Skandal um Brustimplantate Frauen müssen Implantat-Wechsel mitbezahlen

Krankenkassen empfehlen, Billig-Brustimplantate entfernen oder austauschen zu lassen. Sie übernehmen aber nur die vollständigen Kosten, wenn der Einsatz der Silikonkissen aus medizinischen Gründen erfolgt war.

Im Skandal um defekte Billig-Brustimplantate müssen betroffene Frauen damit rechnen, an den Kosten für eine Entfernung oder einen Ersatz der Silikonkissen beteiligt zu werden. Wenn die Implantate in reinen Schönheits-Operationen eingesetzt wurden, ist nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums und der größten gesetzlichen Krankenkasse Barmer GEK eine Kostenübernahme durch die Kassen nicht garantiert. Dies müsse aber im Einzelfall geprüft werden.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte am Freitag generell empfohlen, Brustimplantate der französischen Firma PIP vorsichtshalber entfernen zu lassen. Es gebe vermehrt Hinweise, dass auch ohne Riss des Implantats Silikon austreten kann. In Deutschland sind womöglich mehrere tausend Frauen betroffen.

Ein Sprecher der Barmer GEK sagte, wenn einer Frau die PIP-Produkte aus medizinischen Gründen eingesetzt worden seien, sei eine Kostenübernahme sowohl für die Entfernung als auch für den Einsatz neuer Implantate "kein Problem". Bei Frauen, die sich aus ästhetischen Gründen die Silikonkissen hätten einsetzen lassen, komme es dagegen auf den Einzelfall an. Sie müssten damit rechnen, an den Kosten beteiligt zu werden.

Gleichlautend äußerte sich eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums. Beide betonten außerdem, dass in der Frage die konkreten medizinischen Umstände entscheidend seien. Deswegen sollten Betroffene unbedingt mit einem Arzt Rücksprache halten.

In Frankreich hatten die Behörden bereits vor Weihnachten alle 30.000 betroffenen Frauen aufgefordert, sich die Prothesen entfernen zu lassen. PIP-Gründer Jean-Claude Mas hatte in einem Polizeiverhör zugegeben, drei Viertel seiner Prothesen mit einem Billig-Gel gefüllt zu haben. PIP hatte weltweit Hunderttausende Brustimplantate verkauft. Die Billigkissen reißen verstärkt und rufen Entzündungen hervor.