Kranke, die in ihren Exkrementen liegen. Krankenschwestern, die sich nicht die Hände waschen. Geruch von Durchfall auf dem Stationsflur: Wegen eklatanter Hygiene-Mängel starben in britischen Kliniken mindestens 90 Menschen.
Einige Patienten wurden angeblich in ihren Exkrementen liegen gelassen, Krankenschwestern wuschen sich nicht die Hände, der Stationsflur roch nach Durchfall. So beschreiben Angehörige die Situation in den Krankenhäusern in Kent und Sussex, in denen ihre Verwandten sich infizierten und starben.
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Nach und nach kommen immer mehr unappetitliche Details zum Vorschein, die ahnen lassen, welche Zustände in den englischen Kliniken geherrscht haben müssen, die jetzt massiv in der Kritik stehen.
Alan Johnson, der britische Gesundheitsminister, spricht von einem "enormen Skandal", denn einer Untersuchungskommission der Regierung zufolge sind mindestens 90 Menschen wegen der eklatanten Hygienemängel in drei britischen Krankenhäusern der Region Maidstone and Tunbridge Wells gestorben.
Multiresistente Krankenhauskeime
Michael Moore hätte die Szenerie in seinem Doku-Schocker Sicko über das US-Gesundheitswesen nicht drastischer darstellen können. Die Tragödie in Großbritannien hat sich jedoch nicht im Kino, sondern tatsächlich zugetragen.
Zwischen 2004 und 2006 haben sich nach Erkenntnissen der Untersuchungskommission mehr als 1000 Menschen in drei Kliniken mit multiresistenten Krankenhauskeimen infiziert. Clostridium difficile, so heißt der Erreger, der am häufigsten isoliert wurde, ist unter Mikrobiologen als hartnäckiger Problemkeim bekannt, gegen den die Mehrzahl der Antiobiotika nichts mehr ausrichten kann.
"Wir können allerdings nicht genau sagen, wie viele Todesfälle auf die Pflegebedingungen zurückzuführen sind", schreibt die Kommission in ihrem gerade vorgelegten Bericht. "An Infektionen mit Clostridium difficile sterben auch Menschen, wenn sie die beste Betreuung erhalten."
Clostridium difficile führt zu Bauchkrämpfen, Darmentzündung und Durchfall. Bei älteren Menschen kann der Flüssigkeitsverlust schnell zu Benommenheit und Bewusstlosigkeit führen, im Extremfall zum Tod. John Gosal, dessen 71-jährige Mutter sich nach einer Operation in einer der Kliniken mit Clostridium difficile infizierte, sagte der BBC: "Meine Mutter hatte furchtbar Durst. Sie war verzweifelt, doch sie bekam nichts, weil die Ärzte sie vielleicht operieren wollten. Dann starb sie."
Tödliche Blutvergiftung
Eine gefürchtete Komplikation der Infektion mit Clostridium difficile ist die toxische Aufblähung des Dickdarms. Teile der Darmwand werden durch die Keimbesiedlung zerstört, eine tödliche Blutvergiftung droht.
Die Mängelliste der Untersuchungskommission offenbarte groteske Zustände: Eine Klinik war in baufälligem Zustand und die Betten standen so dicht nebeneinander, dass nicht zwischen ihnen saubergemacht werden konnte.
"Als wir die Klinik besuchten, sah man Stuhlreste in Bettpfannen, obwohl sie gesäubert waren. Personaleinsparungen führten dazu, dass Krankenschwestern sich nicht die Hände wuschen, keine Handschuhe trugen und Bettwäsche nicht gewechselt wurde - manchmal nicht einmal, wenn ein neuer Patient das Bett belegte."
"Krankenhausinfektionen sind in England ein großes Problem", sagt Jürgen Heesemann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie. "Dort ist der Anteil resistenter Keime viel höher als in Deutschland oder in den Niederlanden." 30 Prozent der Stämme von Staphylococcus aureus - neben Clostridium difficile der wichtigste Problemkeim - seien in England mehrfach resistent. In Deutschland betrage der Anteil zehn Prozent.
In Großbritannien ist eine heftige Debatte um die Schwächen des Gesundheitssystems entbrannt. Erste Konsequenz: Rose Gibb, Chefin der Krankenhausgesellschaft, zu der die Kliniken gehören, wurde Freitag entlassen. Gehalt und Altersrückstellungen wurden einbehalten.
Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
(SZ vom 13.10.2007)
Sie schreiben: "....überwunden. Nun gilt es, marktwirtschaftliche Prinzipien auch im
Gesundheitssystem einzuführen. England kann hier als Vorbild dienen."
Entweder ich habe etwas falsch verstanden, oder Sie ;-)
In England gibt es ein staatliches Gesundheitswesen - es ist vollkommen planwirtschaftlich organisiert. Dort gibt es keine Marktprinzipien. In Planwirtschaften werden ökonomische Ressourcen verschwendet, deswegen ist die DDR - und mit ihnen alle sozialistischen Länder - untergegangen. Da unsere Ressourcen leider immer endlich sind, das gilt auch für ein Gesundheitswesen, müssen gewählte Politiker Prioritäten setzen, was geht und was nicht geht (dazu sind sie Politiker). Sind die Prioriäten gesetzt (exemplarisches Stichwort: Erkältungen selber bezahlen und Tumorerkrankungen, Herzinfarkt etc. als Grundleistung einer Versicherung), müssen die begrenzten Ressourcen am besten dadurch bewirtschaftet werden, in dem man Wettbewerb zuläßt. Erst dann werden am Markt die endlichen finanziellen Spielräume optimal ausgenutzt. Dabei muß keiner der sozial schwachen Schichten auf eine angemessene Behandlung verzichten, wenn die Politik Rahmenvorgaben macht und Menschen anschließend selber entscheiden läßt, wer was zusätzlich versichern möchte. Das funktioniert aber nur, wenn die staatliche Gängelei und Zwangsversicherung mit Zwangsbeiträgen aufhört. 16.000 ärzte haben Deutschland schon verlassen und kehren der Planwirtschaft den Rücken - mit schlimmen Folgen für Patienten. Und es werden mehr ärzte, die das Land verlassen, wenn sich die Politik nicht dreht.
Hallo Lee ... sorry aber in England ist das Gesundheitswesen staatlich - also hier zeigt das Totschlagargument des "neoliberalen" nur eines ... Ahnungslosigkeit.
magr
Der Bericht liest sich, als handle er von den Zuständen in einem Dritte Welt- oder Schwellenland und nicht von einer reichen Industrienation. Das Gesundheitssystem in GB war ein tadelloses - bis es aus Kostengründen demontiert wurde. In den 1970er Jahren, als das begann, machte Monty Pythons Flying Circus schon bitter-schwarze Scherze darüber. Warnungen wurden nicht erhört. Das Resultat liegt jetzt vor.
Es wäre schön, wenn die Warnungen in unserem Land gehört würden. Ein Blick über den ärmelkanal könnte die Sicht auf drohende Konsequenzen verfehlter Sparpolitik im Gesundheitswesen schärfen.
nein, mein Weltbild ist überaus detailliert, und ich weiss sehr genau, daß dieser lediglich in der Wolle "sozial" gefärbte Blair knallhart eine rein marktfundamentalistische Politik auf Thatchers Fundamenten weitergeführt hat. Von was reden Sie eigentlich wenn Sie sagen daß es Leute gibt die den Thatcherismus umkehren wollen? Das ist wohl eine Minderheit, die sich bedauerlicherweise nicht durchsetzt. Der Mainstream ist doch gerade auf Marktfundamentalistischem Kurs, da sehe ich keine Abkehr...
Was ist z. B. im Laufe der letzten 20 Jahre mit der britischen Eisenbahn passiert?
Da wurde privatisiert, und wie. Ja, der Markt hats gerichtet, diese Markthörigkeit mussten hunderte Fahrgäste bislang schon mit dem Leben bezahlen, weil aus Profitgründen die Sicherheit grob fahrlässig bis vorsätzlich vernachlässigt wurde.
Ich war mal beruflich in der Gegend in und um MIlton Keynes, ich kann sagen, dass ich in UK weder leben noch begraben sein will, auch wenn ich die Menschen durchaus schätze und positive Erlebnisse hatte. Aber an den Folgen der übertriebenen Politik und ihren Nachfolgern wird UK noch eine Zeitlang leiden.
Entschuldigen Sie bitte, wenn ich den meisten von Ihnen vor den Kopf stoße, aber das englische Gesundheitssystem ist sozialistisch wie in der Sovjetunion.
Statt auf Demagogen wie Michael Moore zu hören, empfehle ich Ihnen "The Undercover Economist" von Tim Harford. Auch wenn er das englische Gesundheitssystem nur kurz anspricht und dies vor allem aus ökonomischen Gesichtspunkten tut, sind seine Erklärungen diesbezüglich klar und mit ein wenig ökonomischen Sachverstand auch verständlich.
Herrn Bartels Verweis auf Michael Moore ist ohnehin völlig überflüssig; ein Absatz völlig ohne Inhalt.
Ich möchte Sie alle bitten, sich nicht zu äußern, wenn Sie sich mit einer Sache nicht auskennen. Danke
Ach ja: Was glauben Sie eigentlich, warum ein Krankenhaus Krankenhaus heißt? Auch hierzulande ist es der beste Weg alle möglichen Krankheiten zu bekommen.
Ich würde Wetten eingehen, dass min. jede zweite Lungenentzündung im Krankenhaus eingefangen wurde.
Paging