Ein Tätowierer bietet im Internet seine Glatze als Werbefläche an - ein Gespräch mit einem Mann, der für Geld fast alles tut.
Gegen Geld machen Menschen bekanntlich viel - auch wenn's weh tut. In Köln ließen sich im November mehr als 40 Männer den Schriftzug "Pascha" auf den Unterarm tätowieren, dafür erhalten sie seither freien Eintritt in das gleichnamige Großbordell. Thomas Tanriverdi aus dem westfälischen Coesfeld aber geht noch einen Schritt weiter. Der 30-jährige Tätowierer bietet seine Glatze feil. Im Online-Auktionshaus hood.de kann man den Platz auf seinem Schädel ersteigern, um darauf etwa die eigene Firmenwerbung zu platzieren.
So sieht sie also aus, die noch unbefleckte Glatze von Thomas Tanriverdi. (© Foto: dpa)
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SZ: Hallo Herr Tanriverdi, Sie sind ja wirklich schmerzfrei. Wie kommt man bloß auf so eine absurde Idee?
Thomas Tanriverdi: Mir war langweilig. Außerdem bin ich ein verrückter Typ und mach' gern lustige Sachen. Ich bin halt kein Normalo.
SZ: Entschuldigung, aber nur Langeweile kann doch nicht Ihre Motivation sein?
Tanriverdi: Naja, ich hab schon einen Batzen Schulden, die ich damit abbauen will. Im Moment steh ich noch mit etwa 20.000 Euro in den Miesen.
SZ: Vielleicht sollten Sie es mal mit Lottospielen probieren - oder Ihre sonstigen Qualitäten zu Geld machen.
Tanriverdi: Ich habe im Sommer 2008 immerhin den Arschbomben-Wettbewerb im Freibad Rheine gewonnen.
SZ: Herzlichen Glückwunsch, war es denn jedenfalls gut dotiert?
Tanriverdi: Nicht so, aber Spaß gemacht hat es, wie als kleines Kind. Der Pokal steht noch in der Vitrine im Wohnzimmer, ansonsten gab's nen Einkaufsgutschein von einer Elektronikfirma.
SZ: Und sie haben jetzt einen Plasma-Fernseher?
Tanriverdi: Nee, waren nur 50 Euro, das reichte grade für ein paar CDs.
SZ: Aber wie kommt man als junger Mensch zu so vielen Schulden?
Tanriverdi: Ich hatte mich selbständig gemacht mit zwei Tätowierstudios in Rheine; aber die sind nicht so gut gelaufen. Konkurrenz und so, Sie verstehen ...
SZ: Und jetzt wollen Sie 20.000 Euro für ihre Glatze?
Tanriverdi: Das wäre zumindest nicht schlecht. Ab 18.001 Euro gehört die Glatze ein Leben lang dem Bieter.
SZ: Da kann man ja nur auf ein langes Leben hoffen ...
Tanriverdi: Ich rauche nicht, ich trinke nicht, bin kerngesund. Da hat man wohl lange Spaß an der Werbung.
SZ: Aber noch ist ihr Kopf nicht so gefragt. Das Höchstgebot liegt derzeit bei 1616 Euro. Das reicht gerade einmal für 1 Jahr Werbung auf dem Schädel.
Tanriverdi: Ich bin bisher ganz zufrieden. Ich hatte ja zuvor 35.000 Euro als Mindestgebot eingeben. Das hat aber keine Sau interessiert. Da war ich so sauer, dass ich mit einem Euro Gebot angefangen hab. Und jetzt läuft's.
SZ: Und Ihnen ist es egal, womit Sie rumlaufen?
Tanriverdi: Ich seh' das ja nicht, ist ja der Hinterkopf. Von daher ist es mir egal.
SZ: Gibt's denn überhaupt keine Grenzen der Werbung für Sie?
Tanriverdi: Doch klar, etwa Pornographisches oder so mache ich auf gar keinen Fall. Kein Schweinkram, es muss schon was Seriöses sein.
SZ: Was schwebt Ihnen denn vor?
Tanriverdi: Also, Jägermeister wäre geil gewesen, so mit dem Hirsch auf dem Hinterkopf. Das hätte mir Spaß gemacht.
SZ: Aber ...
Tanriverdi: Ich hab' schon den Geschäftsführer bei Jägermeister angerufen. Er hat mir gesagt, dass das wohl nicht so ihre Zielgruppe wäre. Naja, Jägermeister kennt ja auch jede Sau. Die haben das nicht nötig.
SZ: Und wenn hätten sie sonst gern?
Tanriverdi: "Kleiner Feigling", das wär cool.
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(sueddeutsche.de/jw)
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Die Idee gabs schonmal bei den Simpsons :-)