Der Gemütszustand ändert die Wahrnehmung von süß, sauer und bitter.
Die Stimmung eines Menschen beeinflusst den Geschmackssinn. Das zeigten jetzt Wissenschaftler von der University of Bristol, indem sie Freiwilligen Medikamente mit stimmungsaufhellender Wirkung verabreichten und dann untersuchten, wie sich die Empfindlichkeit der Probanden für verschiedene Geschmacksnuancen veränderte (Journal of Neuroscience, Bd. 26, S. 12664, 2006).
Schmeckt der Wein? Kommt drauf an, wie es dem Genießer geht. (© Foto: ddp)
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Bei den Stimmungsaufhellern handelte es sich um Substanzen, die die Gehalte an Botenstoffen wie Serotonin und Noradrenalin im Gehirn gezielt heraufsetzen. Die Konzentrationen von Noradrenalin und Serotonin sind bei Depressionen oder Angststörungen erniedrigt. Die britischen Forscher um Lucy Donaldson testeten für die Studie gesunde Probanden.
Test mit Depressiven steht aus
Teilnehmer, die ein Antidepressivum erhielten, das den Serotoninspiegel im Gehirn steigen lässt, wurden empfindlicher für die Wahrnehmung von süßem und von bitterem Geschmack. Erhielten sie einen Stoff, der Noradrenalin im Gehirn anreichert, wurden sie sensitiver für bittere und saure Geschmacksrichtungen. Bei vielen depressiven Patienten stumpft der Geschmackssinn ab und auch der Appetit kann sich verändern.
"Noch nicht hinterfragt worden ist, welche Geschmacksnuancen betroffen sind", sagt Lucy Donaldson. Auf der Grundlage der neuen Erkenntnisse könnte möglicherweise in naher Zukunft ein Leitfaden entwickelt werden, um anhand der Geschmackswahrnehmung das richtige Medikament für einen Depressionskranken auszuwählen.
"In wenigen Jahren haben wir vielleicht schon ein einfach zu bedienendes Testkit", sagt Jan Melichar, Ko-Autor der Studie. Die Wissenschaftler wollen ihre Ergebnisse nun absichern, indem sie vergleichbare Untersuchungen an depressiven Menschen durchführen.
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(SZ vom 13.12.2006)
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