Ein Sonnenstudio-Verbot für Kinder und Jugendliche hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) angekündigt. Darüber hinaus warnt das Amt, dass die Deutschen zu sorglos mit der Computertomographie umgehen.

Noch immer gilt eine braune Haut als Status- und Schönheitssymbol - trotz der Hautkrebsgefahr. Wer braun ist, hat offenbar Freizeit und kann es sich sogar leisten, in den Urlaub zu fahren.

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Deshalb nutzen jene, die zum Sonnenbaden nicht genug Gelegenheiten haben, gern die Solarien.

Doch für Kinder und Jugendliche soll diese Möglichkeit bald nicht mehr zur Verfügung stehen - jedenfalls wenn es nach Wolfram König geht, dem Präsidenten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). König fordert, den Solarienbesuch für Kinder und Jugendliche zu verbieten.

"Wir sind dabei, an der Umsetzung des Verbotes zu arbeiten", erklärte König bei der Vorstellung des Jahresberichts 2006 des BfS.

Gerade Jugendliche seien gefährdet. Und sowohl Hersteller als auch Betreiber der Solarien hätten sich geweigert, ein System einzuführen, mit dem die Qualität ihrer Geräte überprüft und zertifiziert werden kann.

Wieviele Kinder und Jugendlichen Solarien tatsächlich nutzen, ist nicht bekannt. Die Zahl der Erwachsenen, die sich künstlich bräunen lassen, haben Marktforscher in Deutschland festgestellt: Es sind zwölf Millionen jährlich. 70 Prozent besuchen dafür Sonnenstudios.

Besonders Mädchen nutzen die Studios

"Wir hören aber immer wieder, dass in der Nähe von Schulen die Jugendlichen - besonders Mädchen - die Studios nutzen", erklärte Jürgen Bock, Geschäftsführer des Bundesfachverbandes Sonnenlicht-Systeme (SLS). "Als Verband befürworten wir die Altersgrenze von 18 Jahren, auch wenn einige Betreiber das vielleicht anders sehen", so Bock. "Für uns steht die Risikobegrenzung im Vordergrund."

BfS-Chef König warnte aber auch davor, die Gefahren des Sonnenlichts zu unterschätzen, vor allem bei Kindern. An den Folgen von UV-Strahlung erkrankten jährlich 120.000 Menschen neu; 3000 Fälle endeten tödlich. Kinder seien besonders gefährdet, weil sie mehr draußen seien.

Durchschnittlich 80 Prozent der Lebensdosis an Sonnenstrahlung nehme man bis zum 18. Lebensjahr auf.

Wie aus dem BfS-Bericht hervorgeht, sorgen sich die Deutschen offenbar zu sehr um Mobilfunkstrahlung und zu wenig um die Risiken beim Röntgen und Sonnenbaden. Die Forschung zu Mobilfunkstrahlen habe bislang keine Gefahren ermittelt, sagte Umweltminister Sigmar Gabriel zum neuen Strahlenschutzbericht.

Hingegen stehe fest, dass in Deutschland zu viel geröntgt werde. Vor allem vor Computertomografien zur Vorsorge warnte er. Die Zahl dieser sehr strahlenintensiven Röntgenuntersuchungen hat nach Erkenntnissen des Bundesamts für Strahlenschutz zwischen 1996 und 2004 um 65 Prozent zugenommen.

Computertomografien machten rund sieben Prozent der insgesamt 135 Millionen Röntgenuntersuchungen 2004 aus, waren aber für mehr als 50 Prozent der gesamten Röntgen-Strahlenbelastung verantwortlich.

Mit Sorge sehe man vor allem, dass zunehmend für CT-Untersuchungen zum Beispiel bei so genannten Manager-Check-Ups geworben werde, sagte Gabriel. Ein Nutzen, der das Risiko der starken Strahlung übersteige, sei aber nicht nachgewiesen. Ein CT nur zur Vorsorge und ohne konkrete ärztliche Indikation sei unsinnig, verlangte Gabriel und verwies auf Vorschriften der Röntgenverordnung.

Zustände wie in den USA, wo mobile Computertomografen über Land führen, wolle man in Deutschland verhindern. Dort gebe es massiven Druck der Hersteller, die Geräte mehr zu benutzen, ergänzte der Chef des Bundesamts, Wolfram König. Er empfahl allen Patienten einen Röntgenpass, um unnötige Untersuchungen zu vermeiden. Dieser könne als Hinweis für Ärzte dienen, sich bereits vorhandene Aufnahmen zu beschaffen.

Gefahr von Mobilfunk

Zu den Gefahren, die von Mobilfunkmasten und -telefonen ausgehen könnten, sagten Gabriel und König, hier gebe es große Verunsicherung der Bevölkerung und eine Bewegung von Bürgerinitiativen, aber keine wissenschaftlichen Belege. Das Bundesumweltministerium habe 2002 ein 17 Millionen Euro teures Forschungsprogramm angestoßen, das bis Ende 2008 abgeschlossen sei.

"Nach allem, was uns bislang vorliegt, gibt es keine zusätzlichen Risiken", sagte Gabriel. Dies gelte auch für UMTS-Sendemasten, so lange die Vorschriften eingehalten würden. König nannte als wichtiges Projekt seiner Behörde auch die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Abfall aus Atomkraftwerken.

"Aus wissenschaftlichen technischen Gründen ist eine Standortsuche dringend notwendig", sagte König. Auch Gabriel forderte ein Suchverfahren, das Alternativen zum bisher erkundeten Standort Gorleben prüfen würde. Bereits seit rund einem Jahr liege ein Vorschlag seines Ministeriums beim Kanzleramt und bei den Koalitionsfraktionen. Aber es sei "sehr schwierig mit der Union".

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(sueddeutsche.de/AP)