Streit über Martinsumzug St.Martin und die anderen Kulturen

Die Taunus-Zeitung hatte geschrieben, dass in der städtischen Kita der Martinstag seinen Namen verloren habe und aus Gründen politischer Korrektheit nun das "Sonne-Mond-und-Sterne-Fest" gefeiert werde. Sie berichtete, ohne Namen zu nennen, von Eltern, die sich darüber beklagt hätten. Denen sei gesagt worden, dass man das Fest umbenannt habe, weil Kinder und Eltern aus anderen Kulturkreisen nicht diskriminiert werden sollten.

Eine Umbenennung hat es nie gegeben

Das sei falsch, sagt nun Stadtrat Kraft. Es sei weiter vom Martinstag die Rede, gerade auch in Einladungen und Papieren, etwa dem Antrag für den Laternen-Umzug gemäß der Straßenverkehrsordnung; stets sei vom Martinsumzug die Rede. Er habe die Unterlagen durchgesehen.

Ja, irgendwann, im Jahr 1998, sei wohl mal eine "Sonne-Mond-und-Sterne-Suppe" gekocht worden. Seither gebe es auch diesen Namen. Aber eine Umbenennung? "Wir müssten das doch wissen", sagten die Erzieher dazu, ratlos. Der Artikel wurde, so heißt es in Bad Homburg, zunächst in einem Blog kommentiert. Es folgten Droh-Mails, die Geschichte erreichte größere Medien, und nun hatten viele etwas zu sagen.

Dabei fand sich kaum jemand, den die Idee, die es in Bad Homburg sowieso nicht gab, begeisterte. Nur die Linken in Nordrhein-Westfalen äußerten Zustimmung. Seither bekommt ihr Sprecher Rüdiger Sagel so viel Aufmerksamkeit wie sonst wohl nie. Er stellte freilich schnell klar, dass er missverstanden worden sei, vielleicht gar absichtlich, und Martinsumzüge auch nicht abschaffen wolle. Ja, die Botschaft des Heiligen Martin, den Mantel zu teilen und den Armen zu helfen, sei sogar "zentraler Bestandteil unserer Politik": Kinder sollten weiterhin mit Martins-Laternen Freude haben.

St.Martin in aller Munde

Aber die Maschinerie läuft. "Total skandalös", fand zum Beispiel CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär die Sache in einem Interview. Auch sei es schlimm, "dass uns jetzt Muslime darauf hinweisen müssen, dass es vollkommen in Ordnung ist, St. Martin zu feiern". Der Zentralrat der Muslime hatte das Fest verteidigt und St. Martin als Vorbild gewürdigt. Aber auch aus der CDU Rheinland-Pfalz kam die Mahnung, dass der St. Martinstag in Deutschland tief verwurzelt sei.

Mehr als eine Woche liegt der längst dementierte Zeitungsbericht nun zurück, aber Kommentare gibt es immer mehr. Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann, fehlt nicht in der Reihe. Sie wird zitiert von den Ruhr Nachrichten, dass sie sich an die DDR erinnert fühlte, wo Engel zu "Jahresendzeitfiguren" erklärt worden seien. Und am Freitag setzte sich der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick per Twitter für St. Martin ein. Noch ist kein Ende in Sicht: Noch ein bis zum Tag der Tage, viel Raum, den beliebten Heiligen zu retten.

In Bad Homburg hoffen sie schon, dass der Spuk nun endlich vorbei ist. "Es war ein wunderschöner Martinsumzug, der bestbesuchte seit Jahren", sagt Dezernent Kraft. "Schön, all die Lieder wieder zu hören." Selbst die Lichter der Fernsehkameras störten nicht sehr. "Es waren halt diesmal", meint auch Andreas Möring, Sprecher der Stadt, "ein paar Laternen mehr."