Das Ende einer langen Beziehung

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Annabelle Schmied (Name geändert), Journalistin, 43 Jahre alt, München: "Wir kannten uns seit der Studienzeit. Ich hatte mit dieser Freundin viel erlebt, schöne Zeiten, schwierige Zeiten, die Trennung von unseren langjährigen Freunden, wir waren uns immer nahe gewesen. Deshalb habe ich auch nicht lange überlegt, als die Frage aufkam, ob ich ihr Geld leihe. Es ging um 1500 Euro, sie wollte sich eine neue berufliche Existenz als Heilpraktikerin aufbauen, ich fand das gut. Sie hatte länger nach dem richtigen Beruf gesucht, Verschiedenes begonnen, dann umgesattelt, Städte gewechselt. Heilpraktikerin sollte es jetzt sein. Ich gab ihr das Geld, mein Mann hatte auch nichts dagegen.

Kurze Zeit davor hatten wir einer anderen Freundin 5000 Euro geliehen, die sie schnell brauchte, weil sie ein Ferienhaus in Griechenland kaufen wollte. Nach ein paar Jahren fragte diese Freundin, wann wir die Summe zurückhaben wollten. Wir brauchten Geld für ein neues Haus und sagten ihr das, sie zahlte es in zwei Schritten zurück. Unsere Freundschaft hat dieses Geldleihen und das damit verbundene Vertrauen eher gestärkt, glaube ich.

Anders war es mit der Heilpraktikerin. Wir haben uns voneinander entfernt. Es ging um ihren neuen Mann, den sie über mich kennengelernt hatte, von dem ich ihr nun aber unangenehme Dinge erzählt habe, die ich erfahren hatte. Ich wollte sie nur schützen, sie jedoch hielt mich für illoyal, machte mir Vorwürfe, es kam zum Streit. Unser Kontakt brach weitgehend ab. Was ich sehr traurig fand, wir kannten uns ja seit mehr als fünfzehn Jahren. Was war nun mit dem Geld? Vorher hatten wir das eine oder andere Mal darüber gesprochen, es war schließlich schon Jahre her, dass ich ihr die 1500 Euro gegeben hatte. Wir hatten geringe Beträge, die ich ihr aus anderen Gründen schuldete, vom Darlehen abgezogen. Es fehlte noch die große Summe.

Als unsere Freundschaft auf Eis lag, habe ich darauf gewartet, dass sie sich melden und das Geld zurückzahlen würde. Das hätte ich erwartet. Ich habe es auch einmal angesprochen, aber keine wirkliche Reaktion bekommen. 1500 Euro Verlust sind für mich nicht existenzbedrohend. Aber es ist doch ein Betrag, der schmerzt. Im Grunde warte ich bis heute darauf, dass meine Freundin das erkennt und mir die Summe zurückgibt, auch aus Respekt vor der Verbindung, die wir hatten. Ich habe daraus gelernt, wie schwierig es ist, jemandem ein paar Tausender zu leihen, wenn die Freundschaft endet. Ich habe seitdem kein Geld mehr verliehen, die Frage stellte sich nicht. Ich wäre aber heute vorsichtiger. Im Hinterkopf wäre der Gedanke, vielleicht bekomme ich es nicht zurück. Womöglich würde ich beim nächsten Mal mit dem Bekannten einen schriftlichen Vertrag abschließen, Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Das verlorene Geld ist für mich aber nur ein Randaspekt. Viel schlimmer wiegt, dass ich eine Freundin verloren habe - jedenfalls sieht es so aus."

Protokoll: Alexander Hagelüken

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