Von Sarina Pfauth

Es ist Winter in Deutschland, das allein wäre noch keine Schande. Aber was er mit sich bringt, durchaus. Eine Absage an doofe Mützen.

Schnee macht die Haare nass, der Wind macht rote Ohren. Da hilft nur eins: eine Mütze. Aber welche? Kopfbedeckungen sind ein äußerst schwieriges Kapitel der Modegeschichte, und wer in einer Fußgängerzone den Blick schweifen lässt, weiß auch gleich, warum.

Fashion Show Rio de Janeiro, Reuters

Modenschau in Rio de Janeiro: Ein wenig zweifelnd blickt dieses Model in die Ferne. Liegt es an der extravaganten Kopfbedeckung aus dem Hause Aqcuastudio? (© Foto: Reuters)

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Es fängt schon ganz früh an. Immer mehr Babys tragen seit einigen Jahren am Kopfende Katzen- und Hasenohren, weil ihre Eltern das süß finden. Wenn die Kinder größer werden und sich gegen Tierkostüme wehren können, werden Ihnen Wicki-Kopfbedeckungen aufgesetzt: Mützen mit Hörnern und Haaren. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie die Fußgängerzonen der Zukunft aussehen werden.

Festzustellen ist jedenfalls, dass der Mützengeschmack im Erwachsenenalter differenzierter wird. An der Kopfbedeckung sind häufig Beruf, Hobby und soziale Schicht abzulesen.

Bankräuberartige Schlauchmützen, die in den achtziger Jahren alle Kinder trugen, weil sie verhinderten, dass Schneebälle im Nacken landen, werden heutzutage vor allem von älteren Damen mit schwarz gefärbtem Haar, Goldschmuck und einem Hang zur Esoterik getragen.

Äußerst beliebt bei Maschinenbauern und Nerds: Die praktische Fleece-Mütze aus dem Discounter, vornehmlich in grau. Topfförmig bedeckt sie mindestens zwei Drittel des Hauptes und verhindert zuverlässig jeglichen Luftaustausch.

Menschen, die sich zielstrebig und erfolgreich durchs Leben bewegen und daher auch nie ohne Aktentasche und Laptop das Haus verlassen, stülpen sich gerne schwarze Fleece-Tütchen über ihre Ohren. Beim Anblick der bügellosen Ohrenschützer schüttelt sich selbst Mickey Mouse.

Lehrer und Künstler lieben runde Strick- oder Häkelmodelle mit hochgerolltem Rand - in den neunziger Jahren bekannt unter der Bezeichnung "Rollmopsmütze"; damit wirkt man intellektuell oder zumindest ein bisschen alternativ.

Wer wirklich individuell sein wollte, griff eine zeitlang zur russischen "Tschapka". Dieses überdimensionale Fellmodell, für den deutschen Markt meist aus Polyester gefertigt, hielt sich jedoch nicht lange, weil Köln nun eben nicht Nowosibirsk ist und eine Tschapka in der überheizten U-Bahn dann doch irgendwie übertrieben wirkt.

Bei jungen Frauen immer noch en vogue: dicke Strickmützen, unter die auch ein Kürbis passen würde. Das der Großteil der Kopfbedeckung wie ein nasser Sack im Nacken hängt und nur einen mäßig guten Eindruck macht, liegt daran, dass dieses Modell ursprünglich eher für Träger von dicken Rastalocken gedacht war.

Schließlich gibt es noch jene Zeitgenossen, die sich dem Mützenzwang verweigern und den Winter barhäuptig durchleben - aus Eitelkeit. Sie tauchen wahlweise mit rot gefrorenen Ohren oder gar nicht auf, weil sie nämlich regelmäßig mit Bronchitis im Bett liegen.

Mit Schirm oder ohne, Kringeln oder Punkte, Bommel oder nicht - wenig auf der Welt ist so schwer wie die Wahl der richtigen Mütze.

Eine revolutionäre Mützenidee kam nun aus Südamerika über den Ticker. Auf Schauen in Rio de Janeiro, wo die Winterkollektionen für das kommende Jahr vorgestellt wurden, erblickten wir das hübsche Stück. Wir sind begeistert! Dieses Modell betont das Gesicht, hält die Ohren schön warm, fällt auf - und kann im Fall akuter Klimaerwärmung auch zur Badekappe umfunktioniert werden.

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(sueddeutsche.de/dog/vs)