Prozent der Kinder im Alter zwischen ein und 14 Jahren mindestens einmal im Jahr ins Krankenhaus. Die häufigsten Ursachen dafür seien aber keine chronischen Erkrankungen. Ein Aufenthalt in der Klinik werde zumeist nach Verletzungen notwendig, die sich die Kinder etwa bei einem Unfall zugezogen hätten. Einen großen Anteil der Fälle machten zudem Magen-Darm-Infektionen und Mandeloperationen aus.

Zahl der Magen-Darm-Infektionen hat sich versechsfacht

Hier hat sich nach Worten der ISEG-Wissenschaftlerin Eva Maria Bitzer in den vergangenen Jahren ein Trendwechsel vollzogen. Während die Zahl der Mandeloperationen in den vergangenen 18 Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen sei, habe sich die Zahl der im Krankenhaus behandelten Magen-Darm-Infektionen versechsfacht. Bei Kindern zwischen ein und zwei Jahren habe diese Diagnose einen Anteil von über 70 Prozent.

Jedoch habe sich die hygienische Situation in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren nicht verschlechtert. Deshalb könne man die Entwicklung als Hinweis auf eine deutliche Über- oder Fehlversorgung interpretieren. "Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern erfordern in den allerwenigsten Fällen eine stationäre Krankenhausbehandlung."

Dieser Einschätzung widersprach die Magen- und Darmspezialistin am Kinderspital der Uni-Klinik in München, Sibylle Koletzko. Die Eltern kämen verstärkt in die Krankenhäuser, weil die Praxen der niedergelassenen Ärzte nicht für eine Versorgung der erkrankten Kinder ausgerichtet seien. Ein Anstieg der Fallzahlen könne auch damit erklärt werden, dass in den vergangenen Jahren mit dem Norovirus ein neuer Krankheitserreger aufgetreten sei.

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(SZ vom 15.07.2008/dmo)