Von Stephan Bernhard

Im US-Bundesstaat West Virginia treten moderne Titanen gegeneinander an. Die Finalisten müssen ein Flugzeug über eine Landebahn ziehen. Deutschlands Vertreter ist Florian Trimpel.

Eine Bratpfanne zusammenzurollen ist für Florian Trimpl eine seiner leichtesten Übungen. Der fast zwei Meter große Hüne kommt nicht einmal ins Schwitzen, wenn er Küchengeräte in Metallspiralen verwandelt.

Brummifahrer können im Notfall Florian Trimpel rufen: Er zieht liegengebliebene Fahrzeuge gern beiseite. (© Foto: www.world-strongmancup.at)

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Vor allem jetzt im September braucht er für solche Kunststücke nur einen Bruchteil seiner Kraft.

Denn von Samstag an kämpft er in Charleston, der Hauptstadt von West Virginia, bei der Strongman-Weltmeisterschaft um den Titel des "stärksten Mannes der Welt". Für Trimpl das sportliche Highlight des Jahres, auf das er sich seit Monaten vorbereitet. Er hat seinen Körper in ein feingestimmtes Instrument verwandelt, das zu erstaunlichen Leistungen fähig ist.

Allerdings wird in der kommenden Woche auch Unglaubliches von dem 29-Jährigen erwartet: Einen tonnenschweren Lkw durch bloße Muskelkraft in Bewegung setzen, 20 Kilo schwere Bierfässer über ein fünf Meter hohes Hindernis werfen und Steinkugeln mit einem Gewicht von bis zu 180 Kilogramm vom Boden auf ein kopfhohes Podest wuchten.

Nichts leichter als das?

Dabei zählt jede Sekunde, denn um zu siegen muss Trimpl die Aufgaben schneller erledigen als seine Gegner. Oft sieht es spielerisch leicht aus, wenn die Athleten mit zwei 150 Kilo schweren Betonkoffern in den Händen um die Wette laufen oder ein Auto anheben. So leicht, dass die Zuschauer erst nach einem Wettkampf erkennen, welche Höchstleistungen sich gerade vor ihren Augen abgespielt haben. Dann kommen nämlich Gabelstapler zum Einsatz, um die "Sportgeräte" wegzuräumen.

Natürlich kann niemand von heute auf morgen solche Kräfte wie Trimpl entwickeln. "Wenn man sich das Ziel setzt, einen Lkw zu ziehen, dann dauert es mindestens vier Jahre, bis der wirklich ins Rollen kommt", schätzt der Strongman aus Straubing und meint damit intensives Krafttraining an sechs Tagen pro Woche als Vorbereitung. "Du musst einen Hang zum Quälen und Schinden haben, sonst machst du das nicht", fügt er grinsend hinzu.

Allerdings stemmt Trimpl nicht einfach nur möglichst schwere Gewichte, er berechnet seine Trainingseinheiten vier Monate im Voraus und weiß dann genau, ob er an einem Tag 84 oder 85 Prozent seiner Leistungsfähigkeit abrufen muss. Nur so kann er seine Kraft bis zum Saisonhöhepunkt steigern und genau dann in Top-Form sein.

8000 Kalorien pro Tag

Altmodisch wirkt dagegen die Ernährung: 8000 Kalorien verbraucht sein Körper pro Tag, ein Büroangestellter kommt damit drei oder vier Tage aus. Um diesen Energiebedarf zu stillen, ist Trimpl fast alles recht: Brötchen, Joghurt, Früchte, Steaks, eigentlich hat er immer etwas Essbares in Reichweite.

Vor vier Jahren kam der Straubinger zum Strongman-Sport oder, besser gesagt, wurde dafür entdeckt. Nach einem Volksfest-Wettkampf im Steineheben kam die bayerische Strongman-Legende Martin Muhr auf Trimpl zu, mit den Worten: "Du bist zwar nicht der Stärkste, aber du hast den stärksten Willen."

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