Sozialwissenschaftliche Studie "Schlau ist das neue Sexy"

Die hübsche Blondine, die brav den Mund hält, ist bei den Männern out. Das zeigt eine neue Studie über die Erwartungen junger Deutscher. Sie zeigt aber auch: Die Frauen werden wütender.

Von Annette Ramelsberger

Jahrhundertelang war es Männern in erster Linie wichtig, wie ihre Frau aussieht. Attraktiv sollte sie sein, hübsch zumindest, am liebsten aber richtig schön. Intelligenz galt als verzichtbar, manchmal sogar als hinderlich. Es war besser, die Schöne versank in Anbetung vor dem Herrn Gemahl und gab zu Hause keine Widerworte. Das galt - bis jetzt.

Plötzlich wollen Männer kluge Frauen. Wenn heute junge Männer erklären sollen, welche Ansprüche sie an ihre Zukünftige stellen, dann hat die Intelligenz die Schönheit von den vordersten Plätzen verdrängt. "Blond und hübsch und hält den Mund - das geht gar nicht mehr", sagt Brigitte Huber, die Chefredakteurin der Frauenzeitschrift Brigitte. "Natürlich macht es mehr Spaß, wenn man sich mit seiner Frau auch gut unterhalten kann", sagt Huber. Aber das sei noch nicht alles. "Der Mann will heute eine Frau, die er gesellschaftlich vorzeigen kann. Die kluge Frau ist das neue Statussymbol des Mannes."

Die überraschenden Ergebnisse entstammen einer Studie der Frauenzeitschrift Brigitte, die im Jahr 2007 über 2000 Männer und Frauen zwischen 17 und 29 Jahren nach ihren Zukunftswünschen befragt hatte - und nun 500 dieser jungen Leute erneut interviewte. Geleitet hat die Studie die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Jutta Allmendinger. Sie sagt in Brigitte: "Schlau ist das neue Sexy."

Väter bringen sich kaum mehr ein als früher

Die Männer von heute wollen nicht nur eine kluge Frau, sie wollen auch gleich noch eine finanziell unabhängige Gefährtin. 76 Prozent der Männer können sich der Studie zufolge eine Frau ohne Beruf gar nicht mehr vorstellen und bestärken ihre Frauen auch in Sachen Karriere. 45 Prozent der Männer wollen sogar, dass ihre Frau richtig viel Geld verdient - eine Entwicklung, die sich die Mütter dieser Generation noch kaum vorstellen konnten.

Bis weit in die Siebzigerjahre durfte eine Frau nur dann arbeiten, wenn der Ehemann zustimmte. Und wenn der fand, dass sie lieber seine Hemden bügeln sollte, dann konnte er seine Einwilligung versagen - denn zu allererst hatte die Frau ihre "häuslichen Pflichten" zu erfüllen. Erst 1977 wurde das Eherecht geändert.

Die Männer haben inzwischen die Vorteile der Frauenarbeit erkannt. Sie wollen auf die unabhängige, gut verdienende Frau, die an ihrer Seite glänzt, nicht verzichten - auch nicht zugunsten gemeinsamer Kinder. Deswegen stehen Frauen mit Kinderwunsch ziemlich allein da. Wenn Frauen Kinder wollen, müssen sie das weitgehend allein entscheiden, beim Partner durchboxen und die Folgen allein tragen. Denn der Vater bringt sich 2013 nicht viel mehr in der Familie ein als früher.