Von Jürgen Schmieder

Ex-Sportler, Ex-Raucher, Ex-Single: Wenn man innerhalb eines Jahres 15 Kilo zunimmt, sollte man nicht mehr denken, sondern handeln. Unser Kolumnist gibt alles - und noch viel mehr.

Ich bin fett! Diese drei lustigen Worte sind gar nicht mehr lustig, wenn man sie über sich selbst schreibt. Vor allem nicht, wenn man sie nicht wie viele Frauen dazu benutzt, von ihren Partnern Selbstbewusstsein-steigernde Sätze und eine aufmunternde Fuß-Massage zu bekommen.

Anzeige

Die Erkenntnis des Dickseins ist über Monate gereift, denn die eindeutigen Indizien kann ich nicht mehr leugnen:

1) Die Jeans vom November 2005 passt nicht mehr. 2) Die Baggy-Hosen von früher dagegen sitzen wie angegossen. 3) Es gibt keine kleinen Tierchen, die Kalorien heißen, im Schrank wohnen und nachts die Kleider kleiner machen. 4) Oma sagt: "Endlich hat der Bub mal was auf die Rippen bekommen!" 5) Die Kollegen sagen: "Wenn der Spruch Mens sana in corpore sano tatsächlich stimmt, dann ist klar, warum Du langsam verrückt wirst." 6) Meine Frau sagt: "Ach, so richtig durchtranierte Männer finde ich gar nicht schön." 7) Ein unsportlicher Mitarbeiter beim SZ-Fußball sagt: "Du hast 'nen Antritt wie ein Klavier." 8) Man freut sich, dass der Kollege doch noch dicker ist. Und ärgert sich, dass ich den Vergleich überhaupt nötig habe. 9) Beim Fußball im Park will ich immer in die Mannschaft gewählt werden, die ihr Shirt anbehalten. 10) Beim Ergometertest meines Hobby-Fußballvereins stand am Ende: "Für den Kader nicht geeignet!" 11) Ich entwickle eine seltsame Vorliebe für Portraitfotografie.

Ich bin fett. Das ist Fakt. Dafür muss es Ursachen geben. Ich könnte die Schuld freilich bei anderen suchen. Das Essen in der Kantine ist zwar lecker, doch könnte man sämtliche Energieprobleme dieser Erde lösen, wären nicht über jedem Gericht zwei Liter Öl. Und diese Arbeit! Als Student, da konnte man ja noch laufen und Gewichte stemmen. Jetzt geht das natürlich nicht mehr. Und das gute Bier in Bayern, das Essen, die Süßigkeiten.

Genug der Ausreden, es hilft nichts. Am Ende bleibt doch: Ich bin fett. Der Body Mass Index übersteigt mein Alter um zwei Punkte, der Körperfettanteil liegt mit 25 beim Fünffachen von Janet Jackson bei den Music Awards 2003.

Das muss sich ändern!

Jeder verspricht das Beste und Tollste

Das neue Jahr ist ein perfekter Startpunkt für "Projekt 15". Bis zum Geburtstag am 21. Juni müssen 15 Kilo runter, ein paar Muskeln drauf und eine gesündere Gesichtsfarbe wäre auch nicht schlecht. Kurz: Fit und gesund werden.

Nun ist es aber so, dass jedes Männermagazin, jedes Fitness-Studio, jeder liedermachende Sozialpädagoge die Formel zur Fitness erfunden hat. Es gibt die Online-Mega-Fett-Weg-Diät, das Six-Pack-in-14-Tagen-Fitness-Paket, das Auf-den-Stoffwechsel-fertig-los-Programm. Alles prima, bestimmt.

Aber für "Projekt 15" nie und nimmer ausreichend. Ich brauche das volle Programm! Und ich brauche Abwechslung, jede Woche etwas Neues, sonst wird es langweilig. Also starte ich jede Woche eine neue Diät oder ein neues Fitnessprogramm. Mal Sport, mal weniger Essen, mal was ganz Verrücktes aus einer Home-Shopping-Sendung.

Das Tagebuch von "Projekt 15" können Sie jeden Donnerstag hier nachlesen. Sie können mir, dem wild entschlossenen Kolumnisten helfen. Haben Sie eine Idee, eine Diät oder ein Programm für mich? Schicken Sie es an:

juergen.schmieder@sueddeutsche.de

In Woche eins steht ein altes Hausmittel meiner Oma auf dem Programm: Ich ernähre mich nur von Zwieback und verschiedenen Tees. Hört sich ganz toll an. Da freue ich mich ungefähr so drauf wie auf eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt.

Aber egal: "Projekt 15" läuft an. Ich bleibe dran.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Wüste bebt

Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de)